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Er veredelt Zeichnungen am Computer

Der Grafiker Peter Weibel digitalisiert seine Handzeichnungen und erschafft ganz eigenständige Kunstwerke. Nun stellt der 76-Jährige seine Bilder erstmals öffentlich aus.

Peter Weibel macht Kunst an seinem Computer.
Peter Weibel macht Kunst an seinem Computer.
Fritz Lehmann
Diese Skizze von der Jungfrau scannt Weibel ein...
Diese Skizze von der Jungfrau scannt Weibel ein...
Fritz Lehmann
Weibel schwört auf seinen alten Röhrenbildschirm: «Dieser gibt die Farben so schön wieder, es entsteht fast der Eindruck eines dreidimensionalen Effekts.»
Weibel schwört auf seinen alten Röhrenbildschirm: «Dieser gibt die Farben so schön wieder, es entsteht fast der Eindruck eines dreidimensionalen Effekts.»
Fritz Lehmann
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Konzentriert klickt sich Peter Weibel mit der Computermaus durch das Grafikprogramm Illus­trator. «Diese Zeichnung scanne ich in meinen Macintosh-Computer ein und vektorisiere sie dann.» Sagt er und meint damit, das er einfache geometrische Objekte in ein Rasterbild umwandelt, das er anschliessend bemalt. «Ich weiss nicht, ob das jemand anderes auch noch macht», sagt er und zuckt mit den Schultern. Dem 76-jährigen ist das egal, er brennt für seine Kunst: «Manchmal sitze ich bis um drei Uhr morgens vor der Kiste und kann nicht ins Bett gehen, bevor es für mich perfekt ist.» Sechzig bis hundert Stunden braucht er für ein Bild. Erst fertigt er eine Handzeichnung an, danach scannt er die Bilder und legt am Computer los.

Sein Fleiss wird nun belohnt, im Haus Frutigen, dem ehemaligen Alters- und Pflegeheim, kann er erstmals seine Bilder ausstellen. «Neunzehn Bilder sind zu sehen», sagt er. Diese wurden auf Leinwände aufgedruckt. Auf die Frage, ob man diese kaufen kann, reagiert er überrascht: «Daran habe ich noch gar nicht gedacht». Aber doch, er werde verkaufen, falls Interesse bestehe.

Aufgewachsen in Isenfluh

Die eingescannten Bilder teilt er in bis zu zwanzig verschiedene Ebenen auf. Danach folgt das Einfärben der einzelnen Elemente, das Abstimmen der Farbtöne, das Berechnen der Intensität und der Richtung der Verläufe, das Übereinanderkopieren, das Drehen, Schichten und Verziehen der Felder. Weibel spricht über seine Arbeit, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Einzig der alte Röhrenmonitor irritiert den Besucher in seinem Atelier: «Es gibt modernere, grössere und flachere Bildschirme, das stimmt. Aber dieser hier gibt die Farben so schön wieder, es entsteht fast der Eindruck eines dreidimensionalen Effekts», sagt er. Neben der ­alten Röhre liegt nämlich auch ein moderner Laptop.

Der Grafiker Peter Weibel aus Thun digitalisiert seine Handzeichnungen und erschafft ganz eigenständige Kunswerke. Video: Fritz Lehmann

Moderne Technik macht seine Kunst erst möglich. Weibel spricht begeistert von seinem Hobby: «Das Herausarbeiten der Formen zu einem dreidimen­sionalen, plastischen Bild und schliesslich das Sprayen und Einfügen der Wolkenstrukturen mittels Photoshop», das alles sei eine sehr komplexe und aufwendige, aber natürlich auch schöne, kreative Arbeit. In den vergangenen Jahren sind so rund dreissig Bilder entstanden, «die können nun in gewünschter Grösse als Fine Art Prints oder auf Leinwand ausgedruckt werden».

Müde von seiner Kunst ist er noch lange nicht. Und die Berge verleiden ihm sowieso nie, der in Isenfluh im Lauterbrunnental aufgewachsen ist: «Durch meine ganze Kindheit hindurch fühlte ich mich aufgehoben, beschützt und geborgen und hatte eine wundersame Beziehung zur Bergwelt.» Später zog es ihn aus dem Tal hinaus, er besuchte die Schule für Gestaltung in Bern, Zeichnen wurde zum Lebensinhalt.

Bunte Bilder

Wundersam sind auch seine Bilder, im Gegensatz zur Bergwelt in Schwarz, Weiss und Grau sind Weibels Bilder bunt: «Je älter ich wurde, desto mehr begann ich, das Licht zu studieren und damit auch die sich verändernden, magischen Schattierungen auf Felsen, Eis und Schnee.» Er meint damit die facettenreichen Farben vom zarten Gelb bis zum kräftigen Rot, vom sanften Türkis bis zum strengen, kalten «Weissblau» im Winter.

Mit seinen Bildern eröffnet der Grafiker, der in seiner beruflichen Zeit zuletzt in der Firma Schaer Thun AG tätig war, Betrachtern einen neuen Blick auf die Oberländer Bergwelt. Für sich selber will er die Welt, wie er sie als Kinde erlebte, darstellen, «um meine Gefühle, meine Empfindungen und meine Faszination auszudrücken und weiterzugeben».

Die Vernissage findet heute Freitag um 19 Uhr im Haus Frutigen, Adelbodenstrasse 25, statt. Musikalische Begleitung gibt es von Sound Agreement.

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