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Ein letzter Gottesdienst zum Abschied

Zu wenig Mittel für den Unterhalt der Matthäuskirche und eine Überalterung der Gemeinde: Die Evangelisch-methodistische Kirche beschloss am Sonntag ihre Arbeit in Spiez. Der geplante Verkauf der Kapelle zieht sich hin.

Die Matthäuskirche war beim letzten Gottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche gut besucht. Die Freikirche beendete ihr Wirken in Spiez.
Die Matthäuskirche war beim letzten Gottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche gut besucht. Die Freikirche beendete ihr Wirken in Spiez.
zvg
Wird dereinst verkauft: Die Matthäuskirche der EMK an der Kapellenstrasse 9 in Spiez. Zwischennutzungen sollen bis dahin möglich sein.
Wird dereinst verkauft: Die Matthäuskirche der EMK an der Kapellenstrasse 9 in Spiez. Zwischennutzungen sollen bis dahin möglich sein.
Jürg Spielmann
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«Solange die Kirche in unserem Besitz ist, führen wir unsere Arbeit in Spiez weiter.» Das hatte Pfarrer Andreas Steiner letzten September gesagt. Damals machte diese Zeitung publik, dass die 119-jährige Matthäuskirche vor einer ungewissen Zukunft steht. Das, weil die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) ihr vor 43 Jahren von den Katholiken erworbenes Gotteshaus verkaufen muss. Einerseits überstieg der Unterhalt den finanziellen Rahmen der mit Spenden finanzierten Freikirche, andererseits war die Kirchgemeinde in den letzten Jahren kleiner geworden.

Nun, es sollte anders kommen als eingangs erwähnt. Am Sonntagmorgen läutete die Glocke an der Kapellenstrasse 9 ein letztes Mal, die Methodisten feierten ihren finalen Gottesdienst. «Die EMK ist in Spiez keine unendliche, sondern eine endliche Geschichte, die am 25. Juni ihren Abschluss gefunden hat», wie es ein Mitglied formulierte.

Dis­triktsvorsteherin Claudia Haslebacher aus dem Vorstand der EMK Schweiz, Esther Richard, Präsidentin des reformierten Kirchgemeinderates und Mitglied der Kirchlichen Arbeitsgemeinschaft Spiez, und Paul Bachmann, Pfarrer des Evangelischen Gemeinschaftswerks in Spiez, sprachen der EMK-Gemeinde ­sowie Andreas und Christine Steiner ihren Dank für die «wertvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren» aus.

Geld und Kraft als Gründe

Die Kapelle ist bis heute im Besitz der EMK Schweiz, eines Vereins mit Sitz in Zürich. Das bestätigte die Kommunikationsbeauftragte Barbara Streit auf Anfrage. Warum also das Aus in Spiez? Gemeindeleiter Steiner spricht von «zu wenig Kraft und zu wenig finanziellen Mitteln». In Spiez sei die Altersstruktur anders als in der EMK Oey, die auch von ihm geleitet wird, weniger gut durchmischt. Die EMK Spiez ist überaltert. Zudem sei das Kirchengebäude zu einer zusehends grösseren Hypothek geworden. Es weist einigen Sanierungsbedarf auf.

«Abhängig davon, ob die Gemeinde oder das Stimmvolk über die Umzonung entscheiden wird, rechnen wir mit einem Verkauf in ein bis zwei Jahren.»

EMK-Pfarrer Andreas Steiner

Wie es schon im letzten Herbst hiess, gibt es laut Barbara Streit Kaufinteressenten für die Mat­thäuskirche. Die Krux ist, dass diese in einer Zone für öffentliche Nutzung liegt, was für eine Umnutzung eine vorgängige Umzonung bedingt. «Wir haben damit ein Planungsbüro aus Thun betraut», sagt Andreas Steiner. Eine erste Fassung liege zur Vorabklärung bei der Gemeinde Spiez, ehe das Begehren dann vom Kanton beurteilt werde.

Roland Dietrich, Abteilungsleiter Bau bei der Gemeinde Spiez, bestätigt, dass man nach der Prüfung der Eingabe eine Voranfrage beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung einreichen dürfte. «Abhängig davon, ob die Gemeinde oder das Stimmvolk dereinst über die Umzonung entscheiden wird, rechnen wir mit einem Verkauf in ein bis zwei Jahren», skizziert Steiner.

Dietrich geht davon aus, dass die angestrebte Zonenänderung vom Kanton als einschneidende Änderung taxiert wird und somit den langen Weg via Mitwirkung, Auflage, Kommission, Gemeinderat, Gemeindeparlament und Volksabstimmung zu gehen hat. Einzig über geringfügige Änderungen kann der Gemeinderat abschliessend befinden.

Wohin zieht es die Gläubigen?

Bis das Kirchlein verkauft ist, soll der sakrale Raum Zwischennutzungen erhalten. «Beispielsweise für Musikunterricht oder kulturelle Anlässe», sagt Pfarrer Steiner. Auch kann er sich vorstellen, dass etwa die Pro Senectute oder die Volkshochschule darin Anlässe durchführen. Die Verwaltung sei nun zwar an die EMK Schweiz abgegeben worden, doch könnten sich Interessenten bei ihm, sprich der EMK in Oey, melden. Dort wird Andreas Steiner weiterhin als Pfarrer wirken. Ergänzend arbeitet er ab Juli in Teilzeit in seinem angestammten Beruf als Koch im Kurhaus Grimmialp.

Wohin zieht es die verbliebenen 25 EMK-Mitglieder? «Die meisten bleiben im Raum Spiez», weiss Steiner. Sie werden sich dem Evangelischen Gemeinschaftswerk oder auch der reformierten Kirche anschliessen, «einige werden in die EMK Thun gehen und Vereinzelte nach Oey kommen».

Am Ende des sonntäglichen Gottesdienstes zog die Gemeinde aus der Matthäuskirche aus. In einem symbolischen Akt nahm sie die Bibel, das Abendmahlgeschirr, die Taufschale und das ­Osterkreuz mit vor den Eingang. «Gottes Liebe und Gegenwart ist nicht an ein Kirchengebäude gebunden, sondern im Alltag von uns Menschen präsent», kommentiert der Pfarrer diesen Abschluss.

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