«Go go!» – und die Schlittenhunde schnellen davon

Drei Wochenenden nacheinander machen die Schlittenhunde halt im Berner Oberland: Am 10. und 11. Februar an der Lenk, dann in Kandersteg und in Gadmen.

Wehe wenn sie losgelassen: Die Schlittenhunde – angeführt vom Leithund – rennen zielsicher und schnell über den 14 Kilometer langen Trail in Gadmen.

Wehe wenn sie losgelassen: Die Schlittenhunde – angeführt vom Leithund – rennen zielsicher und schnell über den 14 Kilometer langen Trail in Gadmen.

(Bild: PD/David Birri)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Der Schlittenhundesport wurde Anfang des 20. Jahrhundert in Alaska populär und fand seine Verbreitung vor allem in den skandinavischen Ländern ab Mitte des letzten Jahrhunderts. Seit 1973 sind die Schlittenhunderennen in Gadmen ein Begriff unter den Mushern im In- und Ausland. In einigen Jahren konnte der Event wegen Lawinengefahr oder zu wenig Schnee nicht stattfinden.

Heuer steht am 24. und 25. Februar die 36. Ausgabe an. Zuvor machen die Musher halt an der Lenk, wo auch gleich die Schweizermeisterschaften stattfinden, dann in Kandersteg (s. Infobox «Rund um die Rennen»). Den Abschluss bildet Gadmen.

Eindrücke vom Rennen in Kandersteg

Quelle: Youtube.com/raphaelphoto.ch

Das sympathische und überschaubare Bergdorf Gadmen, der abwechslungsreiche Rundkurs und das Bergpanorama der «Gadmer Dolomiten» bilden eine würdige Kulisse für den Anlass. Im Musher-Village warten Sibirian Huskys, Alaska Malamute, Samojede und Grönlandhunde aufgeregt auf den Start und den anspruchsvollen Trail, den sie zu meistern haben. Über 120 Gespanne aus dem In- und Ausland nehmen jeweils an den Rennen teil.

Intelligent und zutraulich

Die typischen Schlittenhunderassen erschienen gemäss Wikipedia in den nördlichen Regionen etwa 100 Jahre vor Christus und entwickelten sich in den einzelnen Volksstämmen bis zu ihrer heutigen Homogenität. Der sogenannte «Hundeäquator» in Grönland diente der Verhinderung einer Einkreuzung unerwünschter Eigenschaften.

Nach den einzelnen Volksstämmen erhielten sie verschiedene Namen; so wurde der Hund aus Sibirien «Siberian Husky» und der Hund der Malamuten «Alaskan Malamute» genannt.

Die typischen Rassen haben raues, gerades und dicht anliegendes Deckhaar mit dichter, weicher Unterwolle.

Die typischen Rassen haben raues, gerades und dicht anliegendes Deckhaar mit dichter, weicher Unterwolle; sie werden bis zu 70 Zentimeter gross und bis zu 45 Kilogramm schwer. Ihre Robustheit, die hohe Teamfähigkeit, ihre Intelligenz und die Zutraulichkeit zum Menschen zeichnen diese Rassen noch heute aus.

Hilfsmittel sind verboten

Vor dem Start haben der Musher und die Doghandler (Helfer) alle Mühe, die quirligen Hunde zu bändigen. Nach dem «Go go!» schnellen die Tiere wie von der Feder gelassen davon. Der Leithund reagiert präzise auf die Zurufe seines Musher und leitet seine Meute über den 14 Kilometer langen Trail. Peitsche oder andere Hilfsmittel sind strikte verboten.

Eindrücke vom Rennen in Gadmen

Quelle: Youtube.com/Thomas Huber

Es wird in diversen Kategorien gekämpft. Unterschieden wird zuerst nach Grösse des Gespanns. Mit einem Hund startet eine Läuferin respektive ein Läufer auf Langlaufski in der Kategorie «Jöring». Bei den Gespannen sind zwei, vier, sechs, acht oder mehr Hunde vor dem Schlitten.

Zudem wird auch unterschieden nach reinrassigen Hunden, zu denen beispielsweise der Grönlandhund oder der Samojede (s. Text «Die Schlittenhunderassen» weiter unten) gehören. Daneben gibt es die offene Klasse, in der speziell für den Rennsport gezüchtete Tiere laufen.

Nachtrennen: Bei der Gadmer-Trophy geht es etwas lockerer zu und her als beim regulären Rennen. Foto: PD/David Birri

Einzigartig bei der Schlittenhunde-Veranstaltung im Gadmertal ist das Nachtrennen. Bei der Gadmer-Trophy geht es allerdings weniger ernst zu als bei den Tagesrennen. Wer zum Beispiel Talent im Kühemelken und anderen Plausch-Disziplinen hat und ein gutes Zeitgefühl besitzt, ist vorne mitdabei.

Die Schlittenhunderassen

Eine der klassischen Schlittenhunderassen ist der Alaskan Malamute, benannt nach dem Eskimostamm der Malemuten. Die Rasse darf als die grösste und schwerste der modernen Schlittenhunderassen bezeichnet werden, wie die Lenker Schlittenhunderennen in ihrer Festbroschüre schreiben. Deshalb sei der Alaskan Malamute zwar nicht so schnell wie die kleineren Rassen, gelte aber dank seiner Kraft und Ausdauer als der eigentliche Schwerarbeiter unter den verschiedenen Rassen. Alaskan Malamute

Der Grönlandhund ist die ursprünglichste der in unseren Breitengraden vertretenen Schlittenhunderassen. Er ist ein sehr kräftiger und ausdauernder Polarspitz, ist Wikipedia zu entnehmen. Diese Hunde sind im Winter auf Grönland das einzig zuverlässige Transportmittel. Sie werden als reine Arbeitstiere angesehen, die ein Höchstmass an Arbeitsleistung, Zugkraft, Ausdauer und Widerstandskraft aufweisen müssen. Zudem wurden die Grönlandhunde bei Expeditionen von westlichen Abenteurern eingesetzt. Grönlandhund

Samojeden sind grosse, weisse, spitzähnliche Hunde mit dem «lächelnden Gesicht». Ein besonderes Merkmal der Rasse ist das Haarkleid, das «üppig, dick, elastisch und dicht» ist – es dient als natürlicher Schutz im Polarklima. Diese Rasse fand von allen heute bekannten Polarhunden zuerst Liebhaber in Europa. Der Samojede ist ein ursprünglicher Naturbursche und ein vielseitiger Freizeitpartner, der sich nicht nur für den Zughundesport, sondern auch für andere Outdoor­aktivitäten anbietet. Samojede

Zu guter Letzt: der Siberian Husky. Seine Vorfahren waren im nördlichen Sibirien jahrhundertelang unentbehrliche Begleiter der Nomadenvölker, zum Beispiel der Tschuktschen. Unter den Schlittenhunden zählt der Siberian Husky zur beliebtesten Rasse. Neben seiner Eignung als Rennhund ist sein attraktives Aussehen oft Grund für den Wunsch, einen solchen Hund zu besitzen. Der Farbkontrast seines Fells, die schrägen, lausbubenhaften Augen in den ungewöhnlichen Farbvarianten blau, braun oder marmoriert lassen diesen Hund als etwas Besonderes erscheinen. Siberian Husky

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