Es stürmte wie im Krimi

Die Vernissage von «Blutlauenen» von Christof Gerber im Hotel Alpenland in Lauenen fand grosses Interesse.

Hier spielt der Krimi: Moderatorin Regula Tanner und Autor Christof Gasser vor dem Wandgemälde im Hotel Alpenland; in der Mitte der Tungelschuss, links die Tungelalp.

Hier spielt der Krimi: Moderatorin Regula Tanner und Autor Christof Gasser vor dem Wandgemälde im Hotel Alpenland; in der Mitte der Tungelschuss, links die Tungelalp.

(Bild: Stefan Kocherhans)

Draussen tobte ein veritabler Wintersturm, von der Stärke her fast so wie das im Buch «Blutlauenen» beschriebene Wetterphänomen beim Jagdhaus auf der Tungelalp. Fliesst Blut in Lauenen? Warum spielt der Krimi gerade in Lauenen? Fragen, die sich das zahlreiche Publikum vor der Vernissage und Buchlesung im Hotel Alpenland stellte. Es erhielt dank Moderatorin Regula Tanner bald einmal Einblick in das Schaffen von Bestsellerautor Christof Gasser.

Der heute 59-jährige Solothurner hatte bis vor neun Jahren als Exportfachmann für die Uhrenindustrie gearbeitet, unter anderem zehn Jahre lang in Thailand, bis er entschied, sich seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu widmen. Seine drei Solothurner Krimis mit Ermittler Dominik Dornach und Staatsanwältin Angela Casagrande landeten ganz oben auf den Schweizer Bestsellerlisten, bevor er mit der Journalistin Cora Johannis in «Schwarzbubenland» eine neue Figur schuf.

In seinem zweiten Roman mit der weiblichen Hauptfigur trifft sich eine ehemalige Jugendclique aus Solothurn im Jagdhaus Blutlauenen auf der entlegenen Tungelalp oberhalb des Lauenensees. Und dann geschehen, ganz nach Agatha-Christie-Manier, unerhörte Dinge (und natürlich auch Morde!), nachdem ein heftiger Sturm Blutlauenen von der Umwelt abgeschnitten hat.

Warum gerade Lauenen?

Autor Gasser wollte seinen neusten Krimi in den Bergen, abseits der Zivilisation, ansiedeln. «Ich suchte auf der Schweizer Karte, für mich kamen der Schwarzsee oder der Lauenensee infrage. Als ich im Spätherbst 2017 ins Saanenland fuhr, um den Lauenensee gewandert war und zum imposanten Dungelschuss schaute, war für mich sofort klar: Mein Roman spielt hier!»

Um sich die Gegend noch besser vorstellen zu können, stieg der Unterländer sogar zur Tungelalp hoch. «Es war cheibe asträngend», meinte er lachend. Da seine Romane immer eine Ortsbezeichnung aufweisen, nannte er das grosse Jagdhaus Blutlauenen, in Anspielung auf das existierende Schloss Blutenburg in Bayern. Blutlauenen ist mehr ein Schloss auf einer Erhebung, gemauert, mit Giebeltürmen, erbaut von Leopold Spiegelberg, der in einem Zusammenhang mit der Jugendclique steht. Und Blut fliesst natürlich, wie es sich für einen Krimi gehört, auf Tungelalp reichlich.

Liebe, Historie, Kritik

Für Christof Gasser gehören zu einem Krimi Liebesgeschichten, Gesellschaftskritisches und auch historische Themen. Diese greift er auf, indem er die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg hinterfragt, ihre Neutralität thematisiert und auch die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen mit Nazideutschland in den Fokus stellt. Die Vergangenheit um 1945 ist aber nur der eine Teil des Romans, denn Gassers Erzählung reicht bis in die Gegenwart. Ganz selbstverständlich war es für den Erfolgsautor auch, dass die erste Lesung und Premiere seines neusten Werkes in Lauenen stattfinden muss. So hatte er es bei seinen früheren Romanen auch gehalten. Die Bevölkerung dankte es ihm mit einem grossen Aufmarsch.

Christof Gasser: «Blutlauenen», Emons-Verlag, 320 Seiten. ISBN 978-3-7408-0508-1. Im Buchhandel erhältlich.

Berner Oberländer

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