Ein Aufruf zu nachhaltigem Konsum

Spiez

An der Hauptversammlung von Pro Natura Berner Oberland berichtete Bio-Pionier Heinz Iseli über nachhaltige Landwirtschaft – und rief zu nachhaltigem Konsumieren auf.

Bio-Pionier Heinz Iseli setzt Hoffnung in Forschung und moderne Technik in der Landwirtschaft.

Bio-Pionier Heinz Iseli setzt Hoffnung in Forschung und moderne Technik in der Landwirtschaft.

(Bild: Urs Baumann/Archiv)

«Pro Natura und die Landwirtschaft haben es manchmal nicht leicht miteinander», meinte Heinz Iseli, Pionier der Biolandwirtschaft und bis heute engagiert für die Ausbildung junger Biolandwirte und Quereinsteiger, an der Pro-Natura-Versammlung am Samstag. «Doch beide müssen reden miteinander; so kommen wir vorwärts auf dem Weg zu einer Landwirtschaft, die zur Natur Sorge trägt und genug Lebensmittel produziert.»

Reden und handeln

Anknüpfungspunkte für Gespräche sieht Iseli genug: Er zeichnete den Weg nach von der Wissenschaft, die den Bauern im frühen 20. Jahrhundert zeigen wollte, wie man mit Kunstdünger «die Pflanzen übertölpeln» könne – was zu neuen Problemen führte und zugleich zur Entstehung der heutigen Bio-Bewegung.

Die will zwar gleich wie die Landwirtschaft früherer Zeiten mit dem zufrieden sein, was der Boden vor Ort hergibt, ist aber zugleich offen für neue Möglichkeiten, diesen Boden zu pflegen und seine Fruchtbarkeit zu fördern. Hoffnung setzt Iseli in die heutige Forschung und moderne Technik, die in vielen Fällen eine nachhaltige Landwirtschaft voranbringen könnten. Nichts abgewinnen kann er hingegen dem Glaubenssatz, «grösser» bedeute «wirtschaftlicher».

In der Diskussion wurden zum einen die hohen Tierbestände angesprochen, die zum Zukauf von Futter, entsprechend viel Dünger und der Reduktion von Biodiversität auch im Berggebiet führen. Zum anderen war sich die Versammlung einig, dass auch die Konsumenten Hausaufgaben haben – dass sie zum Beispiel genug für nachhaltig produzierte Lebensmittel bezahlen müssten und dies auch vermögen, wenn sie sich klug organisieren und unverarbeitete Produkte bei den Landwirten kaufen.

Mit langem Atem

Auch beim Tourismus setzt sich Pro Natura im Berner Oberland für eine nachhaltige Landnutzung ein. «Das braucht einen langen Atem», sagte Präsidentin Nadja Keiser-Berwert. Als Beispiele nannte sie den langjährigen Kampf um das vom «Schneeparadies» bedrohte Naturparadies Engstlen, ebenso wie viele kleine, oft in zähen Einspracheverhandlungen erlangte Kompromisse für Tiere und Pflanzen – zum Beispiel bei Pistenplanierungen im Gefolge der V-Bahn.

Ungetrübte Freude hat die Präsidentin am Unkenförderungsprojekt Augand auf dem Land der Burgerbäuert Spiez, für das Pro Natura als Trägerschaft verantwortlich ist, und am vielfältigen Programm von «Jugend und Natur» mit Exkursionen und Pflegeeinsätzen.

Wegen der hohen Arbeitsbelastung und der weiten Wege im Berner Oberland sucht Pro Natura laufend Freiwillige, die sich mit Ortskenntnis und Zivilcourage um den Naturschutz in ihren Talschaften kümmern. Zudem hat Pro Natura Bern neu eine 30-Prozent-Stelle für die professionelle Unterstützung der Oberländer Sektion gesprochen.

Die Versammlung vom Samstag verabschiedete in der «Krone» Spiez zwei langjährige Vorstandsmitglieder: Elisabeth Aegerter betreute während zwei Jahrzehnten Naturschutzfragen im Saaneland, Gisela Straub demissionierte nach über 30 Jahren Einsatz im Oberhasli.

Programm von Jugend und Naturwww.pronatura-be.ch/de/jugendnaturschutz: 17. April: Exkursion Ferienpass Bödeli; 27. April: Vogelexkursion Spiezberg; 5. Mai: Morgenspaziergang durch die Weissenau (mit dem Vogelschutz Bödeli); 15. Juni: Schmetterlingsexkursion nach Habkern; 17. August: Abendexkursion Weissenau; 6. Oktober: Zugvogelbeobachtung auf der Lombachalp; 26. Oktober: Pflegeeinsatz; 16. November: Wasservogelzählung auf dem Bödeli. Ausser beim Ferienpass sind auch Erwachsene willkommen. Von Pro-Natura-Mitgliedern empfohlen wurde auch das Exkursionsprogramm des Naturparks Diemtigtal (diemtigtal.ch/exkursionen); Freiwillige für Naturschutzeinsätze sucht die Arbeitsgruppe Natur und Landschaft Spiez (andreas.jaun@infonatura.ch).

Berner Oberländer

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