Gstaads teuerste Adresse

Saanen

Ein Privater hatte die Internetadresse Gstaad.com ­ersteigert und zur Vermietung seiner Chalets im Nobelferienort genutzt. Dagegen klagten die Gstaader Tourismusorganisation und die Gemeinde Saanen. Die Parteien einigten sich auf einen Vergleich.

Der Käufer der Adresse Gstaad.com nutzte die Homepage zur Vermietung von Chalets.

Der Käufer der Adresse Gstaad.com nutzte die Homepage zur Vermietung von Chalets.

(Bild: Screenshot)

In Gstaad kann man nicht nur an teuerster Adresse wohnen, selbst die Internet­adresse des Berner Oberländer Dorfes ist viel wert. Diese Erfahrung musste Gstaad Saanenland Touris­mus machen. Ein Privater hatte ihr Ende 2006 die Domain Gstaad.com weggeschnappt. Der Schweizer mit griechischen Wurzeln und Wohnsitz in Panama ersteigerte die Internet­adresse auf einer Auktionsplattform für abgelaufene Domains für rund 31'000 Dollar.

Fataler Fehler

Dort hätte die wertvolle Adresse gar nie landen sollen. Gstaad.com gehörte Gstaad Saanenland Tourismus. Wohl wegen eines Buchungsfehlers bei der Erneuerung lief die Domain aber ab. Genau könne man das heute nicht mehr rekonstruieren, sagten die Anwälte der Tourismusorgani­sation.

Der Privatmann verwendete die Adresse Gstaad.com zur Vermietung diverser Chalets, die er im Ort besitzt. Und er wollte sie nicht mehr hergeben. Nicht, als ihn die Tourismusorganisation dazu aufforderte und auch nicht, als sie ihm in einem ersten Versuch 5000 Franken für die Adresse anbot.

Am Dienstag trafen sich die Parteien vor dem Handelsgericht in Bern. Gstaad Saanenland Tou­rismus sowie die Einwohner­gemeinde Saanen auf der einen Seite, der Käufer der Adresse Gstaad.com auf der anderen. Zu Beginn der Verhandlung waren die Fronten klar: «Gstaad ist und bleibt der Name eines Ortes, den die Klägerinnen nicht monopolisieren dürfen», sagte der Anwalt des Adresskäufers.

Falsch, argumentierte die Gegenseite: Gstaad.com sei eine «Top-Level-Domain» und wecke beim Internetnutzer die Vorstellung, dass entweder die ortsansässige Tourismusorganisation oder die Gemeinde hinter dem Angebot ­stecke – kein Privater. Obschon Gstaad Saanenland Tourismus die Adresse Gstaad.ch gehört, setzte die Organisation alles daran, auch die Endung .com zurückzubekommen.

Späte Einigung

Am Ende mit Erfolg. Der Käufer willigte in Vergleichsverhandlungen ein, die wie üblich hinter verschlossenen Türen stattfanden. Die strittige Adresse werde wieder an Gstaad Saanenland Tourismus übertragen, bestätigten die Parteien. Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart. Es ist aber anzunehmen, dass sich Gstaad die Adresse Gstaad.com etwas kosten lassen muss und nächstes Mal bei der Verlängerung zweimal kontrolliert, ob es geklappt hat.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt