Ein Gesundheitscampus für Zweisimmen

Simmental-Saanenland

Im Konflikt um die Spitalversorgung im Obersimmental zeichnet sich eine Lösung ab. Vorgesehen ist ein neuer Campus in Zweisimmen und ein Gesundheitszentrum in Saanen.

Regierungsrat Schnegg lehnte einen jährlich Beitrag von 3,4 Millionen Franken für das defizitäre Spital Zweisimmen ab.

Regierungsrat Schnegg lehnte einen jährlich Beitrag von 3,4 Millionen Franken für das defizitäre Spital Zweisimmen ab.

Nun ist die Stossrichtung klar: Zweisimmen soll einen neuen Gesundheitscampus erhalten. Dieser bildet die Zentrale eines integrierten Gesundheitsnetzwerks, das neben stationären Leistungen auch Paramedizin, eine Apotheke, das Geburtshaus Maternité Alpine, die Spitex, das Alterswohnen «und andere gesundheitsrelevante Anbieter» beinhaltet. Dies vermeldete die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) am Samstag in einer Medienmitteilung.

Auch die Praxen der Haus- und Fachärzte sollten nach Möglichkeit in den Campus integriert werden. «Der Campus sollte in einem Neubau eingerichtet werden», steht in der Medienmitteilung. Ergänzt werde dieses Angebot durch ein Gesundheitszentrum in Saanen «mit einer rund um die Uhr geöffneten Anlaufstelle, Hausarztpraxen, einer Triage und einem Rettungsdienst».

Das Gesundheitsnetzwerk solle alle Leistungserbringer und Gesundheitsdienstleister umfassen und den Bedarf der gesamten Region abdecken. Die Mitwirkung von Gemeinden, Wirtschaft und Privatpersonen der Region wird ausdrücklich gewünscht: Diese können Anteile am Gesundheitsnetzwerk halten und wesentliche Entscheidungen mitprägen.

Defizitärer Betrieb

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Region, der Spital STS AG (Simmental-Thun-Saanenland) und der GEF, be­fasste sich seit Frühling 2018 mit der künftigen Gesundheitsversorgung in der Region. Geprüft wurden rund ein Dutzend Varianten für eine langfristig ge­sicherte Grund- und Spitalver­sorgung.

Klar ist, dass der de­fizitäre Betrieb des Spitals Zweisimmen keine Zukunft hat: Die Spitals STS AG als Betreiberin hatte letzten Herbst bei der GEF eine Finanzspritze von jährlich 3,4 Millionen Franken angefordert, um die medizinische Grundversorgung in der Region Simmental-Saanenland sicherstellen zu können. Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg hatte diesen finanziellen Zustupf abgelehnt, versprach aber, nach Lösungen zu suchen. Die Spital STS AG sei weiterhin der bevorzugte Partner in der Region, sagte Schnegg im Januar.

Synergien nutzen

Der vorliegende Lösungsansatz mit dem Gesundheitscampus schaffe die Möglichkeit, in der Region optimal Synergien zu nutzen, sagte Regierungsrat Schnegg am Wochenende auf Anfrage. «So braucht man keine drei Rezeptionen, kann sich beispielsweise auch die Nachtwache teilen und im Bereich Labor zusammenarbeiten.» Und auch im logistischen Bereich könnten die Kräfte gebündelt werden, etwa mit einer zentralen Wäscherei.

Kehrt man also zum Projekt «Dr. House» zurück? Dieses Projekt eines Neubaus in Zweisimmen anstelle des heutigen Spitals wurde im Dezember 2015 vor­gestellt. Schon damals lautete die Idee, verschiedene Dienstleister wie Spital, hausärztliches An­gebot und Alterswohnen unter einem Dach zu integrieren. Ein Projekt, das Pierre Alain Schnegg im Januar wegen der zu hohen Kosten als nicht realisierbar einschätzte.

«‹Dr. House› war ein Projekt der Spital STS AG. Der neue Ge­sundheitscampus verfolgt einen anderen Ansatz mit einem breiter abgestützten Netzwerk», sagt Schnegg. Dennoch stehe die Spital STS AG in Sachen Spitaldienstleistungen an erster Stelle. «Wenn es in der Region andere Ideen gibt, sind wir offen. Aber ich denke, die STS AG ist hier am richtigen Platz», so Schnegg.

Auch die Idee eines Gesundheitszentrums in Saanen klingt nach Altbekanntem: Erst letzten Sommer schloss hier das Medical Center der Localmed Aare AG seine Tore. Die Walk-in-Praxis für Touristen und Einheimische hatte nicht rentiert. Pierre Alain Schnegg glaubt aber daran, dass die Hausarztmedizin grundsätzlich rentabel sei. «Man wird nicht reich damit, aber bei einer korrekten Organisation ist es möglich, in Saanen ein Gesundheitszentrum aufzubauen.»

Kosten noch unklar

Für die Klärung von Detailfragen, etwa betreffend Grundstücke, Bauten und Infrastruktur, wird nun eine Projektgruppe eingesetzt. Die GEF finanziert die Startphase des Projekts. Wie viel die vorliegende Lösung schliesslich kostet und wer welche An­teile trägt, ist noch unklar, sagt Regierungsrat Schnegg. «Klar ist nur, dass der Kanton pro Jahr mindestens 2,5 Millionen Franken für einen Rettungsdienst und ein Transportteam bezahlen müsste, falls die Region keine Grundversorgung mehr hat.»

Die nächsten Zwischenresultate sollen in sechs Monaten präsentiert werden.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt