Interlakner Gymnasiasten fühlten Ständeratskandidaten auf den Zahn

Interlaken

Die Podiumsdiskussion in der Aula war so hochkarätig besetzt, dass die beiden künftigen Ständeräte sicher dabei waren.

  • loading indicator

Würden nur Lernende des Berufsschulzentrums und des Gymnasiums Interlaken die neuen Ständeräte des Kantons Bern wählen, sässen für die nächsten vier Jahre Regula Rytz und Hans Stöckli im «Stöckli»; Stöckli ganz dicht gefolgt von Werner Salzmann. Dies ergab das Handyvoting nach einem unterhaltsamen Podiumsgespräch mit der «Crème de la Crème» der Kandidaten, wie Moderator Bernhard Hauck in einer übervollen Aula feststellte.

Beatrice Simon (BDP), Kathrin Bertschy (Grünliberale), Christa Markwalder (FDP), Marianne Streiff (EVP), Rytz (Grüne), Salzmann (SVP) und Stöckli (SP) standen auf dem Podium. Dabei traf es in Sachen Fragen, die Hauck stellte, nicht alle gleich hart. Er liess die Kandidaten zuerst eine aktuelle Pressemeldung kommentieren, die sie wie ein Los aus seiner Hand zogen, und stellte dann allen je eine Frage zu einem ihrer politischen Ausrichtung nach positiv und negativ besetzten Thema.

Losglück bei Zeitungsfragen

Losglück bei den Zeitungsfragen hatte Regula Rytz. Die Umweltverbände haben vermeldet, dass die zu Ende gehende Legislaturperiode des Bundesparlaments aus Umweltsicht desaströs war. Rytz stimmte dem voll zu: «Es ist uns nicht gelungen, in der CO2-Strategie vorwärtszukommen.» Auch ihre Ratskollegin Kathrin Bertschy durfte sich zu einem Kernthema ihrer Partei äussern. In ihrem Zeitungsartikel wurde festgestellt, dass das Klima das wichtigste Thema der Wahlen vom 20. Oktober ist. «Es ist unser Ziel, unsere Lebensgrundlage zu erhalten», sagte sie und erweiterte ihre Stellungnahme: «Wir möchten keine Schulden in den Sozialwerken.»

Christa Markwalder zog den Artikel mit der Meldung, dass die Schweiz das 70-Jahr-Jubiläum der diplomatischen Beziehungen mit Israel feiert. Politisch war ihre Stellungnahme nicht. «Ich wäre heute Abend zu einem Konzert der israelischen Botschaft eingeladen gewesen. Da ich für dieses Podium zuerst zugesagt hatte, verzichtete ich», sagte sie.

Werner Salzmann, Präsident der Sicherheitskommission des Nationalrats, nahm zur Meldung Stellung, dass über die Höhe der Gegengeschäfte beim Kauf der künftigen Kampfflugzeuge Widersprüche bestehen. Der Ständerat will, dass die Gegengeschäfte für die Schweizer Industrie bei 100 Prozent liegen, während Bundesrätin Viola Amherd 60 Prozent vorgeschlagen hat. «Für mich müssen es etwas mehr als 60, aber nicht 100 Prozent sein», sagte er.

Beatrice Simon zog die Schlagzeile, dass Ueli Maurer das Rahmenabkommen mit der EU für tot erklärt hat. «Man muss vorsichtig sein mit den Medien. Wenn er das wirklich gesagt hätte, würde ich es nicht verstehen. Die Beziehungen mit der EU sind für die Schweiz wichtig», sagte sie.

«Es ist ein trauriges Kapitel», sagte Hans Stöckli zum Artikel über die «Weggesperrten in der Schweiz», die nur wegen ihres nicht konformen Lebensstils in geschlossene Institutionen eingewiesen wurden. Voll einverstanden ist Marianne Streiff damit, dass das Management der SBB durchleuchtet wird, nachdem es Meldungen über Mängel ignoriert hat und es zu einem Todesfall gekommen ist.

Jet, Wolf und Hasch

Dann kamen die vom Moderator gewählten Fragen. Zum künftigen Jet der Armee musste nur Bertschy Stellung nehmen. Ihr Fazit: Aus Umweltschutzgründen eher Nein, wenn eine wirkungsvolle Armee ihn brauche, dann noch eher Ja.

Salzmann bekam mit der Frage, wie er zum Naturschutz stehe, eine Steilvorlage in Sachen Lockerung der Schutzbestimmungen für Luchs, Wolf und Bär. «Bilder von gerissenen Schafen sind herzzerreissend», sagte er. Zum Thema liess der Moderator Konter zu. Bertschy wies auf die Wichtigkeit der grossen Raubtiere zur Erhaltung der Biodiversität hin, und Rytz sagte: «Was ihr wollt, ist kein Schutz-, sondern ein Abschussgesetz.»

Christa Markwalder durfte für das Rentenalter 66 plädieren. «Die Lebenserwartung steigt und steigt.» Es solle nicht sein, dass die Last für einen Rentner nur auf den Schultern von Berufstätigen liege. Für Stöckli ist eine rein altersbasierte Lösung nicht gerecht. Menschen, die im Freien arbeiten, hätten eine um 15 Prozent tiefere Lebenserwartung, sagte er.

«Als ich im Gymnasium war, war ein Chnübi wie ein Bier, jetzt ist es wie Wodka.»Christa Markwalder zum Thema Cannabis-Legalisierung

Beatrice Simon bekam zwei Themen vorgesetzt, mit denen sie im Kreis der jungen Leute wenig Punkte sammeln konnte: die Kürzung der Sozialhilfe und die Legalisierung von Cannabis. Für Alleinerziehende darf es ihrer Meinung nach keine Kürzung geben, hingegen sollte mit einer Senkung ein Anreiz geschaffen werden, sich aktiv um Arbeit zu bemühen. Gegen die Legalisierung von Cannabis ist sie, weil Studien beweisen würden, dass es bei ganz jungen Konsumenten Schäden verursache. Die Freisinnige Markwalder ist klar dafür. «Als ich im Gymnasium war, war ein Chnübi wie ein Bier, jetzt ist es wie Wodka.» Dies sei eine Folge des illegalen Handels.

Zum Thema Krankenkasse durfte sich Stöckli äussern. «Wir haben etwas falsch gemacht. Es wird weniger für Prävention ausgegeben als für die Verwaltung.» Der Bund müsse mehr steuern.

Integration und EU

Marianne Streiff durfte für eine bessere Integration plädieren, für Mutter-Kind-Sprachkurse und für Vorlehren. Für Rytz sollten Ausländer in der Schweiz nach zehn Jahren stimmen und wählen können, für Simon sollen sie sich einbürgern, um diese Rechte zu bekommen.

Vehement plädierte Markwalder für die EU. Nicht nur aus Wirtschaftsgründen, sondern weil sie auch ein Friedensprojekt aus Demokratien sei. «Wir leben im Konkubinat, wenns nicht anders geht, müssen wir heiraten», sagte sie. Dem widersprach Salzmann vehement. «Die EU wird uns alles diktieren.» Marianne Streiff will nur eine umweltgerechte Landwirtschaft mit Subventionen unterstützen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt