Ein neuer alter Rasen für den Nachwuchs

Erlenbach

Um dem grossen Zulauf Rechnung zu tragen, will der FC EDO Simme seine Trainingskapazität erhöhen. Zum 40-jährigen Bestehen des Vereins soll ein neuer Kunstrasenplatz verlegt werden. Trotz günstiger Lösung, fehlen rund 50'000 Franken.

Der Ball hoppelt mehr, als dass er rollt beim Training der F-Junioren des FC EDO Simme auf dem alten Sandplatz in der Au in Erlenbach.

Der Ball hoppelt mehr, als dass er rollt beim Training der F-Junioren des FC EDO Simme auf dem alten Sandplatz in der Au in Erlenbach.

(Bild: Claudius Jezella)

Am Montagabend ist viel los auf der Sportanlage in der Au in Erlenbach. Kaum sind die F-Junioren fertig mit ihrer Trainingseinheit und werden vom Mamataxi abgeholt, stehen die A-Junioren erwartungsfroh am Spielfeldrand und scharren mit den Füssen, während auf dem Platz bereits die Torhüter warmgeschossen werden. Und auch die neu gegründete Damenmannschaft wird gleich mit dem Training beginnen.

Was den Vereinspräsidenten Mathias Siegenthaler eigentlich mit Stolz und Freude erfüllt, ist gleichzeitig auch eine seiner grössten Sorgen. Denn die Trainingsinfrastruktur des FC EDO Simme 1977 hält nicht mit dem grossen Zulauf stand, den der Verein aus dem Simmental in den vergangenen Jahren erfahren hat.

Mit zwei Herrenmannschaften (3. und 5. Liga), der Damenmannschaft (4. Liga), der Seniorenmannschaft und den sieben Juniorenteams verfüge man aktuell über vier Mannschaften mehr als noch vor zwei Jahren, rechnet Siegenthaler vor. Dem Verein gehören mittlerweile rund 300 Mitglieder an, davon mehr als 180 aktive Fussballer mit rund 120 Junioren.

Buckel, Bewuchs und Löcher

Da kann es beim Training schon mal eng werden. Längst müssen einige Mannschaften auf den Platz beim Schulhaus in Erlenbach und sogar nach Spiez ­ausweichen. «Das ist natürlich nicht besonders förderlich für das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein», meint der Präsident.

Und auch alles Ausweichen auf andere Plätze reicht nicht, wenn – wie in diesem Frühjahr ­öfter passiert – wegen der Unbespielbarkeit des Rasenplatzes ­Ligapartien verschoben werden und Trainingseinheiten ausfallen mussten.

Eigentlich stünde ja noch ein zweiter Fussballplatz zur Verfügung. Doch der Sandplatz erfüllt die vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) definierten Kriterien für die «kleinste funktionierende Fussballsportanlage» nicht und genügt mittlerweile nicht einmal mehr den Anforderungen an einen Trainingsplatz, weshalb er nur im absoluten Notfall genutzt werde, berichtet Mathias Siegenthaler.

«Das ist natürlich nicht besonders förderlich für das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein»Präsident Mathias Siegenthaler

Kleine und grössere Buckel, Bewuchs und Löcher machen den Untergrund nicht nur so gut wie unbespielbar, sondern «bergen auch ein erhebliches Verletzungsrisiko».

Doch das Ende der Zeit, in der der Sport- mehr als Reit- oder Parkplatz genutzt wird, zeichnet sich bereits deutlich ab. Sobald es die Wetterverhältnisse wieder zulassen und die Baubewilligung vorliegt, beginnt im kommenden Frühjahr die Umgestaltung des Untergrunds von einem Sand- in einen Kunstrasenplatz: Untergrund abtragen, begradigen, ­minimales Gefälle für den Wasserabfluss schaffen, Drainage verlegen, Kunstrasenbahnen ent­rollen und darauf Granulat sowie Sand verstreuen.

Im Juni 2017 soll dann pünktlich zur Feier des 40-jährigen Bestehens des FC EDO Simme der Kunstrasenplatz als Geschenk an den Verein eingeweiht werden.

Thuner «Occasionsrasen»

Ein Geschenk, das freilich nicht umsonst zu haben ist und den Vereinsverantwortlichen eher zufällig in den Schoss gefallen ist. Nach dem Ende der letzten Spielzeit stellte Mathias Siegenthaler eine Anfrage bei der Stadt Thun, den alten Kunstrasen von der Sportanlage Waldeck, der Spielstätte des FC Lerchenfeld, zu übernehmen.

Präsident Mathias Siegenthaler freut sich auf den neuen Kunstrasenplatz des FC EDO Simme: Sand und Granulat stehen schon bereit. Bild: Claudius Jezella

Denn dort war die Stadt Thun daran, stattdessen den alten Rasen aus der Stockhorn-Arena zu verlegen, die wiederum mit einem nagelneuen ­Geläuf ausgestattet wurde. «Wir hatten zwei Wochen Zeit, uns zu entscheiden», berichtet Vereinspräsident Siegenthaler. Doch im Vorstand herrschte schnell Einigkeit darüber, das Wagnis einzugehen.

Ein zinsloses Darlehen über 15'000 Franken der Gemeinde Erlenbach erlaubte es dem Verein, den Thuner «Occasionsrasen» zu übernehmen und den Transport ins Simmental zu stemmen. Acht LKW-Ladungen waren nötig, um den Umzug der überdimensionierten Teppichrollen und der unzähligen Kunststoffsäcke mit Sand und Gummigranulat abzuschliessen.

Nun lagert das Material neben dem Platz in der Au und wartet auf die Verlegung. Mit der Vor­bereitung des Untergrunds und der Installation einer neuen, leistungsstärkeren Flutlichtanlage, dem Aufstellen von Zäunen und der Errichtung von neuen Parkplätzen kostet das Projekt Kunstrasenplatz insgesamt 271'000 Franken.

«Ein neuer Kunstrasen hätte 1,1 bis 1,3 Millionen Franken gekostet und damit zu viel für den Verein.»Präsident Mathias Siegenthaler

Ein Schnäppchen im Vergleich zu dem, was der Vereinsvorstand als Kosten für einen neuen Kunstrasen errechnet hat. Das wären 1,1 bis 1,3 Millionen Franken gewesen und damit zu viel für den Verein und die umliegenden Gemeinden, wie Siegen­thaler zugibt (siehe Infobox).

Als Nächstes Arena-Rasen?

Acht bis zehn Jahre soll der neue alte Rasen in der Au dann seine Dienste leisten. Dann, so spekuliert Mathias Siegenthaler, könne man ja eventuell wiederum den Rasen aus Thun übernehmen.

Während die Talente hoffen, den Sprung aus den Tälern hinauf in die höchste Spielklasse zu schaffen, ginge der Spieluntergrund den umgekehrten Weg auf der Karriereleiter: vom FC Thun über Lerchenfeld zum FC EDO Simme. Daran wäre jedoch nichts auszusetzen.

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