Goldengirl Viviane Obenauf siegte

Interlaken

Oberried hat eine Weltmeisterin: Die Boxerin Viviane Obenauf gewann den Titel der World Boxing Federation an einem spektakulären Event im Kursaal Interlaken.

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Rocky» oder «Million Dollar Baby»: Boxfilme handeln von Siegern trotz wid­rigster Umstände, von pickelhartem Training, von emotionsgeladenen Kämpfen, von knüppel­dicken Schicksalsschlägen. In Interlaken wars am Samstag ­endlich so weit: Es gab eine Live-Boxing-Night.

Ein sieben mal sieben Meter grosser blauer Ring, der allerdings quadratisch ist, auf allen vier Seiten abgesperrt mit weissen weichen Seilen, stand auf dem Parkett des Theatersaals, darum herum rotsamtene Sessel, darüber das Meer von elektrischen Lampen: ein gediegenes Milieu für Herzblut und Träume.

Allen voran der Traum von Viviane Obenauf: Die 30-jährige gebürtige Brasilianerin will als Boxerin weiterkommen. Herzblut floss beim Event reichlich: das von Vivianes Sponsoren, allem voran das von Valérie Balmer von der Firma Self-Fitness und das von Vivianes Verlobtem Guido Strub. Es war ein Riesenaufwand, den Abend zu organisieren. Begonnen hat dieser mit der SLA-Rapmusik. Ron Känzig aus Interlaken sang von symbolischen «Twelve Rounds».

Über zwölf Runden musste aber niemand gehen. Die gezeigten Amateurboxkämpfe hatten drei Runden. Sechs Athleten des Boxe Club Locarno boxten gegen drei Sportler aus Frenkendorf und drei aus Pforzheim. Hier wurde das Herzblut sogar hörbar: Locarno-Trainer Americo Fer­nandes instruierte, beriet, tröstete, ermunterte seine Sportler fast pausenlos.

Am häufigsten zu hören: «Mani in alto – Hände hinauf». Spektakulär war der letzte Kampf zwischen dem engagierten Locarnesen Giorgi Svechev und dem Pforzheimer Stefano Lopez, den der Deutsche knapp gewann.

Das Jodlerduo Corinne Seematter / Olivia Zingrich versuchte es, wie schon etliche Jodler vor ihm, mit Mundartpop. Die jungen Jodlerinnen sangen «Hie bin i deheim» von George unplugged im Boxring. Es hörte sich gut an. Daheim im Ring fühlte sich auch die Sängerin Maria Christina, bekannt aus «Die grössten Schweizer Talente». Die aus Belgien stammende und in Zürich lebende Dame verbreitete mit souliger Stimme und Herzlichkeit gute Laune.

Um 20.30 Uhr war es dann so weit: Der grosse Auftritt des Goldengirls Viviane Obenauf und ihrer Gegnerin Maja Milenkovic war wie im Bilderbuch. Speaker Levente Garay, von Beruf Kinderzahnarzt, hob die Stimme, dehnte die Vokale und kündigte den Auftritt der Boxerinnen an. Aus dem Lautsprecher ertönten etwas scheppernd die Nationalhymnen.

Man hatte von der ersten Runde an das Gefühl, dass Viviane ihr Temperament leicht zügelte. Beim Boxen am 125-Jahr-Jubiläum auf dem Des-Alpes-Areal hatte sie ihre Gegnerin ja in ­weniger als zwei Minuten auf die Bretter geschickt. Diesmal konnten die hübschen Nummerngirls, per Wettbewerb erkoren von Self-Fitness, acht Runden an­kündigen.

Nach einer Minute und vierzig Sekunden liess Viviane dann so viele Schläge auf ihre Gegnerin prasseln, dass der Ringrichter sich für ein technisches K. o. entschied. Betreut, und das auf eine eindrücklich ruhige Art, wurde Viviane vom Wahlberner Gabor Vetö, der 31 Profisiege auf seinem Konto hat.

«Das Leben ist nicht einfach, aber das Leben ist schön», gab Viviane dem zwar nicht ganz grossen, aber engagierten Publikum mit.

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