Die Operation am offenen Herzen beginnt

Wilderswil

Mit dem Spatenstich für den Direktanschluss der Gewerbezone am 8. April beginnt auch der Bau der Dorfumfahrung, die 2023 fertig werden soll. Der Infoabend der Gemeinde Widerswil war gut besucht.

250 Interessierte kamen am Mittwoch zur Infoveranstaltung zum Bau der Dorfumfahrung in Wilderswil.

250 Interessierte kamen am Mittwoch zur Infoveranstaltung zum Bau der Dorfumfahrung in Wilderswil.

(Bild: Bruno Petroni)

«Seit 1955 setzt sich Wilderswil für eine Dorfumfahrung ein», sagte Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann, die am Mittwoch gegen 250 Interessierte in der Mehrzweckhalle begrüsste. «Nun stehen wir vor mehr als drei intensiven Baujahren.»

Diese werden vor allem eine Belastung für die Schule und die Bewohner der Allmi. «Doch am Ende steht ein grosser Mehrwert für die Gemeinde», meinte Lehmann: «Mehr Sicherheit auf den Schulwegen, ein besserer Hochwasserschutz und eine Lebensqualität wie wohl nie, seit es Autos gibt.»

Hotline ab April

Während der langen Bauzeit vorher rechnet der Kanton als Bauherr mit vielen Fragen. Deshalb wies Kreisoberingenieur Markus Wyss zuerst auf das Informationskonzept hin, das von Orientierungen für Direktbetroffene über einen Pavillon mit Sprechstunde vor Ort bis zu Tagen der offenen Baustelle reicht. Die Internethotline wird Anfang April 2019 aktiviert – noch vor dem Spatenstich für den Direktanschluss der Gewerbezone an die Autobahn am 8. April. «Der Direktanschluss ist zwar ein separates Projekt», erklärte Projektleiter Mathias Boss von der Regionalkonferenz Oberland-Ost. «Aber eine Abzweigung gehört zur Umfahrung.»

Die eigentliche Umfahrung mit dem Tunnel unter der Allmi und den beiden neuen Brücken über die Lütschine wird ab Herbst 2019 gebaut. Matthias Gerber, Vertreter der Planer, nannte die Baustelle mitten im Dorf «eine Operation am offenen Herzen».

Schulweg wird geschützt

Der Baustellenverkehr wird möglichst auf dem Trassee der künftigen Umfahrung geführt. Damit wird der Lastwagen- klar vom Fussgängerverkehr getrennt. «Die Schule und die übrigen Häuser der Allmi werden mit gesicherten Übergängen und Trottoirs erschlossen und sind auch jederzeit mit Blaulichtfahrzeugen erreichbar», sagte Gerber. Damit dieses Konzept funktioniert, beginnt der Tunnelbau am Südende – oberhalb des Bahnhofs, wo er die Gleise der BOB und der Schynige-Platte-Bahn unterquert.

Von dort frisst er sich im Tagebau Richtung Norden mitten durchs Schulareal. Mit dem Aushub werden die Dämme und Zugänge zu den beiden Brücken südlich der Tunnelbaustelle aufgeschüttet. Weil die Lastwagen auf dem Boden des künftigen Tunnels fahren, werden auch Lärm- und Staubemissionen gedämpft; dazu kommen Lärmschutzwände. Weil der Platz sehr eng ist, werden die Seiten der Baugrube mit Betonpfählen gesichert.

Der Tunnelbau beginnt im Herbst 2019 mit der Unterquerung der Bahnlinien. Der Bahnverkehr wird vom 31. Oktober bis 6. Dezember durch Busse ersetzt. Auch mit dem Hochwasserschutz, dem der Tunnel als Entlastung für extreme Hochwasser dient, müssen die Bauarbeiten koordiniert werden – ebenso wie mit der Verlegung der zahlreichen Werkleitungen in diesem Bereich.

Eltern fragen

Die Verträge mit den Grundeigentümern, deren Land für die Projekte ständig oder temporär gebraucht wird, werden nächste Woche verschickt. Stephan Tschudi, der mit den Eigentümern verhandelt hat, ist zuversichtlich, dass die Verträge unterschrieben werden, und verweist darauf, dass keine Einsprachen mehr hängig sind.

In der Fragerunde meldeten sich vor allem Eltern und weitere Betroffene, denen Oberingenieur Wyss versicherte, dass für sichere Schulwege gesorgt wird und nach der Bauzeit alle Strassen und Durchgänge wie heute genutzt werden können. Gemäss Schulleiter Peter Lörtscher muss sich die Schule wohl auf Provisorien einstellen. Die Ingenieure fanden, die Schule solle die Chance für Baustellenführungen nutzen.

Auf die Frage, wo die Tagesschule hinkomme, wenn ihre Unterkunft dem Tunnel weichen muss, entgegnete Wyss, das Gebäude werde erst 2020 abgerissen. Gemäss Gemeindepräsidentin Lehmann sucht die Kommission, die für die Koordination zwischen Schule und Bauherrschaft sorge, nach einer Lösung. Wenig Einfluss habe der Kanton auf die Einstellung von Navigationsgeräten, erklärte Markus Wyss auf die Frage, ob ab 2023 der gesamte Durchgangsverkehr auf die Umfahrung gelenkt werde.

Berner Zeitung

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