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«DNA der französischen Musik spüren»

Nach den Alpen die Grossstadt: Paris macht dem Gstaad Menuhin Festival vom 18. Juli bis zum 6. September seine Aufwartung.

«Wir wollen die DNA der französischen Musik herausspüren.» Nicht zuletzt darum hat Christoph Müller dieses Jahr das Motto «Paris» für das Gstaad Menuhin Festival ausgewählt – ein starker Kontrast zum Vorjahr mit den «Alpen».

Paris ist ein weites Feld, wie Theodor Fontane («Effi Briest») sagen würde. Paris steht für Grossstadtflair, aber auch einen kulturellen Schmelztiegel, steht für bewegte Geschichte und magische Anziehungskraft.

«Wir rücken Paris ins Zentrum und bringen die grossen Werke aus der französischen Musikgeschichte ins Saanenland und Obersimmental.» Das verkündete der CEO des zweitgrössten Klassikfestivals der Schweiz am Freitag an einer Medienorientierung in Schönried.

Was Christoph Müller dazu bewogen hat, die 63. Ausgabe des Gstaad Menuhin Festival vom 18. Juli bis zum 6. September un­ter dieses Motto zu stellen? «Ich habe gemerkt, dass die französische Musik doch nicht so geläufig ist wie zum Beispiel die Wiener Klassik. Es ist eine andere Kultur, ein anderer Typus, eine andere Sprache.»

Und tatsächlich: Müller bringt die ganze Bandbreite in die Region, spannt den Bogen vom Barock (Charpentier) über die Romantik (Chopin, Saint-Saëns) und den Impressionismus (Ravel, Fauré) bis hin in die Neuzeit (Messiens, Franck).

Müller setzt prägende Werke wie die «Symphonie fantastique» von Hector Berlioz oder die Oper «Carmen» (halbszenisch) von Georges Bizet ins Programm. Und bringt Interpreten und Orchester aus Frankreich in dieRegion, die den Puls unseres Nachbarlandes musikalisch ausleuchten wollen.

Das Orchestre National de Lyon ist so eines. Oder auch das Orchestre Philharmonique de Radio France. Den Pianisten Bertrand Chamayou hat Müller gleich als den Artist-in-Residence engagiert. Er wird vier Konzerte sehr unterschiedlicher Ausprägung gestalten – solo, im Duo, in Kammermusikbesetzung und mit Orchester. Müller bezeichnet ihn als «vielfältigen Pianisten, der sämtliche Werke von Ravel zur Aufführung gebracht hat».

Reines Orgelkonzert

Angetan ist der 48-jährige Festivalintendant auch von Patricia Petitbon, «einer Sopranistin mit Starkult». «Geschnappt» hat sich Müller auch Olivier Latry, den Organisten von Notre-Dame. «Erstmals werden wir in der Kirche Saanen einen reinen Orgelabend erleben», verkündet er.

Oder Tristan Murail, bei dem das Festival eine Komposition in Auftrag gegeben hat. «Er schreibt sehr atmosphärische Musik. Und er geht auf die Alpenwelt im Saanenland ein.» Dieses Werk wird man am 1. September im Gstaader Festivalzelt zu hören bekommen.

Doppelt sinnlich

Ein sinnliches Erlebnis par excellence erwartet das Publikum am 21. Juli in der Kirche Saanen. Das Kammerorchester Basel spielt dann das Auftragswerk «Sons et parfums» des in Paris wohnhaften Argentiniers Bruno Soeiro. Die Duftnote wird nicht nur über die Ohren vermittelt: «Zu Beginn des Stücks werden Duftblätter in der Kirche verteilt, sodass das Publikum auch noch riechen kann, was es hört», erklärt Müller.

Müller geht im Weiteren den Spuren von Béla Bartók im Saanenland nach: «1935 verbrachte er den Sommer in Saanen und schrieb hier sein Divertimento. Das Basler Kammerorchester führte die Komposition unter Paul Sacher auf. Dieses Stück wird man am 11. August erneut zu hören bekommen – mit der heutigen Basler Formation», wie Müller festhält. Zum Aufenthalt von Bartók in Saanen ist auch eine Ausstellung über ihn durch die Sacher-Stiftung vorgesehen – wo, das steht noch nicht genau fest.

Was Müller an seinem Festivalthema ebenfalls fasziniert: «Paris ist das kulturelle Zentrum jenes Sprachraumes, welcher nur einige Hundert Meter westlich der Kirche Saanen beginnt…» Da hat er recht.

Und dem Intendanten fällt auch eine Reminiszenz zu Yehudi Menuhin, dem Festivalgründer, ein: «Yehudi Menuhin suchte den Rumänen George Enescu 1927 als Elfjähriger in Paris auf und debütierte in der Seine-Stadt kurz danach mit Lalos Symphonie espagnole. Enescu wurde zu einem grossen Vorbild und verlieh dem jungen Menuhin prägende Impulse.»

Strawinsky und Tschaikowsky – um nur einige wenige zu nennen – liessen sich ebenfalls von Paris inspirieren. Was zurück zur Anfangsfrage führt: Gibt es sie überhaupt, diese typisch französische Musik? «Vielleicht haben Tonkünstler unserer Zeit eine Antwort darauf», sagt Müller – und denkt an die genannten Bruno Soeiro und Tristan Murail.

Wieder grosse Namen

Zu all dem hält Müller einmal mehr ein grosses Staraufgebot bereit:

- zweimal die Pianistin Yuja Wang (im Duett mit dem Klarinettisten Andreas Ottensamer);

- Khatia Buniatishvili (mit einem Klavierrezital am 16. August) und weitere Pianisten wie András Schiff, Fazil Say, Kristian Bezuidenhout, Alexander Melnikov;

- die Sängerinnen Ute Lemper und Cecilia Bartoli sowie der Wagner-Ausnahmetenor Klaus Florian Vogt;

- die Geigerinnen Vilde Frang und Hilary Hahn (mit Werken von Bruch bzw. Bach) sowie Patricia Kopatchinskaja, Isabelle Faust, Daniel Lozakovich;

- die Cellisten Sol Gabetta und Gautier Capuçon (mit Werken von Haydn unter der Stabführung von Mikko Franck);

- das Gstaad Festival Orchestra mit Dirigent Manfred Honeck.

Paris, das ist so oder so ein weites Feld.

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