Gimmelwalds Widerstand führte zum Erfolg

Lauterbrunnen

Mit überwältigendem Mehr lehnte die ­Gemeindeversammlung Lauterbrunnen den Verkauf des Schulhauses Gimmelwald ab. Angenommen wurde der Antrag der IG Gimmelwald für eine Neuausschreibung.

Die Gemeinde Lauterbrunnen wollte das Schulhaus Gimmelwald abtreten - darf dies nun aber nicht.

Die Gemeinde Lauterbrunnen wollte das Schulhaus Gimmelwald abtreten - darf dies nun aber nicht.

(Bild: Bruno Petroni)

«In der Regel versammeln sich hier 40 bis 60 der insgesamt 1481 Stimmberechtigten», sagte Gemeindepräsident Martin Stäger zur Begrüssung der Jungbürger an der Gemeindeversammlung vom Montag. Diesmal waren es 149 – darunter ungewöhnlich viele Gimmelwalder.

Abends, wenn die Schilthornbahn nicht mehr gondelt, gelangen die Bewohner des kleinen Dorfs nur auf dem Umweg über Mürren nach Lauterbrunnen. Doch am Montag ging es um den Verkauf des Schulhauses Gimmelwald.

Unmut im Vorfeld

Der Gemeinderat beantragte, das Schulhaus und einen Teil des Umschwungs für 484 122 Franken an die Unterseener CT Matter AG zu verkaufen, die Wohnungen einbauen wollte. Der Bevölkerung von Gimmelwald wurde für die nächsten zehn Jahre ein Nutzungsrecht ihrer Gemeindestube zugesichert, die sie für Gottesdienste, Vereinsanlässe und Feste in ihrem Schulhaus eingerichtet hat.

Zudem sollte eine Kommission einen neuen Gemeinschaftsraum suchen – ein Angebot, das nach Gimmelwalder Unmutsäusserungen an der Bezirksversammlung zehn Tage vor der Gemeindeversammlung entstanden war, wie der zuständige Gemeinderat Karl Näpflin erläuterte.

Gimmelwalder gründen IG

Die Bevölkerung ist nicht grundsätzlich gegen einen Verkauf der Schulhäuser, die wegen sinkender Schülerzahlen nicht mehr gebraucht werden. So sagte am Sonntag eine Mehrheit Ja zum Verkauf des Schulhauses Stechelberg, über den wegen des höheren Preises an der Urne abgestimmt wurde.

Auch die Gimmelwalder stimmten dem Verkauf ihres Schulhauses 2014 schon einmal zu. «An der Lösung von damals hatte die Bevölkerung mitgearbeitet», sagte Ueli von Allmen. Doch die Umzonung dauerte so lange, dass sich die Käufer wieder zurückzogen. «Das Projekt jetzt berücksichtigt unsere Bedürfnisse nicht», sagte der Gimmelwalder und stellte den Antrag, den Verkauf abzulehnen, ein gutes Nutzungskonzept auszuarbeiten und das Haus neu auszuschreiben. Hinter sich wusste er dabei die IG Gimmelwald, die nach Angaben von Corinne Jahn in den letzten Tagen von 69 der 78 ständigen Einwohner gegründet worden ist.

Aussichtslose Suche?

«Die Gemeindestube und der Schulhausplatz sind der einzige öffentliche Raum, den wir im Dorf haben», erklärte Jahn. Den Versprechen des Gemeinderats misstraut sie – vor allem weil die IG die Suche nach einem anderen Raum für aussichtslos hält. «Wir werden aber helfen, eine neue Lösung zu suchen, und auch abklären, ob wir das Schulhaus notfalls sogar selber kaufen könnten», sagte Jahn.

Die Bürger der anderen Dörfer hörten Jahns Appell, den Gimmelwaldern eine neue Chance zu geben. Mit überwältigendem Mehr stimmte die Versammlung gegen den Antrag des Gemeinderats und für Ueli von Allmens ­Antrag.

Kurtaxe für Airbnb

Diskussionslos genehmigte die Versammlung das neue Gebührenreglement für die Feuerungskontrolle sowie eine Anpassung des Kurtaxenreglements an die aktuelle Organisationsform der Tourismusorganisationen – samt Änderung, die auch das Vermieten auf Plattformen wie Airbnb der Kurtaxe unterstellt.

Weiter informierte der Gemeinderat über die Kreditabrechnung für das neue Tanklöschfahrzeug, den Stand der Ortsplanungsrevision, den Fahrplan für die Neuorganisation des Schulwesens und das Gemeindebudget fürs kommende Jahr, das der Gemeinderat am 11. Dezember beschliesst und das bei unveränderter Steueranlage im Gesamthaushalt einen Aufwandüberschuss von 272'000 Franken vorsieht.

Heli und Schneeräumung

Zu reden gab die Helikopterfrage im Tal. Auf den Vorwurf, der Gemeinderat solle sich lieber mit Schule und Post beschäftigen, entgegnete Gemeindepräsident Stäger, als Flugfeldhalterin müsse sich die Gemeinde mit der Helikopterfrage beschäftigen.

Auf einen Vorstoss für einen Winterdienst auf der Zufahrt zu Loipe und Lütschinenpromenade versprach der Gemeinderat, mit der Tourismusorganisation eine Lösung auszuarbeiten.

Berner Oberländer

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