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Hier entstehen die Siegerglocken

Am Samstag wird auf dem Chuenisbärgli-Hang um Plätze und Weltcuppunkte im Riesen­slalom gekämpft. Die besten nehmen aber auch eine Glocke mit heim. Diese werden seit langem als Einzelstücke in Uetendorf hergestellt.

Es ist echte Handarbeit und jedes Stück eine Einzelanfertigung. Das Objekt der Rennfahrer­begierde ist 5 Kilo schwer, besteht aus 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Zinn, und wirklich nur die Besten erhalten sie.

Hergestellt werden die Glocken für den Skiweltcup Adelboden seit langem in der Glockengiesserei Gusset in Uetendorf. Die Gussmodelle – teilweise sind sie über 100 Jahre alt – und das Wissen wird jeweils in der Familie Gusset weitergegeben. Aktuell ist mit Hans Gusset die achte Generation am Werk.

Der Fertigungsprozess ist seit Generationen gleich: Hans Gusset verpackt das Glockenmodell in braunen quarzhaltigen Sand, stampft diesen in die zweiteilige Form. «Nur Sand und Wasser, keine Chemie», betont er. Dann nimmt er die beiden Teile wieder auseinander, das Metallmodell geht zurück ins Lagergestell. Zwischen den Hälften ist so ein Hohlraum entstanden, in den bald die Glockenbronze hineinfliessen wird und die eigentliche Glocke formt.

Jeder Buchstabe einzeln

Und jede Glocke hat auch einen Schriftzug. Jeder Buchstabe wird einzeln in die Sandform gepresst, alles in Handarbeit, mit Augenmass und sehr viel Erfahrung. So wird jede Glocke ein absolutes Einzelstück, denn beim Öffnen geht die Sandform verloren. So weit ist Hans Gusset noch nicht.

Das Giessen: Die flüssige Glockenbronze wird aus dem Tiegel in die schweren Formen gegossen.
Das Giessen: Die flüssige Glockenbronze wird aus dem Tiegel in die schweren Formen gegossen.
Hans Rudolf Schneider
Hans Gusset stülpt die Form über das uralte Glockenmodell aus Metall.
Hans Gusset stülpt die Form über das uralte Glockenmodell aus Metall.
Hans Rudolf Schneider
Glücklicher Henrik Kristofferson mit seiner Glocke.
Glücklicher Henrik Kristofferson mit seiner Glocke.
Manuel Lopez
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Seit Stunden ist der elektrische Ofen eingeschaltet, dort werden Kupfer und Zinn legiert. 1280 Grad muss die Schmelze haben, um dann unter Funkensprühen in den vorgeheizten Tiegel zu fliessen. Dieser wird schliesslich von Hand in die Glockenform ausgegossen. Heiss ist nur der Vorname bei diesem Teil der Arbeit, gefährlich heiss, aber wunderschön anzusehen, wie die orange-gelb glühende Bronze fliesst.

Die Glockengiesser

Die Familie stammt ursprünglich aus Frankreich, erzählt Hans Gusset. Dort gehörte sie zu den umherziehenden Gewerblern wie Kupferschmiede, Kesselflicker oder Messerschmiede. Abraham Gusset (1779–1844) goss um 1820/1825 die ersten Glocken in Uetendorf. Und was sowohl die Grundmaterialien als auch die Arbeitsabläufe angeht, hat sich seither wenig verändert. Glocken von circa 5 bis 37 Zentimeter Durchmesser gehören heute zum Sortiment der Uetendorfer. Und seit rund 15 Jahren beliefert Gusset den Ski Weltcup Adelboden.

Gestochen scharf

Die Sandformen werden kurz abgekühlt, geöffnet und zerschlagen. Aus dem Sand kommt die dunkelbraune und an einigen Stellen goldig schimmernde Glocke zum Vorschein. Die Inschrift «Audi Ski World Cup Adelboden», das Schweizer Kreuz und der Alpaufzug sind gestochen scharf. Die weiteren Schritte sind Sandstrahlen und die glänzenden Ringe abdrehen. Dann werden die Riemen befestigt, und die Skifahrer können das Chuenisbärgli in Angriff nehmen: Die Siegerglocken sind bereit!

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