Ein Projekt mit langer Leitung

Grindelwald

Am 31. März entscheiden die Grindelwaldner Stimmberechtigten über einen Nachkredit für Sauberwasserleitungen im Grund. Das Geschäft ist an andere Projekte gekoppelt.

Der Gemeinderat Grindelwald muss mit dem Hochwasserschutz- und Erschliessungsprojekt Grindelwald Grund an die Urne.

Der Gemeinderat Grindelwald muss mit dem Hochwasserschutz- und Erschliessungsprojekt Grindelwald Grund an die Urne.

(Bild: PD)

Zwei 100 Meter lange Sauberwasserleitungen samt baulichen Anpassungen im Bereich des Bahnhofs Grindelwald Grund – das Thema zog am Mittwochabend nur sehr wenige Gemeindebürger in den Kongresssaal. Auch die Kosten von 590'000 Franken wären an sich kein Thema für eine Urnenabstimmung. Doch: «Das Projekt gehört zur gleichen Baustelle wie der Ersatz der Kirchbodenbrücke samt Werkleitungen und Strassenanpassungen», erklärte Gemeindepräsident Christian Anderegg.

Für die «Erschliessung Grund», an der gegenwärtig gebaut wird, hatte die Gemeindeversammlung bereits im Dezember 2014 einen Kredit von 197'3500 Franken gesprochen. «Deshalb gilt die Einheit der Materie, und zusammen überschreiten die beiden Kredite die Grenze von zwei Millionen Franken, ab der es eine Urnenabstimmung braucht», so Anderegg

Der Ersatz der Kirchbodenbrücke durch eine neue, höhere Brücke steht im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutzprojekt Grund. Doch auch mit dem Bergbahnbau ist die Baustelle um die Brücke koordiniert, wie Ingenieur Beat Bühlmann erklärte: Das Seil für die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen wird Ende Mai noch über die alte Kirchbodenbrücke geliefert, die Seile für die neue V-Bahn in der zweiten Julihälfte bereits über die neue Brücke. Die letzten Belagsarbeiten an den Strassen sind für Frühling 2020 geplant.

ARA soll entlastet werden

In diesen Zeitplan soll nun der Bau von zwei neuen Sauberwasserleitungen eingepasst werden. Denn bei der Überprüfung der Abwasserqualität stellte der Kanton fest, dass 55 Prozent des Wassers, das in die ARA Grindelwald eingeleitet wird, Sauberwasser ist – zum Beispiel Regenwasser aus dem Siedlungsgebiet. Für einen guten und wirtschaftlichen Klärbetrieb sollte der Sauberwasseranteil nicht über 30 Prozent liegen.

Im Herbst 2018 forderte der Kanton die Gemeinde auf, den Sauberwasseranteil ihrer ARA massiv zu reduzieren. Eine Versickerung, etwa von Dachwasser, ist vielerorts keine Option, da Rutschzonen durch mehr Wasser destabilisiert werden könnten. Deshalb sieht der Generelle Entwässerungsplan (GEP) der Gemeinde von 2014 vor, neben den bisherigen Abwasserleitungen ein separates Sauberwasserleitungsnetz zu bauen. «Das ist ein Generationenprojekt, das wohl zwei Jahrzehnte dauert und grob geschätzt 30 Millionen Franken kosten dürfte», erklärte Ingenieur Bühlmann auf eine Frage aus dem kleinen, aber interessierten Publikum.

«Aufgrund des GEP wurden Abwasserleitungen in den letzten Jahren konsequent im Trennsystem saniert», erklärte Gemeindepräsident Anderegg. «Doch oft sind die Sauberwasser-Abschnitte noch nicht in Betrieb, weil Zwischenstücke fehlen.» Denn der Einbau des Trennsystems werde möglichst mit anderen Baustellen kombiniert.

Andere Projekte warten

Das Sauberwasser aus dem Gebiet Spillstatt und der ganzen westlichen Dorfhälfte bis ins Ofni soll beim Bahndepot Grund in die Lütschine geleitet werden. Für diese Einleitung und zwei je 100 Meter Lange Anschlüsse beantragt der Gemeinderat nun den Nachkredit, über den am 31. März abgestimmt wird. Damit der Nachkredit das Budget der Abwasserrechnung nicht sprengt, plant der Gemeinderat, andere Abwasserprojekte zurückzustellen.

Berner Oberländer

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