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Joshis Glück in Gefahr

Jörg Kammer muss seine illegal errichtete Voliere in Brienz abbauen. Die Zukunft seiner Joshi, der übrigen fünf Grau­papageien und zweier Dutzend Ziervögel ist ungewiss.

Selig in den Armen ihres Herrchens: Die 10-jährige Graupapageidame Joshi.
Selig in den Armen ihres Herrchens: Die 10-jährige Graupapageidame Joshi.
Bruno Petroni

«Ich verzichte auf ein Baugesuch, da nach telefonischer Auskunft der Bauverwalterin dieses von der Gemeinde nicht bewilligt wird»: Bis zum 10. September hätte Jörg Kammer Gelegenheit gehabt, Stellung zu nehmen zur Sachlage um das seit drei Jahren hinter seinem Haus stehende 20 Quadratmeter grosse Vogelgehege und das etwas kleinere «Winterhäuschen». Dieses ersetzt die alte Voliere, die über 12-jährig und angefault war.

Seit Anfang 2017 bekannt

Die Brienzer Bauverwalterin Silvia Fuchs geht auf Anfrage nicht näher auf den Fall ein, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Sie bestätigt aber, dass das von Jörg Kammer erstellte Gehege in der Landwirtschaftszone stehe und somit nicht bewilligungsfähig sei. «Wenn jemand etwas ohne Baubewilligung oder in Abweichung einer Bewilligung baut, wird ein Baupolizeiverfahren mit zwei Möglichkeiten eröffnet: dem Einreichen eines nachträglichen Baugesuchs oder einer Projekt­änderung», erklärt Silvia Fuchs.

Kammer wisse allerdings schon seit mehr als einem Jahr, dass das Gehege illegal da stehe, denn nach Abklärungen Anfang 2017 sei ihm fünf Monate später eine Wiederherstellungsverfügung eröffnet worden. «Im Wissen, dass es eine schwierige Situation für ihn ist, wollten wir hier kulant sein», so Fuchs. Doch «bei einem Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone haben wir kein Bestimmungsrecht. Hier liegt die Zuständigkeit beim Amt für Gemeinden und Raumordnung.»

«Suche neuen Standort»

Früher oder später werden Jörg Kammer und seine Ehefrau Silvia also das Gehege wohl zurückbauen müssen. Was dann mit den sechs Graupapageien, dem halben Dutzend seltener Fasane und den übrigen Tieren geschehen soll, ist ungewiss. «Nein, verkaufen oder verschenken würden wir sie sicher nicht. Viel zu sehr haben wir jeden unserer gut zwei Dutzend Vögel ins Herz geschlossen», geben sich Kammers entschlossen.

Seit 13 Jahren nehmen sie verwahrloste Ziervögel bei sich auf; unter ihnen auch zwei fast völlig erblindete Papageien. Schon jetzt sucht Jörg Kammer für die Vögel deshalb in der näheren Umgebung von Brienz «einen geeigneten Standort zur Errichtung des Vogelgeheges. Es wäre sehr schön, wenn sich jemand melden würde, der eine solche Unterkunft bieten könnte.»

Vor zehn Jahren im Gadmertal

Der Fall erinnert an einen Hundepfleger und seine 40 Windhunde am Sustenpass vor zehn Jahren. Auch damals störte sich ein Nachbar an den Tieren und meldete sich bei der Einwohnergemeinde, worauf ein wüster Tanz um das widerrechtlich aufgestellte Freilaufgehege losging und schliesslich vor dem Bundesgericht lag.

Im Mai 2013 wurden dem Rentner auf Verfügung hin durch Polizei und Veterinärdienst 29 Hunde weggenommen; der Mann zog mit seinen verbleibenden Tieren ins Münstertal und später nach Osteuropa (wir haben berichtet).

Die Artikel 22 und 24

Das am 22. Juni 1979 verabschiedete Bundesgesetz über die Raumplanung sieht in Artikel 22 vor, dass Bauten und Anlagen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder abgeändert werden dürfen. Voraussetzung einer solchen Bewilligung ist, dass die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone (Landwirtschafts- oder Bauzone) entsprechen und das Land erschlossen ist.

Artikel 24 sieht vor, Bewilligungen für den Bau von Bauten und Anlagen zu erteilen oder ihren Zweck zu ändern, wenn dieser einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen.

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