Die Lebensader der Lauberhornrennen

Wengen

Die Bahn ist für die Weltcuprennen unverzichtbar. Um die 30'000 Personen werden an Spitzen-Renntagen mit der Wengernalpbahn befördert.

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7.30 Uhr am Freitagmorgen: Wengen erhebt sich langsam aus der Nachtruhe. Die alpine Umgebung ist mit blauem Dämmerungslicht getüncht. Auf den verschneiten Strassen sind noch nicht viele Menschen unterwegs; im Weltcupdörfli hingegen sind die Schneeschaufeln der Armeeangehörigen bereits wieder im Einsatz.

Am Bahnhof auf Gleis 1 fährt ein Zug aus Lauterbrunnen ein. Gleichzeitig stapft vom Hotel Maya Caprice, nur hundert Meter vom Bahnhof entfernt, die norwegische Mannschaft mit den Stars Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud mit geschulterten Ski heran. Auch einige Skifans und Touristen wollen sich Eintritt in den vordersten Wagen verschaffen. Sie werden von Stefan Würgler freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen. In diesem Extrazug haben Sportler und Helfer Vorrecht – «normale» Gäste werden, sofern Platz vorhanden ist, in die hinteren Wagen verwiesen.

Fahrplan bewährt sich

Stefan Würgler ist Betriebsleiter der Jungfraubahnen. Gewöhnlicherweise hat er seinen Arbeitsplatz am Hauptsitz des Unternehmens in Interlaken – aber die Lauberhornrennen sind nicht gewöhnlich. Hier sind einige Extrameilen vonnöten, um die Rennen erfolgreich durchführen zu können. Der Betriebsleiter wird am Rennwochenende in Wengen gebraucht. «Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Fahrer und ihre Betreuer und Trainer rechtzeitig dort sind, wo sie hinmüssen.» Dies sei jeweils am Samstag eine besondere Herausforderung. Wenn der Abfahrtsklassiker stattfindet, werden neben den Sportlern und Helfern zuweilen auch um die 30'000 Zuschauer mit der Schmalspurbahn befördert – dies ist im Skiweltcupzirkus einzigartig.

Seit elf Jahren hat Würgler während der Lauberhornrennen diesen Job, und einiges hat sich mit der Zeit verändert. Beispielsweise der Fahrplan. «Hier haben wir einiges ausprobiert. Letztes Jahr kamen wir auf eine Lösung, die sich zu bewähren scheint.» Das Rezept: Halbstundentakt zwischen Lauterbrunnen und Wengernalp, dazu fahren Züge eine Viertelstunde versetzt zwischen Wengen und Kleiner Scheidegg. «Damit sind wir pünktlich und zuverlässig unterwegs», so Würgler.

Früher galt das Faustrecht

Wichtig war die Einführung von Warteräumen an den Bahnhöfen: Fahrer und ihre Betreuer, VIP-Gäste und weitere Gäste erhalten mittels Absperrungen kategorisiert Einlass in die Züge. Dieses System ist seit ein paar Jahren im Einsatz; neu wird es auch am Sonntag beim Slalom angewandt. «Zuvor galt einfach das Faustrecht», sagt Würgler. «Der Zug fuhr ein, die Türen öffneten sich, und die Stärksten fanden hinein.»

Die Extrazüge in den Nächten auf Samstag und Sonntag, um das Partyvolk ins Tal zu bringen, stellen für das Bahnpersonal kein grosses Problem dar, sagt Würgler. «Während der Lauberhornrennen ist sowieso fast die ganze Belegschaft im Einsatz; nur ganz wenige haben frei», sagt er. «So lassen sich die Arbeiten gut vorausplanen.» Zudem sei der Andrang der Menschen, die vor allem wegen der Party nach Wengen kommen, in den letzten Jahren etwas zurückgegangen.

Für ihn und sein Team sind die Lauberhornrennen wohl die strengste Zeit des Jahres. «Aber es macht Spass», sagt er. «Auf der Arbeit ist es doch am schönsten, wenn etwas läuft.»

Berner Oberländer

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