Hartes Pflaster für die Verkehrspolitik

Mit 15 zu 12 Stimmen wies der Grosse Gemeinderat (GGR) Interlaken am Dienstag einen Vorschlag zur Verkehrsberuhigung rund um den Marktgasse-Bahnübergang an den Gemeinderat zurück.

Ein Kleinbus eines Outdooranbieters biegt beim Bahnübergang in der Marktgasse Richtung Unterseen ab.

Ein Kleinbus eines Outdooranbieters biegt beim Bahnübergang in der Marktgasse Richtung Unterseen ab.

(Bild: Bruno Petroni)

Mit Mani Matters «Zündhölzli» brachte der 13-jährige Tom Gantenbein die GGR-Mitglieder am Dienstag ebenso zum Schmunzeln, wie er sie mit einer fein interpretierten Komposition des koreanischen Pianisten Yiruma berührte.

Der neue Parlamentspräsident Christoph Betschart hatte den Schüler der Musikschule Oberland Ost zur Eröffnung der GGR-Sitzung eingeladen, weil der Bürgschaftskredit, den die Gemeinden 2013 für das «Haus der Musik» sprachen, ein gutes Beispiel für eine nachhaltige Investition ist.

Zugleich erinnerte Betschart das Gemeindeparlament an seine Aufgabe, als Vertretung der Bürgerinnen und Bürger den leisen Tönen und Stimmen ebenso gut zuzuhören wie den lauten.Dann kam die Verkehrspolitik an die Reihe, und mit der Harmonie wars vorbei.

Adventure auf Umfahrung?

Für eine Verkehrsberuhigung rund um den Bahnübergang in der Marktgasse schlug der Gemeinderat vor, den Kleinbussen der Adventureanbieter – an der Stelle immerhin zehn Prozent des Verkehrs – die direkte Fahrt durch die engen Quartierstrassen von der Höhematte Richtung Unterseen und Beatenberg zu verbieten.

Dieses Verbot sollte als Auflage an die Bewilligung für die Busstandplätze auf dem Höheweg gebunden werden – ein Privileg, das sonst nur noch das «Strassen-Bähnli» für Touristenrundfahrten sowie Pferdekutschen haben.

Ausgelöst worden war die vorgeschlagene Änderung des Polizeireglements durch vier heikle Vorfälle auf dem Bahnübergang im letzten Jahr, wie Gemeinderat Peter Michel erläuterte. Um das Risiko zu vermindern, dass Fahrzeuge im Stau auf dem Bahnübergang stehen bleiben, hatte die BLS als verantwortliches Bahnunternehmen ein Linksabbiegeverbot von der Markt- in die Neugasse gefordert.

Das hätte aber auch die Bewohner und Zubringer getroffen, die von Unterseen her ins Quartier unterwegs sind. «Als Sofortmassnahme engagierte die Gemeinde letztes Jahr den Verkehrsklub Matten für die Verkehrsregelung», erklärte Michel. «Doch das kostete 20 000 Franken – einen Aufwand, den wir uns auf Dauer nicht leisten können.»

Mit dem Durchfahrtsverbot für Adventurefahrzeuge könne der Verkehr sofort reduziert werden. Und die Adventureanbieter hätten die Möglichkeit, ohne viel Zeitverlust entweder um die Höhematte oder noch besser über die Umfahrung Richtung Beatenberg zu ihren Tandemgleitschirm-Startplätzen zu fahren.

Eine weitere Entlastung verspricht der Umbau der Marktgasse im Herbst 2018, nach dem der Rechtsvortritt aus der direkt vor dem Bahnübergang einmündenden Neugasse aufgehoben wird.

Abstimmung abwarten

Im GGR waren sich alle einig, dass die Situation beim Marktgass-Bahnübergang kein Dauerzustand sein kann. Unbestritten war auch, dass die Verkehrs­sicherheit Einschränkungen rechtfertigt und dass das Durchfahrtverbot kein unfairer «Preis» für die Standplätze an exklusiver Höheweg-Lage wäre.

Allerdings wäre es verschiedenen GGR-Mitgliedern lieber gewesen, der Gemeinderat hätte den Vorschlag zuvor mit allen betroffenen Adventureanbietern besprochen – was nach Auskunft von Peter Michel nicht gelungen war.

Zudem erinnerten FDP-Vertreter an die anstehende Abstimmung über die Initiative, die das Fahrverbot im «Schlauch» wieder aufheben will und sich davon eine Verkehrsreduktion in den Quartieren verspricht. Dem hielten SP, Grüne und EVP entgegen, dass Durchfahrtverkehr ohnehin nicht in den Ort gehöre und die Bahnübergänge auch bei offenem «Schlauch» belasten würde.

Nach einem Sitzungsunterbruch beantragte die FDP, das Geschäft zurückzuweisen und erst nach der Abstimmung über die Verkehrsinitiative im Sommer wieder zu traktandieren. Der Antrag wurde mit 15 Ja zu 12 Nein, mehrheitlich von SVP und FDP, angenommen.

Schleife statt Schiene

Schon vor der GGR-Sitzung hatte der Gemeinderat die Gestaltung des Ostbahnhofplatzes verschoben.

Eine gute Nachricht für die geplagten Interlakner Verkehrspolitiker hatte Gemeinderat Michel am Schluss der Sitzung: Die Berner Oberland Bahnen brechen ein Gleis hinter dem grossen Parkplatz am Ostbahnhof ab, und die Gemeinde kann diese Fläche ab nächstem Jahr für eine Carschleife nutzen. Das erleichtert auch die Planung für den Bahnhofplatz, bei der es auch um vier provisorische Carumsteigeplätze geht, die nicht bewilligungsfähig sind.

Berner Oberländer

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