Zum Hauptinhalt springen

Einmaliges vor und auf der Leinwand

Im Kino Meiringen wurde ein mexikanischer Stummfilm aus dem Jahr 1926 aufgeführt, live vertont mit dem Chor Cant’animato und einem Jazztrio.

Das Ensemble Cant’animato begleitete den Stummfilm «El tren fantasma». Foto:Heidy Mumenthaler
Das Ensemble Cant’animato begleitete den Stummfilm «El tren fantasma». Foto:Heidy Mumenthaler

«Es ist ein spezielles Gefühl, wenn der Dirigent mir das Zeichen gibt und ein Chor einmarschiert» begrüsste Hanna Gubler, Präsidentin des Förder­vereins Cinema Meiringen, im beinahe ausverkauften Kino Meiringen. Das Ensemble Cant’animato aus Zürich sei im Haslital kein unbekannter Gast, vor zwei Jahren sang das Ensemble in der Michaelskirche.

Und wie kam es nun zu diesem neuen, aussergewöhnlichen Projekt? «Mirjam Schlatter singt in diesem Chor und hat mit ihrer Ferienwohnung in Hasliberg eine enge Verbindung zum Haslital», verriet Hanna Gubler. «Schlatter fragte vor einem Jahr an, ob die Aufführung bei uns stattfinden könne.»

Die Begeisterung war so gross, dass keine logistischen Herausforderungen gescheut wurden. Damit die 32 Sängerinnen und Sänger und drei Berufsmusiker vor der Leinwand genügend Platz zur Verfügung hatten, musste eine komplette Stuhlreihe abmontiert und entfernt werden.

Zudem boten Stammgäste und Freunde des Kinos Meiringen den Chormitgliedern in Meiringen und Umgebung bei sich zu Hause Übernachtungsmöglichkeit an.

Offen für Neues

Der überregionale Kammerchor singt neben grosser Oratorienliteratur regelmässig a cappella und entdeckt zur Abwechslung auch gerne Neues. Cant’animato und das Jazztrio mit Thomas Goralski, Klavier, Nico Maas, Gitarre/Cajon, und Stefanie Kunckler, Kontrabass, setzten in Meiringen unglaublich viel Engagement und pulsierendes Herzblut ein.

Unter der Leitung von Christoph Cajöri hauchten die drei Berufsmusiker und die Singenden dem Stummfilm Leben ein. Jazzpianist Thomas Goralski schrieb ursprünglich die Musik zum mexikanischen Stummfilm aus dem Jahr 1926 «El tren fantasma» für Frauenchor.

Für das Projekt von Cant’animato reicherte er den Chor mit Männerstimmen an und erweiterte die Instrumentalstücke. Der mit Dampf betriebene Zug wurde instrumental und singend rhythmisch in Szene gesetzt. Als der Banditenboss auf der Leinwand die Arena betrat, stimmten Chor, Klavier, Gitarre und Kontrabass ein.

Aufmerksam verfolgte das Publikum den Stierkampf. Der Chor klatschte und stiess wilde Triumphschreie aus. Die Untermalung des Stummfilms brachte emotionale Stimmungen zu Gehör von Western über Liebesgeschichten bis zu spektakulären (akrobatischen) Actionszenen auf einem fahrenden Zug. In der heiteren Musik kamen die einzelnen Personen und deren Charaktere in entsprechenden Motiven zum Ausdruck.

Keine Texte

Strophentexte gab es keine zu hören, stattdessen sang der Chor unterschiedliche Vokale, Silben und wirkungsvolle Rhythmen. Dabei entstand eine abwechslungsreiche, differenzierte Mischung aus spanischen Klängen und Jazz.

Die Darbietung im speziellen Ambiente des Kinos war etwas Einmaliges. Allein der Film aus dem Jahr 1926 mit dem Star des Abends, der Eisenbahn, war etwas Besonderes. Mit der Livemusik dazu war es ein geniales Erlebnis, waren sich sowohl Aufführende als auch Kinobetreiber und Publikum einig.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch