Gstaad: Schneller, weiter, höher

Am J. Safra Sarasin Swiss Open Gstaad auf 1050 Meter über Meer fliegen die Bälle etwas schneller, weiter und höher. Das ATP-Turnier ist ein Motor des Sommertourimus und für die Region von grosser Bedeutung.

Jeff Collet ist seit zwölf Jahren Turnierdirektor und hofft dieses Jahr auf erfolgreiche Schweizer und viel Sonne.

Jeff Collet ist seit zwölf Jahren Turnierdirektor und hofft dieses Jahr auf erfolgreiche Schweizer und viel Sonne.

(Bild: ksm-fotografie)

In der – durch die hohe Meereshöhe bedingten – dünneren Luft in Gstaad fliegen die Bälle bei gleichem Kraftaufwand weiter als in tieferen Regionen, erklärt Turnierdirektor Jeff Collet. Dies sei der Grund, weshalb es in Gstaad immer wieder grosse Überraschungen gebe, wenn die topgesetzten Spieler, die erst in der zweiten Runde ins Geschehen eingreifen, auf Erstrunden-Sieger treffen, die sich bereits an die Verhältnisse gewöhnen ­konnten.

Das macht das Turnier in Gstaad speziell. «Was wir hier brauchen, sind gute, erfolgreiche Schweizer und schönes Wetter», weiss Collet, dann kämen auch die Zuschauer. Von beidem hatte es bislang in Gstaad nicht viel. Das schlechte Wetter zu Beginn dieser Woche hat den Spielplan durcheinandergebracht. «Wir konnten am Dienstag nur gerade zwei Spiele durchführen», so Collet, «das zweite hat um 18.30 Uhr begonnen, da waren die Zuschauer schon weg.»

Auch mit den erfolgreichen Schweizern war das so eine Sache. Antoine Bellier und Marco Chiudinelli sind schon draussen. Einzig Henri Laaksonen (ATP 100) hat sich in einem wahren Tenniskrimi gegen den zweimaligen Gstaad-Sieger aus Brasilien, Thomaz Belucci (ATP 65), durchgesetzt und traf gestern auf João Sousa (ATP 61), gegen den er chancenlos war und in zwei Sätzen 1:6 und 2:6 verlor.

Warum die ganz grossen Namen fehlen

«Es wird gutes Tennis auf hohem Niveau gezeigt», sagt eine Zuschauerin aus Bern, die jedes Jahr nach Gstaad kommt. Sie fügt bedauernd hinzu: «Aber es sind halt nicht die allerbesten Spieler hier.» Stimmt. Es fällt auf, dass Namen wie Murray, Nadal, Federer, Djokovic und Wawrinka (ATP-Weltrangliste 1 bis 5) fehlen. Warum eigentlich? «Diese grossen Spieler haben gerade in Wimbledon gespielt», so Collet. «Nach Wimbledon gibt es drei Wochen Pause, bevor die Turniere in den USA beginnen. In dieser Zeit sind keine der Top-Ten-Spieler an einem Turnier anzu­treffen.»

Und Gstaad fällt eben genau in diese Pause. Die Frage drängt sich auf: Warum kommt denn ein Tennisspieler nach Gstaad? «Dafür gibt es gute Gründe», so Jeff Collet. «Die Umgebung ist einzigartig, es gibt kein zweites Gstaad auf der Welt, kein anderes Dorf, das sowohl ein ATP- als auch ein WTA-Turnier hat. Gstaad ist zudem ideal für verheiratete Spieler. Es sind oft deren Frauen, die hierher kommen wollten.» Viele von den Spielern sind Wiederholungstäter, die regelmässig nach Gstaad ans Turnier kommen.

Die internationalen Top Events seien für die Region von grosser Bedeutung, erklärt Kerstin Sonnekalb, Head of Marketing Communication bei Gstaad Marketing GmbH, auf Anfrage. Gerade das Tennis mit seiner über 100-jährigen Tradition – und neu wieder mit der WTA Ladies Championship Gstaad – sei gewissermassen «ein Stabilitätsfaktor und Motor für das Sommergeschäft», sagt sie und ergänzt: «Solche Events sorgen dafür, dass das Sommergeschäft gut läuft.»

Berner Zeitung

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