Die Brücke hängt wieder am Seil

Beatenberg

Vor fünfeinhalb Jahren wurde die Hängebrücke über den Sundgraben von einem gewaltigen Murgang zerstört. Nun wird eine neue eingeweiht. Eine Einseilhängebrücke für Fussgänger mit inte­grierter Abwasserleitung.

Blick auf die neue Einseilhängebrücke in den Tagen vor der Einweihung. Sie steht etwas weiter seewärts als die alte.

Blick auf die neue Einseilhängebrücke in den Tagen vor der Einweihung. Sie steht etwas weiter seewärts als die alte.

(Bild: Ueli Flück)

Am Abend des 2. Januar 2012 stürzten rund 30 000 Kubikmeter Hangmaterial unterhalb des Des-Alpes-Geländes in der Waldegg (Beatenberg) in den Sundgraben.

Der gewaltige Murgang hatte Folgen: Das Delta am See wurde weggeschwemmt, im Bachbett oberhalb der Staatsstrasse in Sundlauenen mussten Felsbrocken gesprengt werden, und die Verankerungen der etwa 100-jährigen Hängebrücke in der Hasel­egg (rund 770 Meter über Meer) wurden ausgerissen.

Seither hing die Brücke wie ein angezählter Boxer in den Seilen. Sie war unpassierbar, und der Wanderweg – einst Kirch- und Predigtweg – gesperrt. Für einen sofortigen Neubau fehlte das Geld.

So präsentierte sich die im Januar 2012 zerstörte Hängebrücke während fünf Jahren. Jetzt wurde sie abgebrochen. Bild: Ueli Flück

Die Gemeinde sah eine finanzielle Beteiligung an einer neuen Brücke lediglich darin, das Vorhaben mit dem Projekt «Aufhebung ARA Wang» zu kombinieren. Das heisst: Die Abwasserleitung unten an die neue Brücke anzuhängen. So konnte eine separate Rohrbrücke eingespart werden.

Zudem wurde ein Spendenaufruf lanciert, der zwar auf viel Echo stiess, aber doch zu wenig Geld einbrachte. Der von Peter Dütschler präsidierte Verein Panorama Rundweg Thunersee, der sein Projekt einer Hängebrücke über den Chrutgrabe (Gemeinde Beatenberg) nicht realisieren konnte, kam zu Hilfe. Er engagierte sich nicht nur finanziell, sondern trat auch als Bauherr auf.

Eine innovative Lösung

Die neue Hängebrücke, die weiter seewärts und höher über dem Wasserlauf steht als die alte, wurde von der Thuner Theiler Ingenieure AG geplant. Es ist eine besondere Hängebrücke: eine Einseilhängebrücke für Fussgänger mit integrierter Abwasserleitung.

Ingenieur Martin Dietrich erklärt das so: «Das Abwasserrohr, welches horizontal 80 Meter überspannt und 16 Meter ­Höhendifferenz überwindet, ist zu einem wichtigen Teil des ­statischen Gesamtsystems ge­worden.»

Es bilde die robuste Umhüllung der ARA-Leitung, ersetze das zweite Hängeseil und verhindere als sogenanntes Torsionsrohr das seitliche Abkippen des exzentrisch angeschlossenen Gehweges.

«Zu seiner Stabilisierung und zur Erhaltung der gekrümmten Form wird das Rohr alle 6 Meter mit dem 98 Meter langen Haupttragseil verbunden», erklärt Dietrich weiter. Der 80 Zentimeter breite Gehweg folgt dem Tragrohr. Sein Gefälle nimmt bis zur Brückenmitte kontinuierlich zu und geht dann in eine Treppe über.

Panoramabrücke Beatenberg

Die rund 350'000 Franken teure neue Brücke wurde der X-Alpin GmbH Innertkirchen und der Brünig Metall AG Meiringen gebaut und installiert. Die Gasser Felstechnik AG aus Lungern war für die Verankerungen zuständig, das geotechnische Institut Spiez für die Geologie und Roland Luder (Thun) für die Baubiologie.

Die Spenderliste führt den Verein Panorama Rundweg Thunersee mit 165'000 Franken auf, die Einwohnergemeinde Unterseen und die Maria-Muerset-Stiftung mit je 25'000 Franken und weitere über 120 Spenderinnen und Spender.

Das durch das Wegfallen der Rohrbrücke eingesparte Geld (70'000 Franken) kommt ebenfalls dem Brückenbau zugute. Der Gemeinde Beatenberg verbleiben die Kosten für die Vorprojektierung und das geologische Gutachten.

Eigentümerin der neuen Einseilhängebrücke, die offiziell ­Panoramabrücke Beatenberg heisst, ist die Einwohnergemeinde Beatenberg.

Berner Oberländer

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