Zum Hauptinhalt springen

Ein Grossmeister zu Besuch

Hapkido-Kampfkünstler zeigten ihr Können: Handgriffe, Tritte und Schläge standen ebenso auf dem Programm wie Bodenkämpfe und Überschläge oder das Zertrümmern von Ziegeln. Auch ein Schwert wurde geschwungen.

Unter Aufsicht von Grossmeister Hong (sitzend) und Schwarzgurtträger Felix Keller (rechts) werden Verteidigungstechniken demonstriert.
Unter Aufsicht von Grossmeister Hong (sitzend) und Schwarzgurtträger Felix Keller (rechts) werden Verteidigungstechniken demonstriert.
Fritz Lehmann
Grossmeister Woo Keun Hong aus Korea.
Grossmeister Woo Keun Hong aus Korea.
Fritz Lehmann
Gratulation des Grossmeisters an die erfolgreichen Prüflinge.
Gratulation des Grossmeisters an die erfolgreichen Prüflinge.
Fritz Lehmann
1 / 6

«Haah! Hooh! Haah!», tönte es immer wieder durch den Trainingsraum – Dojang genannt – an der Kammistrasse in der Nähe des Bahnhofs Interlaken. Es war Prüfungstag: 18 Schüler der ­koreanischen Kampfkunst Hapkido, einer Selbstverteidigungstechnik, zeigten ihr Können. Schlag- und Tritttechniken wurden ebenso vorgeführt wie Überschläge oder Nahkampf.

«Man bleibt wach im Geist, die geschulte Beweglichkeit kann man auch im Alltag gut gebrauchen», bilanzierte ein älterer Teilnehmer nach der Prüfung. Bis es so weit war, mussten die Schüler noch ihre ganzen Kräfte einsetzen und immer wieder auf die Zähne beissen.

Denn dem ko­reanischen Grossmeister Woo Keun-hong, der die Darbietungen der Schüler beobachtete, entging nicht das kleinste Detail. ­Immer wieder wies er auf Kleinigkeiten hin, gab Tipps und ­ermunterte Einzelne, denen es vielleicht nicht ganz rund lief.

Bis zur geistigen Erleuchtung

Der jüngste Teilnehmer war gerade einmal 7 Jahre alt, der älteste gegen 50. Geflogen wurde auch, Carsten Luchterhand demonstrierte eindrücklich seine Sprungkraft über seine Sport­gefährten mit anschliessender sanfter Landung mittels Rolle auf einer Matte.

Hapkido versteht sich als Selbstverteidigungssportart. Die verschiedenen Stufen des Könnens sind bei den einzelnen Kämpfern anhand der Gurtfarben erkennbar. Von anfänglicher Reinheit (weiss) bis zum schwarzen Gürtel, der den Schüler zum Lehrer macht, gibt es verschiedene ­Abstufungen.

Die Kampfkünstler zeigten ihr Können. Video: Fritz Lehmann

Wer über einen schwarzen Gürtel verfügt (1. Dan), kann immer noch weitertrainieren, der 10. Dan steht für die geistige Erleuchtung. Grossmeister Hong besitzt den 9. Dan. Doch anders als etwa ­Karate ist Hapkido keine Wettkampfsportart.

Trainiert im Koong Joong Hapkido werden die Schüler unter anderem von Felix Keller aus Bönigen, der die Sportart seit 17 Jahren betreibt und mittlerweile selber Schwarzgurtträger im 2. Dan ist. «Ein Einstieg ist ­jederzeit möglich, bei uns trainieren sowohl Männer als auch Frauen und Kinder.»

Wer fit und bereit ist, jeden Dienstag seine Grenzen ein bisschen weiter ­hinauszuschieben, ist willkommen. Der Verein ist übrigens auch um die Integration von Flüchtlingen bemüht, mehrere minderjährige Asylsuchende trainieren mit.

1000 Wiederholungen

Tonziegel wurden am vergangenen Samstag auch zertrümmert, mit der blossen Hand mussten einzelne Kämpfer diese durchschlagen – acht Stück mit jeder Hand zertrümmerte Carsten Luchterhand, ohne die Miene zu verziehen.

Und Felix Keller demonstrierte mit einem Schwert seine Fertigkeiten. Er, der als Fitnessinstruktor arbeitet, trainierte über 10 Jahre lang, bis er 2012 den Schwarzgurt erreichte. «Jeder Bewegungsablauf muss 1000-mal geübt werden, bis er sitzt», pflegt er seinen Schülern zu ­sagen.

«Es geht genau um drei Dinge beim Hapkido: Um die Abwehr von äusseren und inneren Feinden und um einen reinen Geist.»

Grossmeister Woo Keun-hong

Der 66-jährige Grossmeister Woo Keun-hong, von den meisten einfach als Mister Hong bezeichnet, führt in Interlaken ein Take-away-Restaurant. Er emigrierte 1994 von Südkorea in die Schweiz und rief den Hapkido-Verein ins Leben. Er nimmt auch Schwarzgurtprüfungen ab, die auch Schweizer Schüler in England ablegen müssen.

«Es geht genau um drei Dinge beim Hapkido», sagte Grossmeister Hong nach der Prüfung seinen Schülern: «Um die Abwehr von äusseren und inneren Feinden und um einen reinen Geist.» Alle drei Bereiche müssten im Einklang sein, sonst funktioniere das Ganze nicht.

«Lernt konzentriert, trainiert hart», sagte er in englischer Sprache und mit lauter Stimme zu den Prüflingen, die vor ihm standen. Sanft wurde er zum Schluss: Es mache ihm ­Freude, den Schülern zuzuschauen und deren Entwicklung zu ­sehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch