Grimsel: Der letzte Schritt Richtung Staumauer-Erhöhung?

Das Verwaltungsgericht hat die letzten hängigen Beschwerdepunkte bezüglich Erhöhung der Grimselsee-Staumauer abgelehnt.

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Nathalie Günter@nathalieguenter

Nein zu den letzten drei hängigen Beschwerdepunkte: Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat der Kraftwerke Oberhasli (KWO) AG rund um die Konzessionsänderung bezüglich des Stauvolumens des Grimselsees recht gegeben. Dies teilte das Energieunternehmen am Montag mit.

Der Entscheid des Verwaltungsgerichts betreffe drei noch hängige Punkte in der Beschwerde der Umweltverbände: zum einen den Eingriff in das Objekt «Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet (nördlicher Teil)», das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) gelistet ist.

Die zwei weiteren Punkte sind die Teilüberflutung des Unteraargletscher-Vorfeldes sowie allfällige Auswirkungen des vergrösserten Stauvolumens auf den Brienzersee.

Das Verwaltungsgericht befand, die Beschwerden der Umwelt­verbände seien in allen drei Punkten abzuweisen. Es argumentierte, der Eingriff in das BLN-Objekt und die Teilüberflutung des Gletschervorfeldes seien durch das ausgeprägte nationale Interesse an der Nutzung und am Ausbau erneuerbarer Energien gerechtfertigt.

Weiter würden sich die gerügten negativen Auswirkungen des vergrösserten Stauvolumens auf den Brienzersee aus wissenschaftlicher Sicht nicht erhärten lassen.

Das jahrelange Verfahren nahm 2005 seinen Ursprung (s. Infobox unten:«Eine lange Geschichte»). Am 5. September 2012 folgte der positive Beschluss des bernischen Grossen Rates, der eine Konzessionsanpassung und -ergänzung für eine Anhebung des Stauziels des Grimselsees um 23 Meter vorsah. Gegen diesen legten die Umweltverbände Beschwerde ein, von welcher nun auch die letzten drei Punkte abgelehnt wurden.

Der Beschluss des Grossen Rates ist damit gerichtlich bestätigt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Die Gegner können das Urteil des Verwaltungsgerichts noch an das Bundesgericht weiterziehen (s. Infobox unten: «Reaktionen»).

«Auf dem richtigen Weg»

«Für uns ist dieses Urteil ein Signal, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt KWO-CEO Daniel Fischlin auf Anfrage dieser Zeitung. Er spricht damit die Energiestrategie 2050 des Bundes an. «Können wir die zwei Staumauern Spitallamm und Seeuferegg erhöhen, wird der Grimselstausee 20 Prozent des Energiebedarfs im Winter decken.»

Das Stauvolumen würde sich von 94 auf 170 Millionen Kubikmeter erhöhen, was einer zusätzlichen Kapazität von 240 Gigawattstunden entspricht. Fischlin rechnet damit, dass zumindest ein Teil der Umweltverbände das Urteil ans Bundesgericht weiterzieht. Somit wäre ein endgültiger Entscheid in etwa eineinhalb Jahren zu erwarten.

Aktuell liegt das Projekt aufgrund der tiefen Strommarktpreise bei den KWO etwas auf Eis. «In eineinhalb Jahren werden aber das Kraftwerk Mühleberg und auch diverse Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet sein, womit sich eine neue Situation bietet», so Fischlin.

Speziell der Energiebedarf im Winter werde dadurch steigen – und das Projekt könnte wieder zum konkreten Geschäftsmodell werden. Daniel Fischlin schätzt das Investitionsvolumen auf 235 Millionen Franken. Nicht eingerechnet ist dabei der Ersatzbau der Spitallamm-Staumauer, wofür die ersten Vorarbeiten bereits am kommenden Montag beginnen.

Die neue Mauer vor die alte zu bauen, kostet 125 Millionen Franken. Ebenfalls prioritär zur Erhöhung der Grimselsee-Staumauer prüfen die KWO aktuell das Ausbauvorhaben Trift im Gadmental, das sich im Konzessionsverfahren befindet. Fischlin: «Auch hier wäre der Anteil am schweizweiten Energiespeicher für den Winter 20 Prozent.»

Berner Oberländer

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