Freilichtmuseum wieder führungslos

Ballenberg

Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt Betriebsdirektor Peter Kohler das Freilichtmuseum im Berner Oberland.

Peter Kohler vor währschafter Bauernhauskulisse im Ballenberg.

Peter Kohler vor währschafter Bauernhauskulisse im Ballenberg.

(Bild: Christian Pfander)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Es kann einem vorkommen wie ein Déjà-vu: Betriebsdirektor Peter Kohler verlässt den Ballenberg nur zweieinhalb Jahre nach Stellenantritt – und bloss vier Jahre nachdem seine Vorgängerin, die Stadtberner Historikerin Katrin Rieder, unter bis heute nicht transparenten Umständen ging oder gehen musste. Das Freilichtmuseum in Hofstetten bei Brienz scheint nicht zur Ruhe zu kommen.

Kohler übt sein Direktionsamt noch bis Ende Mai 2019 aus und leitet bis dann die operative Planung für die kommende Saison. In einem kargen Communiqué begründen die Verantwortlichen dessen Abgang so: Kohler habe sich entschieden, «sich neu zu orientieren, da die Abgrenzung zwischen operativen und strategischen Kompetenzen nicht seinen Erwartungen entsprochen» habe. Die verschwommene Formel erinnert an die unscharfen Sprachregelungen bei Rieders Abgang und lässt Raum für Spekulationen. Wird Kohler nach einem Machtkampf mit dem Stiftungsrat entlassen? Hat er Fehler gemacht?

Peter Kohler schweigt

Kohler selber erklärt auf Anfrage nur, man habe vereinbart, dass einzig Stiftungsratspräsident Peter Flück öffentlich Stellung nehme. Der umtriebige Berner Oberländer FDP-Grossrat und Mehrfachverwaltungsrat verwahrt sich gegen den Verdacht einer Entlassung und den Vorwurf einer Krise. «Ich habe keine Freude an Peter Kohlers Kündigung und bin von ihm erst am letzten Mittwoch informiert worden», beteuert Flück.

Flück versichert, dass der Stiftungsrat mit Kohlers Arbeit zufrieden sei, dieser habe nach der Unruhe um Katrin Rieders Abgang Stabilität in den Ballenberg gebracht. Von einer Krise könne im Übrigen keine Rede sein. «Der Ballenberg ist gut unterwegs», versichert Flück. Man habe bei Saisonende am 31. Oktober das anvisierte Ziel von 210000 Besuchern erreicht. Damit habe man die Vorsaison übertroffen und den Abwärtstrend der letzten Jahre gestoppt. Auch die finanzielle Lage sei so weit im Lot.

Unklarer Konflikt

Was also bewegt Kohler, den Ballenberg dennoch zu verlassen? Peter Flück holt aus: 2014 habe man den Stiftungsrat verschlankt und dabei eine klare Aufgabenteilung zwischen operativem und strategischem Geschäft festgelegt. Kohler habe bei seinem Antritt 2016 diese Aufgabenteilung gekannt und akzeptiert. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, stimme sie offenbar für ihn nicht mehr. Der Stiftungsrat aber halte an dieser Aufgabenteilung fest.

Was genau der Reibungspunkt der Aufgabenteilung ist, der Kohler in die Flucht schlägt, will Flück nicht kommentieren. Er dementiert aber, dass Kohler mehr Kompetenzen oder eine neue Ausrichtung des Freilichtmuseums gefordert habe. Flück weist auch zurück, dass er und Kohler einen Kampf zweier Alphatiere ausgefochten hätten: «Wir scheiden nicht im Streit, sonst würde Kohler nicht noch bis im Mai bleiben.»

Peter Kohler dürfte nicht so leicht zu ersetzen sein. Schon bei seiner Wahl zeigte sich, dass es nicht leicht ist, gute Kandidatinnen oder Kandidaten mit Führungserfahrung und regionaler Vertrautheit ins peripher gelegene Freilichtmuseum zu holen. Aber vielleicht wird das auch gar nicht nötig. Stiftungsratspräsident Flück wollte am Mittwoch nämlich noch nicht bestätigen, dass der Direktionsposten in seiner bisherigen Form ausgeschrieben wird. Ein Sonderausschuss des Stiftungsrats werde bis Weihnachten über das weitere Vor­gehen entscheiden. Denkbar ist offenbar auch, dass eine bisherige Person aus einer Abteilungsleitung nachrückt.

Berner Zeitung

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