Oberstocken

Diesem Verein gehts nicht um die Mitglieder

OberstockenDer Bob Club Stockhorn trainiert nicht im Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina und nimmt an keinen Rennen teil. Im Zentrum des Vereins stehen auch nicht seine Mitglieder.

Der Vorstand des Bob Club Stockhorn an der Stelle, wo das Rennen jeweils gestartet wird (v.l.): Roland Greber (Kassier), Frank Jeremias (Speaker und PR-Beauftragter), Hans Peter Rupp (Präsident), Buddy (Beisitzer ohne spezielle Aufgaben), Markus Zehnder (verantwortlich für Speis und Trank sowie für die Bereitstellung von Grund und Boden) und Stefan Schuppisser (Beisitzer und Pisten­aufsicht). Nicht auf dem Bild: Vizepräsident Rudolph Messerli, Sekretär René Graf und Reto Maurer (Beisitzer und Pistenaufsicht).

Der Vorstand des Bob Club Stockhorn an der Stelle, wo das Rennen jeweils gestartet wird (v.l.): Roland Greber (Kassier), Frank Jeremias (Speaker und PR-Beauftragter), Hans Peter Rupp (Präsident), Buddy (Beisitzer ohne spezielle Aufgaben), Markus Zehnder (verantwortlich für Speis und Trank sowie für die Bereitstellung von Grund und Boden) und Stefan Schuppisser (Beisitzer und Pisten­aufsicht). Nicht auf dem Bild: Vizepräsident Rudolph Messerli, Sekretär René Graf und Reto Maurer (Beisitzer und Pistenaufsicht). Bild: Marc Imboden

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«In diesem Schattloch?» Wer das Stockental als Wohnort nennt, hat diese Frage, meist in einem erschrockenen und ungläubigen Tonfall vorgetragen, mit Sicherheit schon einmal gehört. Es stimmt natürlich, dass es sonnigere Flecken gibt. Aber das Stockental hat auch seine Vorteile: Die Natur beginnt gleich vor der Haustüre, es gibt weniger Dichtestress als anderswo, und wer Schnee liebt, kommt auf seine Kosten, da die weisse Pracht im Schatten länger liegen bleibt.

Aber es gibt auch Nachteile – vor allem für die Kinder. Das Angebot an Spielplätzen und weiteren Freizeitangeboten ist sehr überschaubar. Deshalb hatte der Oberstockner Hermann Strauss vor Jahren begonnen, in jedem Winter ein Bobrennen für Kinder zu organisieren. Mit seinem Haflinger-Geländefahrzeug transportierte er die kleinen Renn­fahrerinnen und Rennfahrer zum Start am Hang hinter seinem Haus und verpflegte sie in seiner Garage.

Auf mehreren Schultern

Nachdem Hermann Strauss 2011 gestorben war, stand die Frage nach der Weiterführung des Rennens im Raum. Diejenigen Per­sonen, die Strauss bei der Durchführung jeweils geholfen hatten, wollten den Anlass retten und organisierten das Rennen 2012 im Alleingang.

2013 gründeten sie den Bob Club Stockhorn. «Die Idee dahinter: Die Organisation auf mehrere Schultern verteilen und in den Statuten genau festhalten, wie die Einnahmen verwendet werden sollen», sagt Frank Jeremias, der im Club-Vorstand für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. «Auch das Thema ‹Versicherung der Teilnehmer› wollten wir verbindlich festlegen.»

Technisch ging ein Ruck durch das Kinderbobrennen. «Bis anhin brauchten wir für die Zeitmessung ein Funkgerät beim Start und eine Handstoppuhr beim Ziel. Damit konnten die Zeiten sekundengenau gemessen werden», erinnert sich Jeremias. Weil aber in einem Wettkampf oftmals Hundertstelsekunden über die Rangierung entscheiden, wurde 2015 erstmals eine elektronische Profizeitmessung eingesetzt, die auch in den beiden Folgejahren vom Skiklub Frutigen samt Personal zur Verfügung gestellt wurde. «Es hat Sensoren beim Start und beim Ziel, und der Computer kann innerhalb von zwei Minuten die gesamte Rangliste ausdrucken», schwärmt Frank Je­remias vom technischen Fortschritt.

Technik statt Muskelkraft

Auch bei der Präparation der Pisten setzt der Bob Club Stockhorn auf Technik statt wie früher auf reine Muskelkraft. Mit einem Pistenfahrzeug, das üblicherweise beim Skilift Blumenstein im Einsatz steht, kann die Piste innert kürzester Zeit auf Wettkampfniveau gebracht werden. «Vorher haben wir die Piste mit Ski an den Füssen vorbe­reitet – manchmal auch mehrmals, wenn es geschneit hat.»

Bei der Streckenführung achten die Bob-Club-Mitglieder darauf, gefährliche Stellen zu eliminieren. «Wir richten uns nach den Schneeverhältnissen», sagt Frank Jeremias. «Wenn die Decke dünn ist und grosse Steine sichtbar sind, wählen wir einen anderen Verlauf.» Sicherheit wird auch sonst grossgeschrieben: Alle Kinder müssen einen Helm tragen, zudem sind Sanitäter vor Ort, «die mehr können, als bloss Erste Hilfe zu leisten».

Denn die Kinder und Jugendlichen sind zum Teil sehr schnell unterwegs: Für die rund 500 Meter lange Strecke brauchte der Schnellste beim 13. Bobrennen von Ende Januar weniger als eine Minute – was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 30 Stundenkilometern entspricht.

Geld vom Bratwurststand

Für die Kinder ist die Teilnahme am Rennen grundsätzlich gratis; auch für Essen, Trinken und Medaillen müssen sie beziehungsweise ihre Eltern nicht bezahlen. Trotzdem braucht der Bob Club Stockhorn Geld, um das Rennen durchführen zu können: die Verpflegung für die jungen Bobpilotinnen und -piloten, der Sprit für das Pistenfahrzeug, das Honorar für die Zeitmesser...

All dies kostet, sodass die Organisatoren pro Rennen mit rund 1500 Franken budgetieren. Einen Teil erwirtschaften sie selber mit dem Bratwurststand am Weihnachtsmarkt Oberstocken, für den Rest kommen Sponsoren auf, hauptsächlich die Raiffeisenbank Thunersee.

Die Statuten sind klar: Hauptzweck des Bob Club Stockhorn ist die Förderung von Anlässen für Kinder. Doch ab und zu schauen die Vereinsmitglieder, die deckungsgleich mit dem Vorstand samt Beisitzern sind, auch mal für sich. Neben der obliga­torischen Hauptversammlung treffen sie sich zu geselligen Anlässen. Aber auch dort geht es früher oder später um die Kinder und Jugendlichen, wie Frank Jeremias verrät: «Wir wälzen bereits Ideen für einen Sommeranlass!» (Berner Oberländer)

Erstellt: 11.04.2017, 16:30 Uhr

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