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Eine Vernunftehe im Oberhasli?

Braucht es eine Gemeinde Oberhasli? Zwingend, das zeigte das Podiumsgespräch mit den Grossratskandidaten, ist sie nicht, aber zumindest eine Diskussionsrunde wert.

Fusion in der Diskussion: Die Grossratskandidaten (v. l.) Andreas Michel, Marcel Guninand, Beat Kohler (Moderator), Thomas Dummermuth, Monika von Bergen und Daniel Studer.
Fusion in der Diskussion: Die Grossratskandidaten (v. l.) Andreas Michel, Marcel Guninand, Beat Kohler (Moderator), Thomas Dummermuth, Monika von Bergen und Daniel Studer.
Anne-Marie Günter

Ein Grossratswahlpodium zum Thema Gemeindefusion im Oberhasli? Die drei Meiringer Ortsparteien luden unter dem Titel «Braucht es eine Gemeinde Oberhasli?» die Grossratskandidaten Andreas Michel, Thomas Dummermuth (SVP), Daniel Studer, Monika von Bergen (SP) und Marcel Guinand (FDP) zum Gespräch ein. Moderator war Beat Kohler, Grossratskandidat Grüne. Das Thema mobilisierte, die Tische im Adler-Saal waren gut besetzt. Brisanz haben Gemeindefusionen nicht nur im Haslital, sondern im ganzen Kanton, deshalb sind sie auch relevant für künftige Grossräte.

Die Anzahl der Berner Gemeinden soll nämlich ziemlich drastisch reduziert werden (wir berichteten). Andreas Michel lehnt beide Varianten ab, ist aber dafür, im Oberhasli die entsprechende Diskussion anzustossen. Für ihn ist das Oberhasli schon rein geografisch ein zusammengehörender Raum. Er gab zu bedenken, dass die kleineren Gemeinden je länger, je schwächer werden, weil viele Aufgaben zen­tral übernommen werden.

Positive Erfahrungen

Das Oberhasli hat eine Fusionserfahrung. 2014 haben Innertkirchen und Gadmen fusioniert. Marcel Guinand hat dies als Bauverwalter aus nächster Nähe erlebt und sprach von einem Erfolg. Es sei eine Zusammenarbeit gewesen, keine Übernahme. Trotzdem, für eine Gemeinde Oberhasli aus Meiringen, Schattenhalb, Guttannen, Innertkirchen und Hasliberg ist er nicht.

Bürgernähe würde verloren gehen, das Engagement aller, auch der Behörde, etwas für die Bürger zu erreichen, würde kleiner werden. Dies habe auch die Bezirksreform gezeigt mit der Zusammenlegung der Amtsbezirke Interlaken und Oberhasli. Vetternwirtschaft in kleinen Gemeinden befürchtet er nicht.

Flächenmässig entstünde, sagte Monika von Bergen, im Oberhasli die grösste Gemeinde der Schweiz mit 8000 Einwohnern, dies könnte schon eine Vision für die Zukunft sein. Und möglicherweise sei sie nötig, wenn es nicht mehr genug Bürger gebe, die ein Amt übernehmen wollen. «Meiringen wird nicht auf Brautschau gehen», sagte Thomas Dummermuth aus der Sicht der Zentrumsgemeinde Meiringen. Eine Fusion müsste freiwillig erfolgen, der Wille dazu an der Basis entstehen, sicher nicht durch Zwang. Daniel Studer ist sich bewusst, dass bei Fusionen Emo­tionen im Vordergrund stehen.

Werden Namen und Wappen verschwinden und damit das Heimatgefühl? Beat Kohler wies als Randbemerkung darauf hin, dass es zumindest bei den Wappenfarben rot-gold-schwarz keine Differenzen geben würde. Die einzelnen Gemeinden im Oberhasli seien relativ jung, der östlichste Teil des Kantons Bern sei erst vor sieben Generationen in Gemeinden geteilt worden, sagte Beat Kehrli aus Hasliberg während der offenen Gesprächsrunde. Er vermisste am Anlass die jungen Haslitaler, deren Zukunft die Gemeinde Oberhasli wäre.

Nichts Konkretes

Konkretes wie der Zustand der Kanalisation, unterschiedliche Erfolgsrechnungen oder die Steuerunterschiede kamen bei den Grossratskandidaten nicht zur Sprache. Einzig Daniel Studer fand, es sollte für das Oberhasli ein Grundlagenpapier geschaffen werden, wie eine Fusion aussehen und wie sie sich auswirken könnte, auch mit Modellvarianten, damit es eine konkrete Diskussionsbasis gebe. Thomas Dummermuth warnte vor einem Papiertiger. «Die wesentlichen Sachen wissen wir», fand Michel.

«Zusammen gegen Bern kämpfen ist nicht unsere Hauptsorge», sagte Studer und wies darauf hin, dass die Harmonisierung der Tourismusabgabe innerhalb der Hasligemeinden gescheitert ist. Lebenswert, wozu auch Arbeitsplätze gehören, wollen alle Kandidaten das Haslital erhalten. Dummermuth sieht ein Bürogebäude in Gadmen, wo Mitarbeitende der kantonale Steuerverwaltung oder die Swisscom über ein dazumal sehr schnelles Internet ihre Aufgaben erfüllen. Guinand sieht die Arbeitsplätze eher im Bereich eines wohltuenden Natur- und Erlebnisangebots für die engestressgeplagten Städter. Mit dem Abend ist die Diskussion über die Gemeindefusion –einmal mehr – lanciert.

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