Geheimnisumrankte Dorfgeschichte

Brienzwiler

Die Probearbeiten sind angelaufen, der Standort ist bestimmt, das Bühnenbild existiert im Modell: «Steibruch» feiert in gut drei Monaten im Landschaftstheater Ballenberg Premiere.

Regisseur Livio Andreina, Bühnenbildnerin Anna Maria Glaudemans, Hauptdarsteller Hanspeter Müller-Drossaart, Chorleiterin Brigit Beetschen und Lorenz Hess, Präsident des Vereins Landschaftstheater Ballenberg (v. l.).

Regisseur Livio Andreina, Bühnenbildnerin Anna Maria Glaudemans, Hauptdarsteller Hanspeter Müller-Drossaart, Chorleiterin Brigit Beetschen und Lorenz Hess, Präsident des Vereins Landschaftstheater Ballenberg (v. l.).

(Bild: Christoph Buchs)

Ein altes, rostiges Bahngeleise wird die Zuschauer vom Osteingang des Freilichtmuseums Ballenberg zur Tribüne führen. Das Geleise ist Teil des Bühnenbilds. Dieses existiert bereits in den Vorstellungen von Anna Maria Glaudemans, die beim Freilitchttheater für die Ausstattung zuständig ist.

Ein plastisches Modell davon gibt es auch schon. Doch in der freien Natur ist der Schauplatz, wo diesen Sommer das Stück «Steibruch» zur Aufführung kommt, noch nichts weiter als eine schräg abfallende Wiese. Und man fragt sich, wie hier allein schon nur eine Tribüne für 700 Besucher Platz finden soll.

Das Modell des Bühnenbilds mit der Tribüne im Vordergrund: Die geeignete Landschaft fand man unmittelbar beim Ballenberg-Osteingang. Foto: Christoph Buchs

Das Produktionsteam des diesjährigen Landschaftstheaters jedoch ist begeistert von diesem muldenförmigen Stück Natur. Zum Beispiel erhofft man sich dadurch eine gute Akustik. Denn «Steibruch» wird, wie alle vorangehenden Produktionen hier, ohne Mikrofone durchgeführt.

Und der Klang spielt diesmal eine besondere Rolle, denn in «Steibruch» wird nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen. Hierfür hat man die Ringgenberger Chorleiterin Brigit Beetschen ins Boot geholt. Sie hat die Aufgabe, den Laienschauspielern die Gesangparts näherzubringen, was nicht ganz leicht ist. «Denn viele der Schauspieler haben noch überhaupt nie vor Publikum gesungen.»

Auf 36 Rollen ausgedehnt

«Steibruch» ist aber nicht etwa ein Musical. Die von Till Löffler komponierte Musik wird subtil eingesetzt, etwa, um Gefühlslagen zu unterstreichen oder die Meinung der Dorfbevölkerung auf den Punkt zu bringen.

Die meisten Rollen wurden für das Landschaftstheater Ballenberg extra erfunden, und zwar von Hanspeter Müller-Drossaart, dem bekannten Film- und Theaterschauspieler aus Obwalden.

«In der ersten Fassung dieses Werks kamen nur neun Personen vor.»Hanspeter Müller-Drossaart Drehbuchautor/Hauptdarsteller

«In der ersten Fassung dieses Werks kamen nur neun Personen vor», sagte Müller-Drossaart gestern an einer Pressekonferenz. Die Geschichte des Schriftstellers Albert J. Welti stammt von 1939, wurde damals sehr erfolgreich aufgeführt und 1942 verfilmt.

Müller-Drossaart erweiterte die Besetzung auf insgesamt 36 Rollen und gab ihnen treffende Namen. «Zangger Housi» und «Zündler Gret» etwa oder «Frau Makramée». Und die Bande von rebellierenden halbwüchsigen Frauenzimmern nennt sich «7-fräch-Bandi».

Müller-Drossaart selber ist nicht nur Autor des adaptierten Drehbuchs, sondern auch Hauptdarsteller: Arnold Murer, ein Aussenseiter und Sonderling, der sich in Friedlichwil – das irgendwo in der Schweiz liegen könnte – bewusst von der Bevölkerung ­abgrenzt.

Zwei Kinder, das «Meitschi» und der «Näppu» – sie Waise, er geistig behindert – suchen immer wieder seine Nähe. Alle drei werden sie von den ­Dorfleuten beargwöhnt. Doch welche Schuld trägt Murer, und welches Geheimnis umgibt die Figur?

Kinder tragen die Geschichte

Der Luzerner Regisseur Livio Andreina verspricht eine «berührende Geschichte», in der auch intime, kleine Szenen eine grosse Wirkung entfalten werden. Dass zwei Kinder die ganze Geschichte tragen, und dass diese tatsächlich von Kindern gespielt werden, ist für Andreina eine grosse Herausforderung.

Diese Rollen wurden doppelt besetzt: In einem Casting setzten sich die Brienzerinnen Larina Jessica Amacher und Olivia Zumbrunn sowie die Thuner Gilles Antenen und Julian Kobler durch. «Charakterlich haben wir zwei komplett unterschiedliche Paare», so Andreina.

Die intensive Probearbeit läuft bereits: Die Schauspieler treffen sich zweimal wöchentlich; hinzu kommt eine monatliche Wochenendprobe. Premiere dieser 24. Produktion des Landschaftstheaters Ballenberg ist am 4. Juli.

Die weiteren Aufführungsdaten: Jeweils Mittwoch (ausser 1. August) bis Samstag: 6./7./11./12./13./14./18./19./20./21./25./26./27./28. Juli sowie 2./3./4./8./9./10./11./15./16./17./18. August.

Berner Oberländer

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