«Die Altersvorsorge ist ein Fundament unseres Landes»

Interlaken

Das Bödeli feierte den 1. Mai mit Bundesrat Alain Berset, Regierungsrat Christoph Ammann und Grossrat und Gemeindepräsident Urs Graf. Im Zentrum stand die Reform der Altersvorsorge.

Bundesrat Alain Berset sprach zum 1. Mai in Interlaken.

Bundesrat Alain Berset sprach zum 1. Mai in Interlaken.

(Bild: Raffael Thielmann)

«Die Altersvorsorge ist nicht irgendein politisches Thema, sondern ein Fundament unseres Landes», sagte Bundesrat Alain Berset in der Aula der Sekundarschule Interlaken.

Die Sozialdemokraten und die Gewerkschafter feiern auf dem Bödeli den Tag der Arbeit jeweils mit prominenten Rednern, Risotto und Musik. Alain Berset stand seit einigen Jahren auf der Wunschliste des Organisationskomitees. Und er kam sichtlich gern vom Bundeshaus ins Berner Oberland.

Vom Bundeshaus sang auch Ueli von Allmen von der Musikgruppe Tächa im Mani-Matter-Lied «Dynamit». Der Sänger beschreibt darin einem Anarchisten die Qualität der hiesigen Demokratie so positiv, dass dieser das Bundeshaus nicht in die Luft sprengt. Das Publikum in der voll besetzten Aula betätigte sich mit Klatschen und Klopfen als Perkussion, und Alain Berset machte aktiv und taktsicher mit.

«Eine ehrliche Reform»

«Unsere Werte verbinden uns, unser Engagement für Gerechtigkeit und Solidarität», sagte der Bundesrat. Als Antwort auf die Ansprüche der Populisten, das Volk zu sein, gelte es, die soziale Sicherheit zu stärken. Dazu diene auch die Altersvorlage 2020. «Es ist eine ehrliche Reform», sagte er. Sie bringe den Leistungserhalt, ein klar begrenztes Rentenalter von 65 Jahren, Fortschritte bei den tiefen Einkommen und bei der flexiblen Pensionierung und eine gesicherte AHV für das nächste Jahrzehnt.

Für die Besserstellung der Frauen setze sich der Bundesrat unabhängig von der Altersvorsorge ein. «Wenn die AHV bröckelt, dann sind es die Schwachen, die am meisten darunter leiden», ist der Sozialdemokrat Berset überzeugt.

Herkulesaufgaben

«Solidarität braucht es mehr denn je», sagte der Interlakner Gemeindepräsident und Grossrat Urs Graf. Er wies auf die Herkulesaufgaben hin, welche die Schweiz in Zukunft lösen muss: die immer älter werdende Bevölkerung, die Digitalisierung und damit der Verlust von Arbeitsplätzen, die Immigration. Es gelte, eine Zukunft für alle aufzubauen. Er sei froh, so Graf, in einer Partei zu sein, die auf neue Denkmodelle setze. «Die Welt muss gerechter und sozialer werden», sagte er. Umverteilung heisse heute noch zu häufig, dass die grössten Stücke immer noch grösser würden.

Regierungsrat Christoph Ammann sprach zum Thema «Politik und Gewalt». Zu feiern sei der Arbeitsfrieden von 1937. «Die Sozialpartnerschaft ist auch heute noch eine zwingende Voraussetzung für eine starke Wirtschaft in der Schweiz», sagte er. Auch er sprach von der Digitalisierung: «Sie wird die Arbeit grundlegend verändern.»

Die Situation sei vergleichbar mit jener der Arbeitenden in der Epoche der Industrialisierung, als die Arbeiterbewegung entstand. Damals habe man sich zum Teil nur mit Gewalt zu helfen gewusst. In der Schweiz habe sich gezeigt, dass gewaltloser Widerstand und politische Verhandlungen erfolgreich waren. Er dankte den Genossinnen und Genossen für den Mut, weiterzumachen, auch wenn man sich gerade auf dem Land manchmal einsam vorkomme.

Berner Oberländer

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