Ehemaliges Luxushotel wird zwangsversteigert

Kandersteg

Die betreibungsrechtliche Versteigerung ist auf den 11. August festgesetzt. Das seit 2011 geschlossene ehemalige Fünfsternhotel Royal Park in Kandersteg hat noch einen geschätzten Verkehrswert von knapp 2,5 Millionen Franken.

Das Hotel Royal Park in Kandersteg kommt im August unter den Hammer.<p class='credit'>(Bild: Hans Rudolf Schneider)</p>

Das Hotel Royal Park in Kandersteg kommt im August unter den Hammer.

(Bild: Hans Rudolf Schneider)

Einst gehörte das Royal Park mit seinen fünf Sternen zu den «Small Luxury Hotels of the World». Die Familie Rickli bot in ihrem Betrieb 10 Suiten, 14 Juniorsuiten, 4 Doppelzimmer und 3 Grandlitzimmer an. Doch die im Renaissancestil eingerichteten Übernachtungsmöglichkeiten haben ihre besten Zeiten lange hinter sich: Seit 2011 ist der Betrieb geschlossen, im Februar dieses Jahres wurde der Konkurs eröffnet. Am 11. August ist die Zwangsversteigerung in der Dienststelle Ost des Betreibungsamtes Oberland in Interlaken angesetzt.

Forderungen von über 10 Millionen

Gemäss einsehbaren Unterlagen haben das Grundstück mit dem Hotel sowie dasjenige mit dem ehemaligen Tennisplatz einen amtlichen Wert von 3,85 Millionen Franken. Der Verkehrswert im Grundpfandverwertungsverfahren gegen Beat Albert Rickli wird auf knapp 2,5 Millionen geschätzt. Der tiefe Verkehrswert wird von den Schätzern mit der schlechten Bausubstanz des 1905 erstellten und mehrfach erweiterten Gebäudes begründet. Man habe den Landwert abzüglich der Rückbaukosten erhoben. Eine Weiternutzung als Hotel schliessen sie aufgrund der zu erwarteten hohen Sanierungskosten schlicht aus.

Auf der Liegenschaft des Tennisplatzes bestehen gemäss Auszug aus dem Grundbuch kleinere Forderungen von der Gemeinde sowie Pfandbriefe von jeweils mehreren Hunderttausend Franken der Spar- und Leihkasse Frutigen sowie der in Luxemburg ansässigen Firma Emerald Property Investment. Beim Hotel hat neben der Gemeinde (Liegenschaftssteuer) vor allem die Zürcher Falcon Private Bank AG Pfandbriefe von total 8 Millionen Franken. Die gesamten aufgelisteten Forderungen für die total über 11 000 Quadratmeter grossen Parzellen umfassen knapp 10,5 Millionen Franken. Dazu gehören auch 1,5 Millionen eines Spiezer Architekten, der 2012 im Auftrag der Helios Immobilier SA aus Aubonne ein Projekt ausgearbeitet hat.

Helios? Russen?

Das Helios-Projekt weckte Hoffnungen. Geplant waren drei neue Residenzen mit 24 Wohnungen als Ergänzung zum Hotel, das im Anschluss hätte saniert werden sollen. Investitionssumme: 30 Millionen Franken. Doch nach der Baupublikation folgten Einsprachen, ein Bauabschlag – und plötzlich war der nie selber in Erscheinung getretene Investor so rasch von der Bildfläche verschwunden, wie er aufgetaucht war. Man hörte zwar immer wieder, dass Interessenten sich die Liegenschaften angeschaut hätten. Die Rede war in Kandersteg oft von Russen, doch belegen liess sich dies nie.

Die Kandersteger Gemeinderatspräsidentin Barbara Jost würde persönlich gern wieder ein hochklassiges Hotel sehen, da dieses «auch den anderen Betrieben im Dorf Kunden und Umsatz bringen würde». Oder als Alternative etwas für Familien. Grundsätzlich sei man im Gemeinderat «offen für Ideen, welche nachhaltige Wirkung erzielen». Was aufgrund der Gesetzeslage in Kandersteg nicht infrage kommt, sind zusätzliche nicht bewirtschaftete Zweitwohnungen.

Der verblichene Glanz

Die im letzten August aufgenommene Inventarliste zeigt sowohl die Folgen des seit langem geschlossenen Betriebes als auch ansatzweise den früheren Glanz: Etliches Mobiliar hat keinen oder kaum mehr einen Wert, auch wenn es sich dabei um Kristallleuchter im Salon Royal, Chesterfield-Sofas oder um einen Louis XV-Schrank handelt.

Berner Zeitung

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