Mehrweg optimiert

Spiez

Ein Vorstoss von Patrick Bürchler (BDP) hatte zum Ziel, dass der Zwang zu Pfand- und Mehrweggeschirr an Anlässen aufgehoben wird. Er zog am Montag seine Motion zurück, da der Gemeinderat Spiez das Mehrwegangebot zwischenzeitlich bereits vereinfacht hat.

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Jürg Spielmann

Über seinen politischen Vorstoss wurde letztlich nicht befunden – und trotzdem durfte sich Patrick Bürchler am Montagabend ein wenig als Sieger fühlen. Er konnte die namens der BDP-Fraktion lancierte Motion zurückziehen, da nur schon deren Einreichung zu einer Verbesserung mit beigetragen hatte.

Ökologisch sinnvoll?

Doch der Reihe nach. «Unpraktisch», «teuer», «unökologisch» oder auch «kompliziert zu handeln» sei das Mehrweggeschirr. Das schrieb Bürchler im Vorstoss, der am 15. September 2015 eingereicht worden war. Und, dass viele Spiezer und Vereine sich gegen dieses auflehnen würden. Ausserdem stellte er den ökologischen Wert infrage, weil das Mehrweggeschirr sauber vom Freiburger Lieferanten nach Spiez und dann schmutzig für den Abwasch wieder zurückgefahren werde.

Er forderte darum, dass Artikel 4 im neuen Abfallreglement vom Juni 2013 gestrichen und der Zwang zu Pfand- und Mehrweggeschirr aufgehoben wird. Besagter Artikel schreibt vor, dass für öffent­liche Veranstaltungen mit gastgewerblicher Bewilligung in der Regel nur Pfand- oder Mehrweggeschirr zulässig ist. Ausnahmen würden kleinere Anlässe mit geringeren Abfallmengen bilden. Da seien «andere geeignete Massnahmen zur Verminderung und zur Vermeidung des Abfalls zu treffen». Und ergänzend ein zu genehmigendes Abfallkonzept zu unterbreiten.

200 km liegen drin

Der Gemeinderat hatte, auch dem Label Energiestadt geschuldet, bereits 2007 beschlossen, dass Mehrweg ein Mehrwert ist. «Das Seenachtsfest hat seine Abfallmenge um 1200 Kilogramm im Wert von 300 Franken halbiert. Das Aufräumen hat eine Stunde weniger lang gedauert, was bei 25 Mann 1875 Franken ausmachte», brach Vizegemeindepräsidentin Jolanda Brunner (SVP) im GGR eine verbale Lanze für die Mehrwegoffensive. Sie sagte zudem, dass selbst ein Transport über 200 Kilometer ökologischer sei als der Einsatz von Einweg. «Ins Freiburgische sind es 90 Kilometer.»

Wohl im Wissen um das Unbehagen in der Sache ging die Abteilung Bau im Auftrag des Gemeinderates über die Bücher. Diverse Anpassungen wurden von der Exekutive diesen Januar nun beschlossen: Das Sortiment wird reduziert und vereinfacht, Einheiten auch à 170 Stück (statt nur 350) angeboten, auf Geschirr der Zwang aufgehoben. Zudem wird Artikel 4 bei der nächsten Revision dahingehend angepasst, dass für kleine Anlässe kein Konzept mehr nötig ist. Es werden Stichproben durchgeführt. «Wir wollen das ganz pragmatisch handhaben», sagte Jolanda Brunner.

In Unkenntnis von Bürchlers späterem Rückzug sprachen sich die Fraktionen gegen eine Überweisung der Motion aus – und lobten die Anpassungen. «Aus ökologischer Sicht wäre es der falsche Weg», fand Dani Brügger (Grüne). Und Matthias Maibach (Freies Spiez) sagte: «Für mich als Veranstalter ist es zumutbar, Mehrweggeschirr zu verwenden.» Patrick Bürchler dankte zu guter Letzt allen Beteiligten für das Engagement. Und wie Jolanda Brunner verwies auch er an den Werkhof, «wo man zum Thema Mehrweg kompetent Auskunft erhält».

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