Eine Frau mit Politik-Tradition

Interlaken

Sohn Daniel, Schwager Res und Urgrossvater Fritz – im Hause Beutler gehörte politisches Engagement schon immer dazu. Mutter ­Heidi setzt diese Tradition fort. Am Dienstag wurde sie zur neuen GGR-Präsidentin für das Jahr 2016 gewählt.

«Unter diesem Dach wurde immer schon politisiert.» Die neue GGR-Präsidentin Heidi Beutler vor ihrem Haus in Interlaken.<p class='credit'>(Bild: Claudius Jezella)</p>

«Unter diesem Dach wurde immer schon politisiert.» Die neue GGR-Präsidentin Heidi Beutler vor ihrem Haus in Interlaken.

(Bild: Claudius Jezella)

Dass eine Tochter in die Fussstapfen ihres Vaters tritt, kommt gelegentlich vor. Dass aber eine Mutter auf den Spuren ihres Sohnes wandelt, ist dann doch eher selten. Elf Jahre ist es jetzt her, dass Daniel Beutler zum Präsidenten des Grossen Gemeinderats (GGR) von Interlaken gewählt worden war. Gestern kam Mutter Heidi zu den gleichen Ehren: 2016 präsidiert sie das Gemeindeparlament und ist damit höchste Interlaknerin.

Sich für das Gemeinwesen einzusetzen, habe in der Familie Beutler Tradition, sagt die SVP-Politikerin und nennt neben ihrem Sohn, der zudem im Gemeinderat sass, auch ihren Mann Walter, 17 Jahre Chef eines Löschzugs in der Feuerwehr, sowie ihren Schwager Res und Urgrossvater Fritz Beutler, die es ins Gemeinde- und Kantonsparlament schafften.

«Ich bin ja geduldig, aber . . .»

«Ja, unter diesem Dach wurde immer schon politisiert», sagt Heidi Beutler über das Haus der Grosseltern, in dem sie heute noch wohnt. Sie selbst könnte man als Spätberufene bezeichnen. 2009 rutschte die heute 69-Jährige von der Warteliste in den GGR nach und musste sich zunächst einmal mit den langwierigen und oft auch langsamen Prozessen vertraut machen, die politische Sachgeschäfte in einem Gemeindeparlament zu durchlaufen haben.

«Ich bin ja sehr ­geduldig», sagt Heidi Beutler in ihrer bekannt ruhigen Art, «aber daran musste ich mich erst gewöhnen.» Wenn man ein Thema mit Elan anpacke und dann feststellen müsse, dass es Jahre bis zur Realisierung dauere, dann könne das einem schon den Wind aus den Segeln nehmen. So wie bei der Motion zur Verbesserung des Erscheinungsbilds bei der Ortseinfahrt an der Därligen­strasse, die Heidi Beutler 2010 eingereicht hatte und die immer noch nicht vollständig erfüllt wurde. «Eigentlich habe ich gedacht, mehr bewegen zu können und es schneller zu machen.»

Diskussionen erwünscht

Mittlerweile erlebt die SVP-Politikerin ihre zweite Legislatur, ist in drei Kommissionen vertreten, präsidiert die Kulturkommission und ist seit vier Jahren Fraktionspräsidentin. «Mir gefällt es je länger, desto besser im GGR.»

Das zusammengenommen verleihe ihr eine gewisse Sicherheit für das neue Amt, dem sie mit Respekt, aber mit viel Vorfreude ­entgegensieht. Als Präsidentin möchte sie ein offenes Ohr für ­alle haben und den Raum für politische Debatten bereiten. «Über den Weg, der zum Ziel führt, darf immer diskutiert werden.»

Mehr Frauen in die Politik

Zudem wünscht sich Heidi Beutler, dass die Sachpolitik zum Wohl der Gemeinde im Vordergrund stehen werde und nicht die GGR-Wahlen in einem Jahr. Dort würde sie es hingegen begrüssen, wenn wieder mehr Frauen den Weg in den Grossen Gemeinderat schafften. Im Moment ist das Gemeindeparlament zu einem Drittel mit Frauen besetzt, im Gemeinderat stehen zwei Frauen fünf Männern gegenüber.

Woran das liegt, weiss Heidi Beutler aber auch: Neben Familie und Beruf bleibe Frauen oftmals keine Zeit für ein solches politisches Engagement. Die gelernte Damenschneiderin versteht die Argumente der Frauen zu gut, ist sie doch selbst in die Betreuung von zwei der vier Grosskinder eingebunden. Dennoch gefällt ihr ein Gedanke sehr gut: «Warum nicht auch mal eine Frau als Gemeindepräsidentin in Interlaken?» – auch wenn diese nicht Beutler heisst.

Berner Oberländer

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