Fliessen schon bald die Millionen für die Hotels?

Grindelwald

Mehrere grosse Hotelprojekte in Grindelwald liegen schon seit Jahren auf Eis, und Bauruinen beeinträchtigen das Ortsbild. Die Verantwortlichen machen Hoffnung auf Besserung.

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Samuel Günter@samuel_guenter

Sie lagen lange Zeit im Dornröschenschlaf, die grossen Hotelprojekte in Grindelwald. Nun kommt aber Hoffnung auf Bewegung auf. An der Gemeindeversammlung verkündete Gemeindepräsident Christian Anderegg, dass für den Fiescherblick und das Regina der Gesamtbauentscheid gefallen sei.

Gerade was den Fiescherblick angeht, zeigt sich Anderegg optimistisch. Die Bauruine gleich neben der Kirche beschäftigt Dorf und Gemeinderat schon seit 15 Jahren. Nun hat das Projekt, welches einen Gastgewerbebetrieb mit 100 Innensitzplätzen, 50 Sitzplätzen auf der Terrasse sowie 70 Hotelzimmern vorsieht, eine wichtige Hürde genommen.

Stellt sich die Frage, ob die englischen Investoren immer noch gewillt sind, eine stattliche Summe – über die Höhe wird keine Angabe gemacht – in die Hand zu nehmen. Gemäss Architektin Karin Brönnimann von der Projektverfasserin Brönnimann Archtiekten AG waren diese kurz vor Weihnachten vor Ort, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu verschaffen, um dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Der Schandfleck

Ein anderes unvollendetes Hotelprojekt bewegt die Grindelwalder zurzeit aber stärker: die Überbauung Bergwelt. «Ein Schandfleck für Grindelwald», wie Thomas Stettler, dessen Parkhotel Schoenegg direkter Nachbar ist, dieser Zeitung schreibt. 

«Wir entführen Sie in das spannendste Wohnprojekt im Berner Oberland.» So stellt die HRS Real Estate AG ihre Überbauung auf ihrer Website vor. Eine Überbauung mit einem Volumen von rund 100 Millionen Franken – mit sieben Chaletvillen und Eigentumswohnungen in Mehrfamilienchalets und als zentralem Aspekt einem Luxushotel mit 70 Zimmern für 50 bis 60 Millionen Franken.

Die Käufer und Mieter der Wohnungen sollten das Dienstleistungsangebot des Hotels nutzen können. Die Giardino Hotel Group sollte als Betreiber auftreten. Die Eröffnung war auf 2016/2017 geplant. Es kam anders. «Der Hotelmanagementvertrag wurde aufgelöst, da kein Investor gefunden wurde», erklärt Philippe Frutiger, CEO der Gruppe, auf Anfrage dieser Zeitung.

«Die Bergwelt gleicht einer tragischen Geisterstadt», meint Stettler. Er habe seit über drei Jahren keine Bautätigkeit mehr festgestellt, und die Baustelle mache einen «ungepflegten, unordentlichen Eindruck». 

Verständnis für Kritik

Die Kritik ist für Gemeindepräsident Anderegg nicht neu. «Sie ist nachvollziehbar», meint er. «Und es ist gut, dass sich die Bevölkerung nicht einfach an die Bauruinen gewöhnt.» Die Gemeinde habe mehrmals mit der HRS das Gespräch gesucht und sei auf offene Ohren gestossen. «Man hat grosses Verständnis dafür, dass wir die Situation als unbefriedigend empfinden.» Und die HRS habe auch kosmetische Massnahmen zugesichert.

«Wir verstehen, dass sich die Einwohner an der Optik stören», hält Cassandra Buri, Leiterin Kommunikation/PR/Marketing der HRS, gegenüber dieser Zeitung fest. Man habe entschieden, die Zufahrt ab Dorfstrasse bis Einstellhalle 3 provisorisch zu überdecken und Belagsarbeiten zwischen Dorfstrasse und Einstellhallen auszuführen. «Die Sicherheit der Anwohner ist uns wichtig, und dadurch verbessert sich die Zufahrt zu den Liegenschaften während der Wintermonate. Zudem ersetzen und reparieren wir die Absperrung.» Die Umgebung werde wo möglich aufgeschüttet, um den Bedürfnissen der Bewohner zu entsprechen.

Optimistische HRS

Aber eine nachhaltige Besserung ist wohl nur mit der Realisierung des Hotels möglich. Bei der HRS ist man optimistisch. «Wir hoffen, im Frühling mit den Bauarbeiten zu beginnen», erklärt Cassandra Buri. Verschiedene Investoren würden aktuell das Projekt prüfen. «Grindelwald wird durch die geplante V-Bahn interessanter, und die Nachfrage nach zusätzlichen Übernachtungsmöglichkeiten steigt bereits heute.» Im Vergleich zu den übrigen Berggebieten entwickele sich Grindelwald überdurchschnittlich gut. «Dies natürlich auch dank der längeren Sommersaison.»

«Wir sind nach wie vor überzeugt, dass das Projekt sowie die Destination Grindelwald über ein sehr gutes Potenzial verfügen», meint Giardino-CEO Frutiger. «Sollte ein geeigneter Investor dafür gefunden werden, wäre die Giardino Group AG immer noch bereit, das Management dafür zu übernehmen.» 

Auf der Bergwelt-Website ist übrigens Giardino immer noch als Hotelbetreiber aufgeführt. Und die Eröffnung des Hauses ist auf die Sommersaison 2020 angekündigt. Leser Stettler ist weniger optimistisch. «Ich glaube nicht daran, dass je ein Hotel eröffnet wird. Das kann sich nicht rentieren.»

Die Verantwortlichen von fünf grösseren Hotelprojekten in Grindelwald sind auf der Suche nach Investoren. Es geht um zwei-, ja dreistellige Millionenbeträge. Gräbt man sich da nicht gegenseitig das Wasser ab? Gemäss Tobias Reinhard, Verwaltungsrat der Grand Hotel Regina Grindelwald AG, tangiere man sich gegenseitig nicht. Gemeindepräsident Christian Anderegg hofft gar auf einen «Dominoeffekt». «Wenn eine Realisierung gelingt, kann dies ein Zeichen für andere potenzielle Investoren sein: In Grindelwald geht etwas.»

Und er bringt die V-Bahn ins Spiel. «Dass nun endlich gebaut wird, ist enorm wichtig», erklärt Anderegg. Auswärtige Investoren hätten oft gefragt, wann nun der Baubeginn sei. «Es machte einen schlechten Eindruck, wenn wir antworten mussten: ‹Wir wissen es nicht.›» Und zudem sei es ein starkes Zeichen, dass ein einheimisches Unternehmen an den Tourismus in Grindelwald glaubt und selbst viel Geld in die Hand nimmt.

Die Bedeutung der V-Bahn unterstreicht auch Philippe Frutiger, CEO der Giardino Hotel Group. «Ich bin überzeugt davon, dass Grindelwald mit den von den Jungfraubahnen geplanten Investitionen einer der absoluten Hotspots der Alpen wird.» Dies werde zurzeit von Investoren noch zu wenig erkannt. Frutiger glaubt aber, dass spätestens nach der Umsetzung «der ehrgeizigen Pläne der Jungfraubahnen» Investoren das Potenzial «dieses einzigartigen Dorfes» erkennen werden.

Berner Oberländer

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