Drei Kandidaten – ein Wunsch

Interlaken

Das östliche Oberland ist im Nationalrat nicht vertreten. Ein Komitee ruft die Region zum Wählen auf und stellt die Kandidaten Andreas Michel, Marianna Lehmann und Urs Graf näher vor.

Das Oberland-Ost möchte im Nationalrat vertreten sein (v.l.): Andreas Michel (SVP), Marianna Lehmann (FDP) und Urs Graf (SP) sind seine Kandidaten. Foto: Anne-Marie Günter

Das Oberland-Ost möchte im Nationalrat vertreten sein (v.l.): Andreas Michel (SVP), Marianna Lehmann (FDP) und Urs Graf (SP) sind seine Kandidaten. Foto: Anne-Marie Günter

Das parteiunabhängige Komitee «Oberland-Ost in den Nationalrat» möchte, dass die rund 50'000 Stimmberechtigten zwischen Leissigen, den Lütschinentälern, Hofstetten und Guttannen vereint wählen gehen. Der Wunsch: Unter den 24 Nationalrätinnen und Nationalräten des Kantons Bern soll in Zukunft jemand aus dem Oberland-Ost kommen. Es will deshalb die drei Kandidaten bekannter machen, die sich für eine Wahl zur Verfügung stellen.

Die Wilderswiler Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann kandidiert für die FDP, der Schattenhalber Gemeindepräsident und Grossrat Andreas Michel für die SVP und der Interlakner Gemeindepräsident und Grossrat Urs Graf für die SP. Beim Wahlanlass im Kunsthaus Interlaken gabs zuerst ein Wirtschafts­zahlen-Feuerwerk von Roland Scheurer, dem Delegierteren für regionale Wirtschaftskontakte Mittelland der Schweizerischen Nationalbank.

«Es muss ein Strukturwandel stattfinden. Und das Rentenalter muss erhöht werden.»Marianna Lehmann, FDP-Gemeindepräsidentin von Wilderswil

Diese misst gewissermassen die Temperatur der Wirtschaft und handelt dann mit dem Ziel, die Inflation tief zu halten. Aktuell beunruhigen die Handelsstreitigkeiten der Grossmächte und die Tatsache, dass es eine Flucht in den Schweizer Franken gibt. Was die Nationalbank unternimmt, wird am19. September bekannt gegeben.

Pflästerlipolitik

Ein Schwerpunkt des von Beat Kohler moderierten Politgesprächs im Kunsthaus Interlaken war die Altersvorsorge. Scheurer hatte von einer Pflästerlipolitik der Politiker gesprochen. Marianna Lehmann fand, dass ein Strukturwandel, eventuell mit Einbezug der Mehrwertsteuer, stattfinden müsse. «Das Rentenalter muss erhöht werden», sagte sie. Graf plädierte für eine unangetastete AHV.

«Sie ist die beste Einrichtung der Schweiz», sagte er. Bei der zweiten Säule könnte er sich Kompromisse vorstellen. «Ich habe keine Probleme mit Pflästerlipolitik», sagte Michel. Es müssten aber auch Tabus angegangen werden. Für Graf ist das gleiche Rentenalter für Mann und Frau erst spruchreif, wenn auch die nicht bezahlte Arbeit zur Hälfte von den Männern übernommen wird.

«Man muss nicht meinen, bis jetztsei nichts gegangen in Bezug aufUmweltschutz.»Andreas Michel, SVP-Grossrat und Gemeindepräsident von Schattenhalb

Und er hält ein einheitliches Rentenalter von 67 nicht für fair, weil zum Beispiel Bauarbeiter mit 18 hart arbeiten, Akademiker aber viel älter ins Berufsleben einsteigen. Marianna Lehmann fand dann auch, dass man differenzieren müsse.

Zur Natur

«Man muss nicht meinen, bis jetzt sei nichts gegangen», sagte Andreas Michel in Bezug auf Umweltschutz. Es sei jetzt nach intelligenten Massnahmen zu suchen. Auch Marianna Lehmann setzt auf die Forschung, um Lösungen zu finden. Wenn der Treibstoff verteuert werde, müssten die Mittel für Forschung eingesetzt werden. Die beiden Bürgerlichen setzten auf Eigenverantwortung.

«Die Subventionen müssen an eine umweltgerechte Produktion geknüpft werden.»Urs Graf, SP-Grossrat und Gemeindepräsident von Interlaken

Marianna Lehmann fand aber: «Alles geht aber übers Portemonnaie.» Urs Graf denkt, dass «der eine oder andere in einen sauren Apfel beissen muss, um der nachfolgenden Generation die grösstmögliche Freiheit zu erhalten». Hart ist er in Sachen Landwirtschaft. Die Subventionen müssten an eine umweltgerechte Produktion geknüpft werden. Michel sprach von umweltunfreundlichen Importen.

In Sachen EU ist die Lage klar: Michel ist wegen der «automatischen Rechtsübernahme» gegen den Rahmenvertrag, Lehmann mit einigen Nachbesserungen dafür, und Graf findet, dass die Schweiz als europäisches Land sich mit Europa finden muss.

Eine Lösung finden

Einig war man sich: In Sachen Airbnb und andrer digital bestellter touristischer Leistungen muss eine Lösung gefunden werden, welche die durch die reale Anwesenheit der Touristen entstehenden Kosten decken hilft. Marianna Lehmann will Arbeitsplätze schaffen, wobei aber der Fachkräftemangel auch ein Thema war, der die Region zum Beispiel in Sachen Mangel an Schweizer Ärzten hart trifft.

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