Ein Tunnel wird aufgefrischt

Iseltwald

Der 3,3 Kilometer lange Giessbachtunnel wird mit einer neuen Brandmeldeanlage ausgerüstet. In zwölf Nächten bis zum 23. November wird der Verkehr von 20 bis 5 Uhr über die rechtsufrige Seestrasse umgeleitet.

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Seit der Inbetriebnahme des Giessbachtunnels im Jahr 1988 hat die Brandmeldeanlage ihren Dienst zuverlässig getan. «In letzter Zeit häuften sich aber die Fehlalarme, ausgelöst durch Übertragungsfehler der ADW-Branddetektoren dermassen, dass eine Sanierung dringend wurde», so Valentin Bregy, zuständiger Erhaltungsplaner beim Bundesamt für Strassen, auf Anfrage.

Allein im Sommerhalbjahr 2016 wurden sechs Störungen verzeichnet. Dabei zieht ein Fehlalarm einen Rattenschwanz von Aktionen nach sich: automatische Strassensperrung, Ausrücken von Polizei und Feuerwehr, Kontrollfahrten bis zur Wieder­eröffnung der Strasse.

Und für die Fahrzeuglenker resultieren Staus, Umleitungen und Verspätungen. Der Ersatz der Brandschutzanlage wird knapp 200 000 Franken kosten. In diesem Betrag ist auch der Abbau der alten Anlage enthalten.

800 Rohrschellen pro Nacht

Anstelle der veralteten Technik mit Dutzenden Brandmeldern in den Seitenwänden wird neu ein Brandmeldekabel an der Tunneldecke montiert. Im Kabel sind alle zehn Meter Hitzedetektoren integriert, die erhöhte Temperaturen an die Zentrale melden. Mit dieser engmaschigen Überwachung kann ein möglicher Brandherd sehr exakt lokalisiert werden.

Während der ersten vier Nächte sind pro Nacht rund 800 Rohrschellen in der Betondecke zu befestigen. In diesen wird nachher das daumendicke Brandmeldekabel eingehängt.

Eine harte Arbeit für die zwei Zweierteams, die auf Plattformwagen stehend ein Bohrloch nach dem andern in die Betondecke treiben und danach die Rohrschelle einschrauben und sich so von der Tunnelmitte gegen aussen vorarbeiten.

Viel Technik für die Sicherheit

«Tunnelsicherheit ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Systeme», erläuterte Mark Siegenthaler, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen. Die Brandmeldeanlage ist ein wichtiger Teil nebst der Videoüberwachung, der Kontrolle von Lüftung, Beleuchtung und so weiter.

Alle Systeme speisen die erfassten Daten in einen zentralen Rechner, der selbstständig und in Echtzeit Sofortmassnahmen auslöst.

Steht ein Fahrzeug in einer SOS-Bucht, wird automatisch die Warnblinkanlage aktiviert, die Temporeduktion signalisiert und die Polizei informiert. Auf der Polizeizentrale in Thun werden aufgrund der dort eingespielten Videobilder die weiteren Massnahmen ergriffen.

Wer also glaubt, Rettungsbuchten im Tunnel könnten auch für Wendemanöver taugen, kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sein Kunststück in der Datensammlung der Überwachung registriert wird.

Im Giessbachtunnel laufen zahlreiche Arbeiten im Zusammenhang mit dem Bau der Rettungsstollen. Die für den Ersatz der Brandmeldeanlage notwendige Tunnelsperrung nutzen diese Teams für die Fertigstellung ihrer Projekte.

So werden Kernbohrungen in den Tunnelwänden vorgenommen oder die Betonwände im Bereich der Fluchtstollen mit Hochdruckgeräten für den neuen Farbanstrich vorbereitet.

«Dank einer guten Koordination können wir zusätzliche Nachtsperrungen vermeiden», so Oberbauleiter Matteo Bianchi, der seine Bauterminpläne mit den Zeitvorgaben der Kabelinstallateure ­abglich.

Berner Oberländer

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