Die Angst vor dem «Rumhängen» junger Männer

Wilderswil

Ab 1. Juli wird im Hotel Kreuz ein Flüchtlingswohnheim eröffnet. 40 Menschen, die als Flüchtlinge anerkannt sind, werden im Hotel einziehen und so lange bleiben, bis sie eine Wohnung gefunden haben.

Das Hotel Restaurant?Kreuz in Wilderswil.

Das Hotel Restaurant?Kreuz in Wilderswil.

(Bild: Hans Urfer)

«Wie überzeugend klingt alles, wenn man wenig weiss», sagte Elias Canetti. Und weil Wissen der grösste Feind der Angst ist, informierte das Sozialamt der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wilderswil am Freitagabend in der Mehrzweckhalle Wilderswil über die bevorstehende Eröffnung des Flüchtlingswohnheims im Hotel Kreuz.

An die hundert Interessierte kamen, und die Mehrheit der Anwesenden schien der Tatsache gegenüber aufgeschlossen. Dennoch wurden am Ende des Anlasses Stimmen von Zweiflern laut, deren meist diffuse Ängste und zementierte Ansichten gegenüber dem Fremden, das kein Geld bringt, auch trotz einleuchtender Argumente der Informierenden aus Gemeinde und Kanton dunkel und unaufweichbar blieben.

40 anerkannte Flüchtlinge

Fakt ist, dass ab 1. Juli 40 anerkannte Flüchtlinge ins Hotel Kreuz einziehen werden. «Anerkannte Flüchtlinge sind Menschen, die in der Schweiz bleiben dürfen und deren Integrationsprozess weiterläuft», informierte Regula Unteregger, Amtsvorsteherin Sozialamt, Gesundheits- und Fürsorgedirektion. «Menschen, die bereits eine Weile in den diversen Durchgangszentren gelebt haben und nun offiziell hier arbeiten dürfen.»

Solange sie im Wohnheim lebten – bis sie eine eigene Wohnung gefunden hätten ­–, würden sie rund um die Uhr betreut. Zudem würden vormittags Sprachkurse angeboten und nachmittags Beschäftigungsprogramme.

Neben Unteregger informierten zudem Regierungsstatthalter Martin Künzi, Bruna Roncoroni, Abteilungsleiterin Asylkoordination Stadt Thun, die zusammen mit dem Sozialamt Betreiberin des Wohnheims ist, Cristina Spagnolo, Leiterin Migration des Schweizerischen Roten Kreuzes, und Marianna Lehmann, Gemeinderätin Wilderswil.

Gastrednerin war die Gemeindepräsidentin von Riggisberg, Christine Bär-Zehnder. Sie erzählte von den positiven Erfahrungen ihrer Gemeinde mit allerdings 150 Flüchtlingen und erntete Applaus für ihr Statement. «Es braucht Freiwillige», betonte sie. «Wenn sich die Bevölkerung für diese Menschen mit ihren schweren Schicksalen interessiert und ihnen Zeit und Neugierde schenkt, kann dazu beigetragen werden, dass das Zusammenleben zur Bereicherung wird.»

Auch die Gemeinde Wilderswil sucht nun Freiwillige, die helfen wollen. Sei es im Unterrichten der deutschen Sprache, im Umgang mit westlichen Werten oder im Zeigen, wie hierzulande der Alltag funktioniert.

Eine der Hauptfragen von Bewohnern aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Hotels war die Angst vor dem «Rumhängen» junger Männer. «Der Tag dieser Menschen läuft in klaren Strukturen ab», erklärten die fundiert vorbereiteten Gemeinde- und Kantonsvertreter aufs Neue: «Und was darüber hinausgeht: Wir freuen uns auf Freiwillige, die genau da einspringen.»

Zudem wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich doch bitte bei Fragen oder Reklamationen direkt an die Betreuungspersonen oder die Betreiber zu wenden. Der Leistungsvertrag zwischen den Parteien besteht für zwei Jahre.

Freiwillige Helfermelden sich bitte unter: g.schmied@bluewin.ch.

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