Im Kampf gegen den Borkenkäfer und tiefe Preise

Innertkirchen

Die Waldbesitzer im Oberland-Ost stellten sich 2015 bisher mit Erfolg den Herausforderungen durch Borkenkäfer und tiefe Holzpreise. Beide Themen bleiben aber auf der Agenda, wie an der Herbstversammlung zu erfahren war.

Winteridylle: Die Waldbesitzer besuchten auf ihrer Exkursion auch den neuen Rastplatz mit dem Blockhaus, das die Bäuertgemeinde Gadmen beim Schwarzenbrunnen an der alten Sustenstrasse gebaut hat.

Winteridylle: Die Waldbesitzer besuchten auf ihrer Exkursion auch den neuen Rastplatz mit dem Blockhaus, das die Bäuertgemeinde Gadmen beim Schwarzenbrunnen an der alten Sustenstrasse gebaut hat.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Wegen der Trockenheit, die den Borkenkäfern ideale Bedingungen boten, hatte die Waldabteilung Alpen im Spätsommer die Waldbesitzer zur Hilfe bei der Borkenkäferüberwachung aufgerufen.

Der Aufruf wirkte, wie Andreas Lötscher von der Waldabteilung an der Herbstversammlung der Waldbesitzer Interlaken Oberhasli (WIO) vom Freitag im Hotel Alpenrose in Obermaad berichtete:

«Im WIO-Gebiet wurden etwa 2000 Kubikmeter Käferholz geschlagen, was einem normalen Jahr entspricht. Dass die Schäden nicht grössere Ausmasse annahmen, liegt auch an der Wachsamkeit der Waldbesitzer.» Allerdings müsse man weiterhin wachsam bleiben.

Weiter informierte Lötscher, dass die Jäger bis Ende September einen Grossteil der zur Jagd freigegebenen Hirsche geschossen hatten. «Das ist wichtig für die Verjüngungsflächen, insbesondere für die Weisstannen, die Hirsche besonders gerne verbeissen.»

Schwieriger ist der Kampf der Holzbranche gegen den Druck des Eurokurses auf die Holzpreise. Zwar wurde im letzten Jahr so viel Objektschutzwald im Oberland gepflegt wie geplant, weil etliche Schläge dank Schutzwaldbeiträgen gerade noch rentabel waren.

Doch in allen anderen Wäldern blieb die Nutzung weit unter dem, was bei einer nachhaltigen Nutzung möglich wäre. Lötscher erinnerte die Waldbesitzer daran, dass die Sägereien auf kontinuierlichen Holznachschub angewiesen sind – ebenso wie die Waldbesitzer die Sägereien brauchen.

Und er wies auf die verschiedenen Beiträge des Gemeindeverbandes zur Erhaltung der Wälder im Oberland-Ost hin, mit denen zum Beispiel Holzschläge mit Seilkran, die Wiederherstellung von Waldstrassen oder der Unterhalt von Begehungswegen unterstützt werden.

An Export ist wegen des starken Frankens derzeit nicht zu denken, wie Förster Daniel Rohrer in der Holzmarktinformation der Vermarktungsorganisation BeO Wald und Holz berichtete. «Dank hoher Nachfrage können aber zumindest gute Qualitäten von Nadelholz im Inland abgesetzt werden.»

Bei schlechten Qualitäten und Laubholz ist es hingegen schwierig, Abnehmer zu finden, und der Preis entsprechend schlecht. Ein Ende der tiefen Preise sei vorläufig nicht absehbar.

Da viele Waldbesitzer auch mit Bauprojekten zu tun haben, wies Evelyn Coleman-Brantschen, Leiterin der Waldabteilung Alpen, auf den Leitfaden von Lignum (Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Holz) hin, der zeigt, wie Bauherren den Einsatz von einheimischem Holz fördern können.

Und wo Waldeigentum langfristig zum Verlustgeschäft zu werden droht, unterstützt die Waldabteilung zusammen mit dem Kanton und dem Berner Waldbesitzerverband all die Waldbesitzer, die ihre Betriebsstrukturen überprüfen und Zusammenarbeitsformen suchen.

Auch die WIO hätten ihre Ausgaben so reduziert, dass sie strukturelle Defizite vermeiden könnten, erläuterte Kassier Thomas Michel. 2016 wird aber bei 32400 Franken Aufwand doch noch einmal mit 3650 Franken Defizit gerechnet – wegen ausserordentlicher Ausgaben für ein Waldlagerkonzept, das gebraucht wird, sobald viel Windfallholz zwischengelagert werden muss.

Nicht sparen wollen die Waldbesitzer auch bei der Weiterbildung. So werden nach dem erfolgreichen Kurs zur Waldrandpflege weitere interessante Themen gesucht.

Berner Zeitung

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