Unterseen

Er ist der stille Weltmeistermacher

UnterseenDer Weltmeistertitel von Christoph Kunz im italienischen Tarvisio ist kein Zufall. Nebst der seriösen Vorbereitung ist es auch sein Hightech-Monoskibob, der ihn zur Goldmedaille fuhr – hergestellt vom Unterseener «Tüftler» Simon Weber.

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«Es ist mein Ziel, Monoskibobs zum Fliegen zu bringen.» Was für Simon Weber vor neun Jahren im Rahmen einer Diplomarbeit begann, dominiert seit zwei Jahren seinen Alltag. Der 48-jährige ­Designer und Ingenieur hat die Herstellung von Monoskibobs richtiggehend revolutioniert.

Aus den wackelig anmutenden Rundrohrgestellen der ausländischen Anbieter wurden durch Simon Weber hochwertige, funktionelle Sportgeräte allerhöchster Schweizer Qualität. Für das Swiss-Paralympic-Skiteam ist denn auch nur das Beste gut genug, und so fuhr am letzten Freitag der Reichenbacher Paralympic-Sieger Christoph Kunz auf Webers «Impulse Boost»-Monoskibob im Super-G in Tarvisio zu WM-Gold.

Und gestern holte sich die 21-jährige Radolfzellerin Anna-Lena Forster nach ihrer Kombinationsbronzemedaille im Frauenslalom auch noch die WM-Silbermedaille – auf Webers Hightechschlitten.

Weltneuheit lanciert

Inzwischen ist Simon Weber so weit, dass er die Bedürfnisse und Wünsche der Athleten des Swiss-Paralympic-Skiteams fast von ihren Augen ablesen kann, was ihn immer wieder zu technischen Neuerungen inspiriert.

So hat Weber vor wenigen Wochen den automatischen Sicherheitsgurt entwickelt, der sich beim Aufsteigen auf die Sesselbahn automatisch öffnet und beim Absteigen wieder in der Fahrposition einrastet – und das auch bei Schnee, Eis und Minustemperaturen. Eine Weltneuheit, die über kurz oder lang die heute verbreitete Spanset-Rätsche ablösen wird.

Er trainiert wieder Slalom

Zum frischgebackenen Weltmeister Christoph Kunz pflegt Weber «eine freundschaftliche Geschäftsbeziehung. Wir verstehen uns fast blind.» So verbringt der Konstrukteur mehrere Wochen pro Winter auf den Skipisten, bespricht mit Kunz und anderen Fahrern des Paralympic-Skiteams ihre technischen Wünsche und stellt die Geräte vor Ort individuell auf sie und ihren Fahrstil ein. Dies hat sich aus­bezahlt.

Christoph Kunz: «Jetzt macht sogar das Slalomfahren wieder Spass. Auf den bisherigen Geräten hab ich nämlich zuletzt gar nicht mehr Slalom trainiert.» Gar nicht zu diesem grundsätzlich positiven Gefühl passt der gestrige Ausfall von Kunz im ersten Lauf des WM-Slaloms von Tarvisio.

Simon Weber: «Mir ist wichtig, dass man am Gerät sämtliche Einstellungen verändern kann, ohne dass der Fahrer den Schalensitz verlassen muss, und dass der Fahrer möglichst wenig selber machen muss.» Damit meint Weber beispielsweise das Auslösen der Entriegelung des Skiliftbügels bei einem allfälligen Sturz. Zur Lösung dieses Problems stellte er kurzum einen Riegel her, der sich beim Kontakt mit dem Schnee ­sofort automatisch öffnet.

Ohne Expansionsabsichten

Weber hat nicht die Absicht, mit seiner Unicent GmbH zu expandieren: «Ich will klein bleiben. Ich setze lieber auf ein eingespieltes Netzwerk aus Experten. So kann ich flexibel bleiben und auf Veränderungen schnell reagieren.»

Im Gegensatz zu anderen Teams ist Simon Weber so in der Lage, zusammen mit dem Riggisberger Tuningexperten Gery Peyer vom Pistenrand aus die Fahrwerkabstimmung ohne jegliche Messgeräte und Computerauswertungen direkt vorzunehmen.

www.unicent.ch (Berner Oberländer)

Erstellt: 01.02.2017, 07:32 Uhr

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