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Im Geissholz trügt die Idylle

In zahlreichen Haushalten des Weilers Geissholz fehlen seit Beginn dieses Jahres Wertgegenstände, Schmuck und Bargeld. Die Serie von Einschleichdiebstählen ist Gegenstand von Ermittlungen durch die Kantonspolizei.

Beat Jordi
Blick auf Geissholz in der Gemeinde Schattenhalb. Eine Serie von Einschleichdiebstählen liegt wie ein Schatten über dem Weiler im Oberhasli.
Blick auf Geissholz in der Gemeinde Schattenhalb. Eine Serie von Einschleichdiebstählen liegt wie ein Schatten über dem Weiler im Oberhasli.
Beat Jordi

Der idyllische Weiler Geissholz umfasst 49 Haushalte mit 114 Einwohnern. Die Siedlung liegt an der Strecke Rosenlaui/Schwarzwaldalp und gehört zur politischen Gemeinde Schattenhalb im Haslital. Seit Anfang Jahr sind in zahlreichen Häusern und Wohnungen Wertgegenstände, Schmuck und Bargeld abhandengekommen; zum Teil sind die ­Geschädigten sogar mehrmals heimgesucht worden, wie jetzt Recherchen ergeben haben.

Gemäss Auskunft von Bestohlenen schmerzt vor allem der Verlust von Wertgegenständen mit unwiederbringlichem Erinnerungswert, zum Beispiel Schmuckerbstücke, Goldvreneli vom Götti, Geld aus dem Sparkässeli. Die Verluste beziffert eine Bestohlene mit mehreren Tausend Franken. Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage, dass die Täterschaft sich jeweils eingeschlichen hatte – ohne Gewalt anzuwenden. Entwendet wurden vor allem rasch verwertbare ­Güter.

«Passt nicht zu Lebensstil»

Die Vorgehensweise der Täterschaft setzt voraus, dass genau ausgekundschaftet wurde, wer wann abwesend ist und wo eine Türe offen steht oder ein Schlüssel hinterlegt wurde. Damit kommt logischerweise Misstrauen gegen jeden, ob Anwohner oder Fremder, auf und vergiftet das gegenseitige, dörfliche Vertrauen. In einem Dörfchen, wo jeder jeden kennt, war man gewohnt, auch mal wegzugehen und die Haustüre nicht abzuschliessen. «Der Nachbar könnte ja mal was dringend brauchen, und dann ist es doch selbstverständlich, dass er das Fehlende bei mir entlehnen kann,» sagte eine Geschädigte. «Dass ich jetzt die Haustüre verriegeln muss, wenn ich in den Stall gegenüber oder zu den Hühnern gehe, ist schon sehr befremdend und passt so gar nicht zu unserem Lebensstil,» bedauerte eine andere Anwohnerin.

Angehalten und freigelassen

Zehn Geschädigte haben bis heute ihre Verluste bei der Polizei angezeigt. Details zum Diebesgut gibt die Kantonspolizei grundsätzlich nicht bekannt, wie auf Anfrage zu erfahren war. Im Rahmen der Ermittlungen wurden Ende Oktober drei Personen angehalten und für weitere Abklärungen auf eine Polizeiwache gebracht. Diese befinden sich in der Zwischenzeit wieder auf freiem Fuss.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und auch im Hinblick auf die Unschuldsvermutung macht die Kantonspolizei zu diesen drei Personen keine detaillierten Angaben. Über den aktuellen Stand der Ermittlungen gibt die Kantonspolizei Bern wegen des laufenden Verfahrens keine näheren Auskünfte.

Aber – haben überhaupt alle Bestohlenen festgestellt, dass ihnen etwas fehlt? Wer kontrolliert schon täglich seine Wertsachen, die in irgend einem Behältnis, vermeintlich sicher versteckt auf dem Dachboden oder im Schlafzimmer, aufbewahrt sind? Da die Diebe sich Zutritt zu den Wohnungen verschafft haben, ohne Gewalt anzuwenden, haben verschiedene Geschädigte erst nach Tagen oder Wochen, oft per Zufall, ihr Konfirmationsgoldvreneli oder die Brosche mit Edelstein von der Grossmutter nicht mehr aufgefunden.

«Es ist – gerade auch mit Blick auf die Erfolgschancen bei der Suche nach der Täterschaft und der Aufklärung von derartigen Delikten – wichtig, der Polizei entsprechende Ereignisse und verdächtige Feststellungen möglichst zeitnah zu melden», ist von der Kantonspolizei-Medienstelle zu erfahren. Auf jeden Fall ist Prävention angesagt, zum Beispiel die Türe zu verschliessen – auch bei kurzer Abwesenheit (siehe Kasten). Mit dem Nachteil, dass die Nachbarsbäuerin die tägliche Milchlieferung nicht mehr ohne Hausschlüssel in den Kühlschrank stellen kann und die Jugendlichen nach dem abendlichen Treff mit Kollegen ihre Haustüren zuerst aufschliessen müssen.

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