Die Suche nach der besten Lösung

Behörden und Experten orientierten die Lenker Bevölkerung über Lösungsansätze, um künftige Gletscherseeausbrüche besser unter Kontrolle zu halten.

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Bruno Petroni

Sechs Monate nach dem spontanen Ausbruch des Faverges-Gletschersees auf dem Plaine-Morte-Gletscher orientierten die Gemeindeverantwortlichen die Bevölkerung über erste Ideen, um weitere Hochwasserereignisse zu verhindern.

Knapp sechshundert Einheimische und Ferienhausbesitzer fanden sich dazu am Freitagabend im Kurs- und Sportzentrum ein. Sie erfuhren, was am 27. Juli des letzten Jahres genau passiert ist, was anders war als in den Vorjahren, über die Entwicklung des Gletschers während der letzten Jahrzehnte und wie sich das Abflusssystem in diesen Jahren verändert hat.

Zehn mögliche Varianten

Die Berner Meomorphologin Isabelle Kull führte zehn verschiedene Lösungsansätze auf, wie die Gefahr vor künftigen Ausbrüchen des Faverges-Gletschersees verhindert werden kann. «Die meistgenannten Varianten sind das Abpumpen des Sees ins alte Abflussgerinne in Richtung Wallis oder die Absenkung dieses alten Gerinnes mittels Bau eines Kanals. Als weitere Möglichkeit käme ein Stollen nach Süden infrage, wie wir ihn in dieser Art bereits beim Unteren Grindelwaldgletscher kennen.»

Weitere Optionen: eine Abdeckung des Gletschers, der Bau eines Stausees im Tierberg oder ein Entlastungsbecken beim Retzligletschersee. Auch das Auffüllen des Faverge-Seebeckens mit Schnee mittels Pistenfahrzeugen im Winter wäre denkbar, damit das Schneedepot mit der Zeit sich zu Firn komprimiert und der Gletschersee somit von unten her mehr Eisvolumen bekommt, was die Abflussmenge verkleinern würde.

Weniger realistische Varianten wären das Aufbohren und Sprengen von Pfropfen, um den bestehenden Abflusskanal im Eis offen zu halten, das Einbauen von Rohren oder der Bau eines oberflächlichen Kanals über den Gletscher zu einer weiteren, westlich liegenden Gletschermühle.

Die Zusammenarbeit mit dem Wallis ist angedacht, und die Einwohnergemeinde Lenk hat sich mit Crans-Montana bereits zum Gespräch getroffen, um gemeinsam eine Lösung zu suchen. Isabelle Kull: «Die Walliser haben grosses Interesse an diesem Wasser bekundet: für den Winter für Beschneiungen, im Sommer für Bewässerungen. Auch für die Stromproduktion wäre das Wasser wertvoll, statt dass dieses auf der Lenker Seite zu Problemen führt.

Die Walliser sind jedenfalls motiviert, dazu beizutragen, eine Lösung zu finden.» Die Walliser hätten auch die Idee, dass man für die Abpumpvariante eine ehemalige alte Stromversorgung reaktivieren könnte. «Diese Variante wird zurzeit von den Wallisern geprüft. Es wäre für die Gemeinde Lenk ein Mehrwert, wenn die entstehenden Kosten geteilt werden könnten», so Kull.

Bis Frühsommer konkreter

Seitens Liegenschaftsbesitzern im Weiler Rothenbach wurde der Vorwurf laut, dass sie am 27. Juli nicht vorgewarnt worden seien. Gemeindepräsident René Müller versicherte, dass man bereits Gespräche mit Rothenbachern gehabt habe und das Einsatzkonzept und Frühwarnsystem überarbeitet werde. Es sei angedacht, etwas mit dem Quartier zu machen, damit es nicht wieder zu Überschwemmungen komme.

Der Thuner Naturgefahrenspezialist Markus Zimmermann sagte: «Heute Abend haben wir Ihnen keine Lösungen. Aber wir wollen an den Schwachstellen arbeiten, werden weitere Ablagerungsräume für Wasser ausscheiden und intensiv darüber nachdenken müssen, in vernünftiger Zeit realisierbare Lösungen zu finden.» Gemeindepräsident Müller: «Wir haben jetzt zwei Expertengruppen eingesetzt.»

Es sind dies die Gruppe für Glaziologie, die sich mit den Vorgängen auf dem Plaine-Morte-Gletscher und damit verbundenen Lösungsansätzen befasst, sowie die Gruppe für die Simme, die mit Bauverwalter Jakob Trachsel und Peter Zeller als Präsident der Schwellenkorporation lokal ergänzt wird. Konkretere Resultate der laufenden Projektierungsmöglichkeiten sollten laut René Müller bis zum kommenden Frühsommer vorliegen.

Berner Oberländer

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