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Gekonnter Blues ohne Schnörkel, geeister Tee ohne Zucker

Am zweiten Seaside Festival stand erstmals ein Oberländer auf der Hauptbühne: der Thuner Blueser Philipp Fankhauser. Für ihn war der Arbeitstag nach seinem Konzert am Samstagnachmittag aber noch nicht vorbei.

Abendstimmung am Seaside Festival 2018 beim Konzert von Gotthard.
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Christoph Buchs
Eine Legende am Seaside Festival: Philipp Fankhauser...
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Christoph Buchs
«It's Raining Again»: Der wohl grösste Hit von Supertramp passte bestens zur aktuellen Wetterlage am Seaside Festival.
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Christoph Buchs
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Ein sympathischer und letztlich souveräner Auftritt von Philipp Fankhausers elfköpfiger Blues­combo (inklusive dreier Bläser und dreier Backgroundsängerinnen) ging am Samstagnachmittag kurz nach 15 Uhr zu Ende.

Be­gonnen hatte die Show ohne Philipp Fankhausers Saitenkünste: Erst nachdem sein Techniker den kabellosen Gitarrensender durch ein gutes altes Kabel ersetzte, war der Sound auch über die Lautsprecher zu hören.

Die Probleme begannen aber schon vorher. «Fünfzehn Minuten vor dem Auftritt habe ich mir beim Öffnen eines Gutzli-Papiers für meinen Hund Trevor völlig überflüssigerweise in den Daumen geschnitten.»

Notdürftig mit einem Pflaster verarztet, trat er auf die Bühne. wo ihn das Gitarrenproblem normalerweise gestresst hätte. «Aber nach dem Unfall zuvor beschloss ich, jetzt deswegen nicht hässig zu werden. Sondern habe bestgelaunt mein Konzert gespielt.»

Top-Musiker an Bord

Ein Konzert, wie man es vom ­Thuner gewohnt ist: erstklassig gespielte Musik, auch dank erst­klassigen Musikern an Bord. Sein Gitarrero Marco Jencarelli gewann dieses Jahr den Swiss Blues Award. Bassist Angus Thomas, gebürtiger Amerikaner, zupfte einst für Miles Davis die Saiten.

Auf Fankhausers jüngstem Wurf, dem Album «I’ll Be Around», schrieb kein Geringerer als Tom «Bones» Malone, Posaunist der legendären Blues Brothers Band, die Bläserarrangements. Es ist die Crème de la Crème, die für Fankhauser arbeitet.

Apropos «I’ll Be Around»: Das 2017 erschienene Album gibt es nicht nur in digitaler Version und auf CD, sondern auch auf Vinylplatte und – jetzt kommts – auf Kassette. Quasi als Beweis dafür hielt Fankhauser während seines Konzerts ein Exemplar davon in die Höhe.

Der Blueser erklärt: «Ich war einer der ersten Schweizer Musiker, dessen Produkte man auf iTunes kaufen konnte. Eine Zeit lang hat dies auch ganz gut geklappt.» Doch inzwischen sei man mit den Streamingdiensten an einem Punkt angelangt, wo es für die Musiker ganz einfach unfair sei, weil kein Geld hängen bleibe.

«Je älter ich werde, desto weniger habe ich Lust, mich in dieser neuzeitlichen digitalen Welt zu bewegen.» Von den 10'000 verkauften Einheiten des Albums, wofür er kürzlich mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde, waren übrigens 400 Kassetten dabei. «Streaming-Downloads sind wie Fast Food für mich – und Musik hören ab einem fassbaren Tonträger wie schön ­essen.»

Musiker und Tee-Unternehmer

Das Interview nach seinem Konzert gibt Philipp Fankhauser nicht etwa in seiner Künstlergarderobe, sondern hinter seinem Eisteestand. Vor einigen Jahren war er des süssen Tees überdrüssig geworden, den es hierzulande in Restaurants zu trinken und in Supermärkten zu kaufen gibt.

Darum brachte er letztes Jahr unter dem Namen «Philipp Fankhauser’s Big Easy unsweetened Iced-Tea» ein Produkt auf den Schweizer Markt, das in den Vereinigten Staaten weitherum bekannt sei – an jedem Kiosk könne man sich dort ungezuckerten, geeisten Tee ab einer Maschine brauen lassen.

Für sein Produkt putzt er im ganzen Land die Klinken. In der Mühle Hunziken in Rubigen, im Hotel Schweizerhof in Luzern und im Casinotheater Winterthur kann man Philipp Fankhausers Tee inzwischen geniessen.

Eine weitere Teemaschine steht ausserdem im «Big-Easy-Mobil», dem Verkaufswagen, der auch am Seaside Festival aufgestellt war und in dem Fankhauser nach seinem Konzert höchstpersönlich mit seiner Managerin Sabine Ziegler den kalten Schwarztee verkaufte. «Darum hat mich Festivalorganisator Philippe Cornu speziell gebeten.»

Die Einführung des Produkts sei kostenintensiv; weitere Mitarbeiter hierfür könne er sich noch nicht leisten. «Derzeit testen wir, ob sich der Tee abfüllen lässt, damit wir ihn besser verkaufen können.»

Kein leichtes Unterfangen, denn das Getränk sollte möglichst frisch bleiben. Doch der Unternehmergeist ist definitiv geweckt. «Wenn ich irgendwann im Grab liege, soll es heissen: ‹Das ist der Fankhauser, er hat Blues gespielt und geeisten Tee in die Schweiz gebracht.›»

Konzerte und neues Album

Dem guten Tee zum Trotz: Priorität hat weiterhin die Musik, und von Fankhauser gibt es in nächster Zeit einiges zu hören. Kon­zerte bis Ende Februar stehen auf dem Tourneeplan oder sind in Planung, ab dem neuen Jahr in siebenköpfiger Formation und mit akustischen Instrumenten. Und für ein neues Album habe er schon ein paar schöne Songs ­beisammen. «Wir sind dran.»

Eventuell reist er für die Pro­duktion eines neuen Tonträgers nochmals nach Jackson, Mississippi, in die Malaco-Studios, wo auch «I’ll Be Around» entstanden ist. Wo die Wurzeln des Blues liegen und wo sicher wieder die Besten vom Fach für Philipp Fankhauser ihre Instrumente erklingen lassen würden.

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