Franz Arnold übergibt an «unverbrauchte Kraft»

Spiez

14 Jahre seien genug: Franz Arnold tritt per Ende Jahr als Gemeindepräsident der grössten Gemeinde im westlichen Oberland zurück – und in den vorzeitigen Ruhestand.

Franz Arnold gibt das Gemeindepräsidium per Ende 2016 ab.

(Bild: Markus Hubacher)

Standesgemäss war der Ort für die Bekanntgabe seines Abgangs gewählt: Franz Arnold bat gestern Vormittag in den «Spiezer», um sich als Gemeindeoberhaupt des Ortes zu verabschieden. «Ich werde nicht für eine weitere Legislatur kandidieren», sagte der SP-Politiker im früheren Bahnhofbuffet ohne Umschweife. Am Morgen erst hatte er Partei, Gemeinderatskollegium und seine Mitarbeiter der Gemeinde ins Bild gesetzt.

Vor knapp 14 Jahren, im Juni 2002, war der gebürtige Oberwalliser aus Simplon Dorf von den Spiezerinnen und Spiezern zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt worden. Ein zweiter Wahlgang war damals nötig, bis der ­relativ knappe Sieg über den ­heutigen Gemeinderatskollegen Christoph Hürlimann (Freies Spiez) feststand.

47-jährig löste Arnold Urs Winkler (EVP) an der Spitze der Gemeinde ab. «Ich bin erst der dritte Präsident im Vollamt.» Der erste nach Einführung des Gemeindeparlamentes war 1977 Peter Widmer (FDP) gewesen. Der heute 80-Jährige bekleidete das Amt bis zu seiner Wahl in den bernischen Regierungsrat anno 1990.

Wenn, dann bis zum Schluss

Franz Arnold wird sein Amt als 61-Jähriger – er wird im September Geburtstag feiern – zur Verfügung stellen. Nach dreieinhalb Legislaturen. «Dass die Spiezer mich bei den Wahlen 2004, 2008 und 2012 wiedergewählt und mir ihr Vertrauen geschenkt haben, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit und Genugtuung.»

Arnold sieht nun den Moment für seinen Abschied gekommen. «Die Anforderungen an das Gemeindepräsidium bleiben unverändert hoch. Die Aufgabe macht mir nach wie vor Freude. Ich darf heute zudem auf eine gute gesundheitliche Konstitution zählen.» Der Entscheid für eine erneute Kandidatur wäre einer für die nächsten 5 Jahre gewesen. «Es entspräche meinem Verständnis von Verbindlichkeit, die neue Legislatur zu Ende zu führen.» Der Beschluss sei über längere Zeit gereift, habe sich in den letzten Monaten verdichtet. «Ich bin zum Schluss gekommen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die Aufgabe einer neuen, unverbrauchten Kraft zu überlassen.» Ihm sei es bisher gelungen, eine gute «Work-Life-Balance» zu halten. «Dieser Balanceakt ist mir in früheren Jahren meiner Amtszeit aber einfacher gelungen», gestand Franz Arnold gestern. Bei seinem Antritt habe er erklärt, das Amt «mindestens 10 und maximal 20 Jahre» ausüben zu wollen.

Ein lukrativer Posten

«Die Gemeinde Spiez ist heute gut unterwegs», fand er. Langjährige Verpflichtungen habe man massiv reduzieren und ergänzende Betreuungsangebote für Familien sowie für ältere Menschen aufbauen können – wie auch das professionelle Ortsmarketing.

Der Abschied wird für Franz Arnold ein vorzeitiger Rücktritt aus dem Erwerbsleben sein; eine neue Berufstätigkeit ist kein Thema. «Ich habe keinen Pfeil im Köcher», sagte er. Auch liess er offen, ob er für den frisch gewählten Regierungsrat Christoph Ammann in den Grossen Rat nachrücken werde – und wolle (siehe Artikel auf Seite 2). Mit der frühzeitigen Bekanntgabe lasse er den Parteien und Gruppierungen genügend Zeit, geeignete Kandidaten zu finden. Interessenten dürften gerade auch dank dem Vollamt – besoldet mit rund 210 000 Franken im Jahr – zu finden sein. So weit ist es aber nicht: «Ich bin bis Ende Jahr mit vollem Engagement und Energie im Amt.» Ob er, der seit seinem 36. Lebensjahr im Ort lebt, danach für immer und ewig – getreu dem gewählten Lokal – ein Spiezer bleibe, lasse sich noch nicht sagen.

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