Spiez

Er lässt nur noch in Aeschi schlecken

SpiezEine Ära ist vorbei: Nach 22-jähriger Selbstständigkeit im Wohnort schloss Christoph Gerber gestern seine Gelateria am Kronenplatz. Der neue Eisoase-Standort in Aeschi biete ihm mehr Entwicklungspotenzial.

Christoph Gerber in seiner Eisoase an der Scheidgasse in Aeschi. Seine gleichnamige Gelateria in Spiez hat er aufgegeben.

Christoph Gerber in seiner Eisoase an der Scheidgasse in Aeschi. Seine gleichnamige Gelateria in Spiez hat er aufgegeben. Bild: Jürg Spielmann

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Im Holzpavillon an der Scheidgasse, wo lange Jahre Blumen geschnitten und Sträusse gebunden wurden, streicht jetzt ein Mittvierziger italienische Gelati. «Ich bin mit den ersten sieben Monaten überaus zufrieden», zieht er hinter seiner Eistheke eine erste Bilanz. Schon seit Ende März geschäftet Christoph Gerber in ­Aeschi – bis gestern tat ers parallel dazu auch am Kronenplatz in Spiez. Wenn auch nicht selbst: In der finalen Saison versorgte Partnerin Zita Sommer Spiez mit der Eis gewordenen Schlemmerei.

Kälte ist des Eismanns Feind

Tempi passati. Nach 10 Jahren verliert der Ort seine Gelateria an die Nachbargemeinde. «Das hat nichts mit Spiez oder dessen Leuten zu tun», versichert Gerber, ein Ur-Spiezer. Und ebenso wenig mit der Wirtschaftlichkeit. «Saisonal kannst du vom Glaceangebot allein leben, nicht aber das ganze Jahr über.»

«Saisonal kannst du vom Glaceangebot allein leben, nicht aber das ganze Jahr über.»Christoph Gerber (44)

Deshalb arbeitete der gelernte Bahnbetriebsdisponent im Winter im Tourismusbüro in Boltigen oder verkaufte als Aushilfe Skibillette auf dem Jaunpass. Von Anfang November bis Ende Februar blieb seine Eisdiele kalt, sprich warm.

Dass er kein Ganzjahresangebot habe bieten können, sei der Hauptgrund für den Wegzug aus Spiez gewesen. «Mit der Besitzerin war vertraglich vereinbart, dass ich im Krone-Gebäude ausschliesslich Eis verkaufen darf.» Patrick Schmid war es gewesen, der am Standort im Juni 2007 seine Eisinsel eröffnet hatte.

Nach 5 Jahren beschloss Schmid jedoch, sich in Unterlangenegg ausschliesslich auf die Glaceproduktion zu konzentrieren. Christoph Gerber, der damals ein Eiskaffee an der Spiezer Thunstrasse führte, betrieb fortan am bisherigen Standort der Eisinsel eine weitere Gelateria. Er gab ihr den Namen Eisoase. Schmids Eisinselglace aus Biomilch (vom Hof der früheren Skirennfahrerin Monika Dummermuth) verkauft Gerber bis heute.

Bereits Anfang 2016 habe er mit dem Krone-Besitzerehepaar Burgener Gespräche für eine Lockerung der Vereinbarung geführt. Gefruchtet haben die, so Gerber, nicht. «Damit war klar, dass ich meinen Fünfjahresvertrag werde auslaufen lassen.» Er weiss nicht, was die Zukunft für das Kleinlokal am Kronenplatz bringen wird. Er spricht von möglichem Eigenbedarf Burgeners.

In Spiez gehörte «Chrigi», wie er gemeinhin genannt wird, längst zum Inventar. Im elterlichen Milchlädeli aufgewachsen, hatte sich der 44-Jährige in den letzten 22 Jahren ganz Speis und Trank verschrieben. Auf 15 Jahre Selbstständigkeit im Buchtkiosk folgten deren 3 im Eiskaffee sowie fünf Saisons in der Eisoase.

Spiez im Sommer besser

Diesen Namen trägt auch die Nachfolge-Gelateria in Aeschi. Wobei Gerber in dieser nun ganzjährig geschäftet – und nebst Eis auch Getränke, saisonale Snacks oder Selbstgefertigtes von Hobbyhandwerkern anbietet. «Ich bin in Aeschi, das ein ausgeprägteres Dorfleben kennt als Spiez, extrem gut aufgenommen worden.» Er betont indes, kein Unbekannter gewesen zu sein.

«Seit 2010 sind Zita und ich mit der Glace am Sommerschulfest mit dabei, zudem machten wir an den beiden letzten 1.-August-Umzügen mit.» Die Konkurrenzsituation vor Ort – in näherer Umgebung sind der Niesen, der Sternen, das Hallenbad-Tearoom, der Pizzakurier Aeschi und ab November wieder die Bäretatze – nimmt der Eismann cool. «Betriebe sind nicht nur Konkurrenten, sie beleben auch den Ort.»

Trotzdem hofft Christoph Gerber, dass «der eine oder andere Kunde aus Spiez» den Weg nach Aeschi finden wird. Für alle anderen führt die Bäckerei Binoth ein reduziertes Eisinsel-Glacesortiment. Zum Geschäftsgang zieht Gerber einen ersten Vergleich: «Der Frühling und Herbst waren in Aeschi mit den Ausflüglern, Bikern und Wanderern besser, in der Hochsaison ist es hingegen ruhiger als in Spiez.» Und im Winter? «Da rechne ich schon damit, dass etwas geht.» Das soll es, nach den Ferien, ab dem Aeschimärit (7. November) jeweils von Mittwoch bis Sonntag. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2017, 11:35 Uhr

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