Frutigschiefer – Fluch oder Segen?

Die Produktion von Schiefertafeln ist seit 1977 Geschichte. Jetzt ist aber der Film «Frutig-Schifer» im Auftrag der Kulturgutstiftung Frutigland fertig produziert.

Ein Schiefergrübler bedient die Fräse zum Abbauen von Schieferplatten in der Grube.

Ein Schiefergrübler bedient die Fräse zum Abbauen von Schieferplatten in der Grube.

(Bild: PD)

Im Film der Kulturgutstiftung Frutigland wird die Herstellung von Dachschiefer, Schiefertafeln und Griffeln Schritt für Schritt bildlich dargestellt,«damit das Handwerk nicht in Vergessenheit gerät», wie der Präsident Ruedi Egli im Pfimi-Saal in Frutigen orientierte.

Am Freitag war Premiere des Films «Frutig-Schifer». Ueli Trachsel war einer der letzten Schieferarbeiter und wirkte mit im Film. Auf Anfrage hat Andreas Wäfler, der Sohn eines Schiefergrubenarbeiters und Teilhabers aus Rinderwald, die Federführung übernommen. Er hat seinen Vater oft zur harten und staubigen Arbeit in der Grube begleitet.

29 Gruben

Andreas Wäfler, Arthur Grossen und andere haben die Schiefergruben und Überreste der Gebäude rekognosziert, Leute befragt, neue Informationsquellen gesucht und im Schiefermuseum Steinach (D) Fakten zur Griffelherstellung gefunden. Thea und Martin Dängeli (dmd-productions Frutigen) produzierten den gut einstündigen Film. Wählbar sind Frutigtütsch, gesprochen von Andreas Wäfler, und die schriftdeutsche Übersetzung.

Der pensionierte Lehrer stellte sich eine Schulklasse vor und hofft, dass Teile des Films im NMM-Unterricht gebraucht werden. Vor 250 Jahren wurden Schieferbänder gefunden, die auf 700 Metern Höhe in Heustrich beginnen und bis 2000 Meter unterhalb des Albristhorns reichen.

Bestätigt ist der Abbau von Dachschiefer in Mülenen 1786 als Ersatz für das Dach des Bootshauses beim Schloss Spiez. Mindestens in 29 Gruben wurde von zeitweise 200 Arbeitern Schiefer abgebaut. Die letzte Grube, «Wildi», wurde 1977 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.

In den Gräben sind heute noch Hüttenreste, Grubenlöcher, Reste von Seilbahnen, Seilwinden zu sehen. In der Wältiweide am Spissenweg steht eine alte Satzfräse, und im Strassentunnel Ratelsspitz kann Schieferwerkzeug besichtigt werden. Selten wird in der Schiefertafelfabrik Frutigen noch italienischer Schiefer auf alten Maschinen eingerahmt.

Einer Besucherin der Filmpremiere gefiel der Film: «Ich war aber schockiert vom gefährlichen Arbeitsweg über die extrem steilen Hänge.» Die Schieferindustrie brachte Verdienst ins Tal, aber auch Silikose (Staublunge). «Guet hets die Zyt gä. Wier wünsche sa trotzdäm net me zrugg», sagte Wäfler nachdenklich.

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