Herbst rettete das Hüttenjahr 2015

Es war kein gutes Jahr. Aber auch kein schlechtes. Die 152 Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) bilanzieren ein knapp zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2015.

Kein gutes, aber ein besseres Jahr: Die 36 SAC-Hütten der Berner Alpen - wie hier die Gaulihütte in einer Vollmondnacht - waren im letzten Jahr besser besucht als auch schon.

Kein gutes, aber ein besseres Jahr: Die 36 SAC-Hütten der Berner Alpen - wie hier die Gaulihütte in einer Vollmondnacht - waren im letzten Jahr besser besucht als auch schon.

(Bild: Bruno Petroni)

«Das Jahr 2014 war eben noch schlechter»: Cyrille Zwicky, die aufgestellte Glarnerin, die bereits seit sechzehn Jahren die Sommermonate als Hüttenwartin der Dossenhütte betreut, zeigt sich zufrieden mit der Bilanz des letzten Jahres.

1321 Übernachtungen registrierte sie auf dem hoch über dem Urbachtal gelegenen Adlerhorst auf 2663 Metern über Meer. «Der September mit nur 75 Übernachtungen war katastrophal.» Dennoch ist Zwicky zufrieden. Die Zahlen der Rekordjahre von 2003 und 2007 seien zwar nicht erreicht worden; «damals hatte ich über 1400 Übernachtungen».

Mit 933 Logiernächten war das Jahr 2014 hingegen «ein Sommer zum vergessen» – womit die ­Freude der Hüttenwartin über die 41 Prozent mehr Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr begründet und verständlich ist.

50 Prozent weniger Ausländer

Generell konnten die Hütten des SAC dank einer Zunahme der Übernachtungen im Sommer 2015 eine zuvor miserable Wintersaison (22 Prozent Rückgang im Berner Oberland) wettmachen. Sämtliche 152 SAC-Hütten verbuchten 303 982 Logiernächte.

Die Wetterkapriolen, vor allem aber der nach wie vor starke Schweizer Franken hinterliessen aber deutliche Spuren. So ging der Anteil von Hüttengästen aus dem EU-Raum um bis zu 50 Prozent zurück.

Trotzdem liegt das Sommerergebnis im Vergleich der letzten zwanzig Jahre auf dem zehnten Platz. Während die sieben landesweiten Tophütten (siehe unterste Tabelle) unter der Besucherfrequenz des Vorjahres blieben, erzielten 21 der 36 SAC-Hütten in den Berner Alpen ein besseres Ergebnis als 2014, nämlich 64 533 Übernachtungen gegenüber den 58 042 vom Vorjahr. Das sind erfreuliche 11 Prozent Steigerung, wenn man bedenkt, dass dies gesamtschweizerisch bloss ein Prozent ist.

Parallel zu den Übernachtungszahlen entwickelten sich auch die Umsätze. Sie betragen für alle 152 SAC-Hütten rund 7 Millionen Franken aus den Übernachtungen, was einer leichten Zunahme von einem halben Prozent gegenüber 2014 entspricht, und 18,6 Millionen Franken aus den Konsumationen (plus 0,1 Prozent).

Zu stürmisch, dann zu heiss

Wie angetönt liegt ein weiterer Grund für das nur knapp befriedigende Hüttenjahr auch beim unsteten Wetter. So hagelte es infolge stürmischer Verhältnisse Ende März und zu Ostern Absagen, und auch danach verhinderten in­stabile Wetterlagen ein besseres Winterergebnis.

«Die rekordverdächtigen Hitzeperioden im Sommer wiederum hielten viele Menschen von Wanderungen in den Bergen ab, es fehlten dadurch Übernachtungen, die auch bis zum Ende der Sommersaison nicht mehr wettgemacht werden konnten», sagt SAC-Hüttenobmann Bruno Lüthi.

In der Statistik ist bei der Wildhorn- und Gspaltenhornhütte zu beachten, dass sich diese im erfassten Zeitraum in einer Grosssanierung befanden, was die Gästezahlen während der Bauzeit beeinflusste. Und die Schreckhornhütte erfährt die 223 Prozent Steigerung mit der Tatsache, dass 2014 gerade mal zwei Alpinisten auf dem 4078 Meter hohen Schreckhorn gestanden hatten und die Hütte entsprechend rar besucht worden war, während Hüttenwart Hans Balmer letztes Jahr fast 1000 Übernachtungen verbuchen konnte.

Online wird geschätzt

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich das Onlinereservationssystem, das seit gut zwei Jahren in Betrieb ist. Letztes Jahr wurden mehr als 23 000 Buchungen für 100 000 Übernachtungen online getätigt.

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