Die Tunnellobby bohrt nach

Grimsel

Der Bundesrat bringt in Kürze den Ausbau des Schweizer Bahnnetzes ins Parlament. Ein breit abgestütztes Komitee drängt ­darauf, den Grimseltunnel doch noch einzuplanen.

121 Masten könnten abgebaut und die Stromkabel in den neuen Grimseltunnel verlegt werden.

121 Masten könnten abgebaut und die Stromkabel in den neuen Grimseltunnel verlegt werden.

(Bild: Andreas Blatter)

Julian Witschi

Die Promotoren eines Tunnels unter dem Grimselpass vom Oberhasli ins Goms geben nicht auf. Obwohl das Bundesamt für Verkehr, die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr für den auf insgesamt 11,5 Milliarden Franken veranschlagten Bahnausbauschritt 2035 andere Projekte bevorzugen.

Der Grimseltunnel sei eine einmalige Chance, Bahn und Hochspannungsleitung erstmals in grossem Stil in einer gemeinsamen Infrastruktur zu bündeln. So lautet der zen­trale Appell des Grimseltunnel-Komitees. Es wird von Barbara Egger und Jean-Michel Cina präsidiert, zwei ehemaligen Mit­gliedern der Kantonsregierungen von Bern und Wallis.Voraussichtlich im Oktober wird der Bundesrat die Botschaft zum Bahnausbauschritt ans Parlament verabschieden.

Am Donnerstag lud das Grimseltunnel-Komitee in Bern am Rande der Session zu einem Infoanlass. Viele Neuigkeiten gab es nicht, aber eine breite Allianz stellte sich hinter das Projekt: Vertreter aus den Kantonen Bern und Wallis, aus der Zentralschweiz, aus dem Tourismus, der Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und der Stiftung für Landschaftsschutz.

Barbara Egger sagte, das Projekt habe Chancen, in den Ausbauschritt 2035 aufgenommen zu werden. Aber es werde schwierig. Die Berggebiete hätten allerdings zusammen mit Vertretern von Links-Grün unlängst bei der Wasserkraft bewiesen, dass sie Mehrheiten erzielen können.

Für Touristen und Elektrizität

Der 22 Kilometer lange Tunnel soll die Lücke zwischen den Schmalspurbahnen im Alpenraum schliessen. Züge von Interlaken nach Zermatt oder von Luzern nach Andermatt würden möglich. Und gleichzeitig könnte die sowieso zu erneuernde Hochspannungsleitung über die Grimsel abgebaut und in den Tunnel gelegt werden.

Das beste Argument für den Tunnel ist gleichzeitig auch die grosse Krux. Denn die Planungsprozesse für Bahn und Strom laufen nicht parallel. So ist das Sachplanverfahren für Übertragungsleitungen wohl erst in drei Jahren abgeschlossen. Erst dann ist definitiv, ob die Hochspannungsleitung an der Grimsel in einen Tunnel verlegt werden soll. Denn das kostet mehr als eine Freileitung.

Das Parlament steht aber jetzt vor der Aufgabe, über die Finanzierung des Bahnteils zu entscheiden. Das Komitee appelliert an das Parlament, voranzugehen. Die Kostenschätzung für das Projekt habe sich in neuen Analysen bestätigt. Total soll der Tunnel 600 Millionen Franken kosten. Der Bahnteil ist auf 250 Millionen Franken veranschlagt. Den Rest müsste dann die nationale Stromnetzgesellschaft Swissgrid beisteuern. Der Verteilschlüssel ist aber noch nicht definitiv, sondern kann noch vom Bund verändert werden.

Berner Zeitung

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