Für das bestmögliche Leben

Interlaken

Bis Freitag macht die Wanderausstellung «Palliative Care» im Kunsthaus Interlaken Halt. Sie regt zum Nachdenken über das Sterben an – und darüber, welche Pflege Betroffene und Angehörige brauchen.

Corinne von Känel vom Palliativnetz Oberland-Ost weiss, was Betroffene und Pflegende der Palliativstation St. Gallen bewegt.<p class='credit'>(Bild: Sibylle Hunziker)</p>

Corinne von Känel vom Palliativnetz Oberland-Ost weiss, was Betroffene und Pflegende der Palliativstation St. Gallen bewegt.

(Bild: Sibylle Hunziker)

«Das Ziel von Palliative Care ist ein bestmögliches Leben mit der Krankheit bis zum Tod.» So definieren Fachleute die Betreuung in der letzten Zeit vor dem Tod, in der das Lindern von Schmerz im Zentrum steht. Dabei geht es nicht nur um den Körper, sondern auch um Geist, Seele und Beziehungen.

«Wir betreuen auch die Angehörigen», sagt deshalb eine Pflegefachfrau der Sankt Galler Palliativstation, die in der Deutschschweiz Pionierarbeit geleistet hat.

Ihre Stimme kann man zusammen mit den Stimmen weiterer Pflegender, Angehöriger und Betroffener hören, wenn man sich Zeit nimmt und sich an das Bett im Zentrum der Ausstellung «Palliative Care» im Kunsthaus Interlaken setzt.

Die Zeit zum Zuhören, zum Lesen und zum intensiven Gespräch nahmen sich am Montag schon etliche Besucherinnen, kaum hatte die Ausstellung ihre Türen geöffnet.

Ein Netz fürs Oberland-Ost

Damit Patienten und ihre Angehörigen mit Fragen wie «Habe ich mein Leben gelebt?» oder «Was geschieht mit meinen Kindern nach meinem Tod?» nicht allein gelassen werden, haben auch im Berner Oberland Palliativpflegefachleute in den letzten Jahren begonnen, systematisch Netze von Ärzten und Pflegenden in Spitälern und in der Spitex mit Seelsorgern, Sozialarbeitern und freiwilligen Entlastungs- und Unterstützungsdiensten aller Art zu knüpfen.

So stellen etwa Fachexperten im Palliativnetz Oberland-Ost, das die Ausstellung in Interlaken organisiert, ihr Wissen für Weiterbildungen und Beratungen zur Verfügung.

«Pflegeheime sind zum Beispiel sehr interessiert an Weiterbildungen zu Palliativpflege», sagt Corinne von Känel, die das regionale Netz zusammen mit Regula Seiler leitet.

Auch die Spitex sei sehr engagiert im Bereich Palliativpflege und tausche sich unter anderem regelmässig mit Seelsorgern aus. «Damit Patientinnen und Patienten noch umfassender betreut werden können, fehlt uns aber noch eine Palliativstation für die Spitäler FMI», sagt Corinne von Känel. Der Antrag für die Station liegt bei der kantonalen Gesundheitsdirektion.

Dichtes Rahmenprogramm

Neben der Ausstellung, in der sich Besucher nicht nur mit Filmen, Büchern und Transparenten Informationen holen, sondern auch selber Gedankenanstösse ins Gästebuch schreiben können, hat das Palliativnetz Oberland-Ost ein dichtes Rahmenprogramm organisiert.

Am Montag berichtete eine Seelsorgerin vom Alltag einer Palliativstation. Am Dienstag zeigte der Komiker Baldrian, welche Kraft Humor verleihen kann. Am Mittwoch gibt es im Kunsthaus Informationen zum Thema Patientenverfügung. Am Donnerstag zeigt das Kino Rex den Film «Multiple Schicksale – vom Kampf um den eigenen Körper» mit anschliessendem Gespräch mit Protagonisten und dem Filmemacher.

Und am Freitag sind Fachpersonen und Angehörige eingeladen zum Workshop: «Was läuft gut? Und wo gibt es in unserer Region noch Handlungsbedarf?»

Berner Oberländer

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