Geld für Planung des Grimseltunnels gebilligt

Das Projekt eines Tunnels für Bahn und Stromleitung durch die Grimsel ist überraschend einen Schritt weitergekommen.

Noch endet die Bahnlinie in Innertkirchen, doch der Ständerat will einen Tunnel ins Oberwallis planen lassen.<p class='credit'>(Bild: Walter Dietrich)</p>

Noch endet die Bahnlinie in Innertkirchen, doch der Ständerat will einen Tunnel ins Oberwallis planen lassen.

(Bild: Walter Dietrich)

Fahren in einigen Jahren doch Züge mit Touristen von Interlaken und Luzern nach Zermatt oder St. Moritz, und verschwindet die Hochspannungsleitung am Grimselpass in einen Tunnel für diese neue Bahnlinie? Das Projekt für den 22 Kilometer langen Tunnel hat letzte Woche eine Hürde genommen.

Der Ständerat stimmte einstimmig dafür, im Rahmen des milliardenschweren Bahnausbauschritts 2035 auch die Planung einer Reihe von Projekten zu finanzieren, die vom Bundesrat zurückgestellt worden waren.

Dazu zählen die Planung für den Durchgangsbahnhof Luzern, für den Ausbau der S-Bahn in Basel und eben für den Grimseltunnel zwischen Innertkirchen und Oberwald VS. Er würde eine Lücke schliessen, und ein 850 Kilometer langes Schmalspurnetz in den Alpen entstünde.

Mit dem Entscheid des Ständerats ist der Bau des Tunnels, dessen Kosten auf 600 Millionen Franken veranschlagt sind, noch längst nicht beschlossene Sache. Das Projekt ist aber auch nicht auf dem Abstellgleis gelandet.

Ein Etappensieg

«Das ist ein Etappensieg», sagt Peter Teuscher, Präsident der Grimselbahn AG. «Wir sind sehr erfreut über den Entscheid des Ständerats, Finanzmittel in der Grössenordnung von rund 3 Millionen Franken für die Vorstudie und die Planung des Grimseltunnels in den Ausbauschritt 2035 aufzunehmen.»

Wenn nun auch der Nationalrat zustimme, dann könne die weitere Planung losgehen. An der Grimselbahn AG sind die Gemeinden Innertkirchen, Obergoms VS und Andermatt UR sowie die Kraftwerke Oberhasli und die Interessen­gemeinschaft Grimselbahn beteiligt.

Im Komitee engagieren sich diverse Politiker aus den Kantonen Bern, Wallis und aus der Innerschweiz. Zu ihnen gehört der Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki. Er warb in der kleinen Kammer mit Erfolg dafür, Gelder aus dem Fonds für Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur «in eine breite Palette von Projekten zu investieren und diese dann zur Projektreife zu führen». Für die Grimselbahn gebe dies die Sicherheit, dass das Projekt weiterverfolgt werde und die Planungskosten übernommen würden.

Auch der Walliser CVP-Ständerat Beat Rieder freute sich: «Es gibt nicht nur grosse Zentren in der Schweiz», sagte er mit Blick auf die grossen Bahnausbauten in der Region Zürich, «es gibt auch das Haslital und das Goms».

Dort träume man nicht vom Viertelstundentakt, sondern von einer einzigen wintersicheren Verbindung zwischen den zwei Tälern. Rieder will sich dafür einsetzen, dass der Ständerat dieses «kleine Projekt» an Planungsarbeiten begleitet und unterstützt.

Swissgrid klärt ab

Ob der Grimseltunnel gebaut wird, hängt aber auch vom Bundesamt für Energie und von Swissgrid ab. Die nationale Stromnetzgesellschaft und die Behörde klären ab, ob und wie die Höchstspannungsleitung über den Grimselpass erneuert wird.

Geprüft werden verschiedene Varianten, um die Leitung zu erneuern und die Spannung von 220 auf 380 Kilovolt zu erhöhen. So sollen die Wasserkraftwerke im Wallis besser mit den Stromverbrauchern im Mittelland verbunden werden. Zur Diskussion stehen der Neubau einer Freileitung, eine Erdverkabelung sowie eine Verkabelung im Grimseltunnel.

Das entsprechende Sachplanverfahren soll demnächst beginnen, damit der Bundesrat dann definitiv darüber entscheiden kann. Das wird aber noch ein paar Jahre dauern. Springender Punkt ist, wie teuer eine Erdverkabelung ist.

Und ob ein gemeinsamer Tunnel für Stromkabel und Bahn billiger ist. Dies nicht nur im Bau, sondern auch für den Zugang beim Unterhalt. Landschaftsschützer drängen in jedem Fall darauf, die Freileitung abzubauen.

Der Kostenverteiler zwischen der Bahn und der Stromleitung ist noch nicht bestimmt. Dies wird dann Sache der Behörden sein. «Wenn es gut läuft, dann könnte 2024 dem Parlament der Kredit für den Bau des Bahnteils unterbreitet werden», sagt Peter Teuscher.

Der Präsident der Grimseltunnel AG hatte auch schon den Lötschberg-Basistunnel geplant und als Chef der BLS Alptransit AG gebaut. Den Ausbau der zweiten Röhre im Lötschberg-Basistunnel hat der Ständerat trotz ursprünglichem Widerstand des Bundesrats auch einstimmig genehmigt.

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