Ein starkes Frauenstück von Simon Gfeller feiert Premiere

Turbach

Die Theatergruppe führt ab Samstagabend «Schwarmgeist» auf, ein anspruchsvolles Theater. Unter die Laien mischt sich auch eine Profifrau.

Stüdi Reist (Sarah Iseli) mit ihrer Tochter Änneli (Annika Reber).

Stüdi Reist (Sarah Iseli) mit ihrer Tochter Änneli (Annika Reber).

(Bild: Matthias Moser)

Svend Peternell

Über Jahrzehnte hat das Turbach-Theater unter der damaligen Leitung von Sigi Amstutz das Niveau hochgehalten. Und bekam sogar Preise. Sein Nachfolger Hans Althaus verunglückte später tödlich. Seit 2017 hat Markus Walther – selber seit Jahren als Schauspieler der Theatergruppe Turbach tätig – die Regie übernommen. Walther ist Stadtberner, ausgebildeter Heilpädagoge, seit Jahrzehnten im Saanenland verankert – seit einigen Jahren mit Wohnsitz in Zweisimmen. «Ich bin frisch pensioniert und spiele erstmals nicht im Ensemble mit», sagt er am Telefon.

Die Theatergruppe hatte immer den Anspruch, nicht auf der seichten Welle zu tanzen. In letzter Zeit wurden im Zwei-Jahres-Rhythmus vor allem Komödien gespielt. Und nun sollte es wieder mal etwas sehr Ernstes und Anspruchsvolles sein. Letzten Sommer wurde «Schwarmgeist» von Simon Burkhalter (nach dem gleichnamigen Stück von Simon Gfeller) auf der Moosegg im Emmental aufgeführt. Dort verkörperte die Gstaader Profischauspielerin Sarah Luisa Iseli die vom Schicksal schwer belastete Mutterfigur Stüdi. Markus Walther, der «Schwarmgeist» schon lange mit sich im Kopf herumtrug, sah sie dort, kam mit ihr nach der Aufführung ins Gespräch. Und machte ihr gleich das Rollenangebot fürs Turbach-Theater.

Ins Saanenland verlegt

Walther verlegt das Stück, das Fritz Müllener kurz vor seinem Tod ins Saanendeutsch übersetzt hat, auf die «Sunigi Egg» im Saanenland. Rund um die Schweiz wütet der Erste Weltkrieg, die Menschen sind arm, und die Männer müssen ins Militär, um die Grenzen zu bewachen. Die Frauen zu Hause haben den bäuerlichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Ein kleines Mädchen erkrankt plötzlich. Mutter und Tante meinen, es sei gegen Gottvertrauen, einen Arzt beizuziehen. Die Tante, eine durch Traumgeschichten beeinflusste religiöse Schwärmerin, will durch Glauben und Beten das Kind heilen...

Glaubenseifer am Pranger

«Es gibt sehr wenige Stücke mit starken Frauenrollen», sagt Walther. Und das hier war so eines. Kein leichtes notabene. Gerade für Laien nicht. Das Stück stellt den blinden Glaubenseifer, der sogar Krieg rechtfertigen soll, an den Pranger. «Der Glaube entbindet uns nicht von der Verantwortung und der Moral», hält Walther fest. «Wir haben zudem etwas Eigenes kreiert und spielen ins Publikum hinein.» Der Regisseur selber spricht von einer mutigen Wahl.

«Ja, es ist ein sehr emotionales Stück. Gerade diese Ebene ist die grosse Herausforderung.» Und diese lautet auch: «Wir wollen zum Denken anregen.» Schon seit Januar wird geprobt. «Wir haben sehr viel ins Rollenstudium investiert. Das Niveau zu schaffen, ist anspruchsvoll. Schliesslich wollen wir nicht, dass es oberflächlich wirkt.» Und dann geht ein Lob an die Theatergruppe: «Es ist unglaublich schön, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler das angehen, auch wenn sie an ihre Grenzen kommen.»

Gstaader Profifrau dabei

Mit dabei ist wie gesagt die 26-jährige Profischauspielerin Sarah Luisa Iseli. Ihre Figur Stüdi Reist kommt aus dem sommerlichen Freilichtumfeld der Moosegg nun in die Turnhalle des herbstlichen Turbach, wo die Bissnerin ein Heimspiel absolvieren darf. Die Vermischung von Laien mit Profis komme öfter vor, als man das denke, sagt sie. «Ich persönlich versuche keinen Unterschied zwischen sogenannten Profis und sogenannten Laien zu machen.» Obwohl es ihn natürlich gibt.

«Der Unterschied liegt vor allem in der Vorbereitungszeit. Je besser man sein Instrument kennt und beherrscht, desto schneller hat man die Rolle, das Stück, intus.» Von den «kraftvollen Frauen», welche «diese Geschichte prägen», schwärmt sie. Und dass das Thema auch heute hochaktuell sei. «Ich wünsche mir, dass sich die Besucherinnen und Besucher auf diese Schwere und Tiefe einlassen.»

Premiere am Samstagabend um 20 Uhr in der Turnhalle des Schulhauses Turbach. Weitere Aufführungen am 8., 15., 16., 20., 22. und 23. November, jeweils um 20 Uhr, sowie am 10. November um 14 Uhr. Tickets über Link oder Tel. 077 528 95 63 (Montag bis Freitag von 18.30 bis 20 Uhr).

Berner Zeitung

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