«Dieser Polizist scheint etwas gegen Bergbauern zu haben»

Zwei Bergbauern waren auf einem Wanderweg mit ihren Motorrädern unterwegs, ein Polizist erwischte sie dabei. Gegen die Strafbefehle erhoben die Bauern Einsprache – und waren damit teilweise erfolgreich.

Zwei Bergbauern befuhren mit ihren Motorrädern einen Wanderweg. Dies war einer der Gründe, warum sie ein Polizist anzeigte (Symbolbild).

Zwei Bergbauern befuhren mit ihren Motorrädern einen Wanderweg. Dies war einer der Gründe, warum sie ein Polizist anzeigte (Symbolbild). Bild: iStock

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Ein 58-jähriger und ein 57-jähriger Bergbauer sind zur Bewirtschaftung ihrer Alpen im Berner Oberland auf Motorräder angewiesen. Eines Tages im Oktober des vergangenen Jahres gerieten sie auf der Zufahrtsstrasse in eine Polizeikontrolle. Dabei stellte der Gesetzeshüter eine ganze Reihe von Straftatbeständen fest und erstattete Anzeige.

Es handelte sich um Fahren ohne Führerausweis, ohne Haftpflichtversicherung, ohne Fahrzeugausweis, ­ohne Kontrollschilder und ohne Bewilligung und Führen eines nicht den Vorschriften entsprechenden Fahrzeugs. Ein weiterer Vorwurf war das Befahren eines Wanderwegs mit dem Motorrad.

Diese Sachverhalte bescherten den beiden Strafbefehle der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland. Sie wurden mit bedingten Geldstrafen und Bussen bestraft. Zusammen mit Gebühren hätten sie 1150 beziehungsweise 1440 Franken bezahlen sollen. Weil sie dagegen je eine Einsprache erhoben, kam es am Dienstag zur Hauptverhandlung am Regionalgericht Oberland in Thun.

Polizist hat Pflicht erfüllt

Bei der Einvernahme durch Gerichtspräsident Jürg Santschi bestritten die Beschuldigten, die ohne Verteidiger erschienen waren, den Sachverhalt nicht grundsätzlich. Sie machten jedoch geltend, dass sie ihre Alpen seit Jahren auf die gleiche Art und Weise erreicht hätten, ohne dass die Behörden eingeschritten wären.

«Der Polizist, der mich angehalten hat, scheint etwas gegen uns Bergbauern zu haben», monierte einer der Männer. Da hielt ihm der Gerichtspräsident entgegen, dass dieser lediglich seine Pflicht erfüllt habe.

Nur zu Fuss oder mit dem Töff

Als Zeuge geladen war der Präsident der betreffenden Alpweg­genossenschaft. Seine Aussagen brachten etwas Licht ins Dunkel. Er bestätigte, dass die gegenwärtige Situation unbefriedigend sei, da es sich teilweise um eine Privatstrasse handle, die auch als Wanderweg markiert sei.

Man habe schon wiederholt Anstrengungen zur Verbesserung der Situation unternommen, sei aber lange nicht weitergekommen. Nun sei der Bau einer neuen Strasse aufgegleist, die ein Befahren mit Autos erlauben werde.

Er betonte, dass die betreffenden Alpen nur zu Fuss oder eben mit dem Motorrad erreichbar ­seien.

Schuldig, aber keine Strafe

Der Einzelrichter machte sich die Urteilsfindung nicht leicht. Er war aber der Meinung, dass es sich angesichts der besonderen Situation um zwei leichtere Fälle handelte. Trotzdem fällte er Schuldsprüche. Einen der Beschuldigten bestrafte er mit einer Busse von 200 Franken, weil dieser bei der Polizeikontrolle die Angabe des Namens verweigert und sich entfernt hatte.

In weiteren Fällen erkannte der Richter auf schuldig, sprach jedoch keine Strafe aus. Freisprüche erfolgten in Bezug auf das Befahren eines Wanderwegs mit dem Motorrad. (Berner Oberländer)

Erstellt: 09.10.2018, 16:51 Uhr

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