Die Abenteurerin bricht wieder auf

Spiez

TV-Auftritte, Vorträge und ein Job beim Radio: Ihre Ein-Frau-Veloreise nach Nepal sorgte vor fünf Jahren für Aufsehen – und veränderte Maria-Theresia Zwyssigs Leben.

Zu Besuch, natürlich per Velo: Maria-Theresia Zwyssig schaute vor ihrer Abreise auf der Redaktion dieser Zeitung, wo sie ihre ersten journalistischen Schritte machte, vorbei.

Zu Besuch, natürlich per Velo: Maria-Theresia Zwyssig schaute vor ihrer Abreise auf der Redaktion dieser Zeitung, wo sie ihre ersten journalistischen Schritte machte, vorbei.

(Bild: Jürg Spielmann)

Mann, hat diese Frau eine Ausdauer. Zuerst will sie 12 000 Kilometer auf dem Rad strampeln, dann 1700 Kilometer unter die Sohlen nehmen. In achtzehn Monaten. Allein. «Das Velofahren ist nur die Aufwärmphase, eigentlich geht es um den GHT», klärt Maria-Theresia Zwyssig auf. Sie lacht. GHT was? Great Himalaja Trail. Trekking für Fortgeschrittene. Nepal wird dabei von Ost nach West traversiert. Zwyssig will das auf der High Route tun. Oben in den Bergen warte das ultimative Abenteuer.

Die Spiezerin tut es also wieder. Heute vor fünf Jahren war sie bereits aufgebrochen, um durch siebzehn Länder, über Teile der Seidenstrasse und mehr als 10'000 Kilometer nach Nepal zu radeln. Dorthin, wo sie 2008 drei Monate bei einer tibetischen Familie gelebt hatte. Nach 303 Tagen und 55'154 Höhenmetern (Everest mal sechs) stieg Thesi, wie sie genannt wird, vom Sattel.

Ihre Ein-Frau-Veloreise hatte weniger als ein Jahr gedauert. So viel Zeit gab sich die Zierpflanzengärtnerin und medizinische Praxisassistentin. Von den einen für ihren Mut und Durchhaltevermögen bewundert, von anderen als Spinnerin bezeichnet, wusste die Alleinreisende Fortuna an ihrer Seite. Sie blieb von Unfällen verschont, hatte nur zwei platte Reifen. Gegen einen Angreifer, irgendwo im Nirgendwo (der Türkei), vermochte sie sich zur Wehr zu setzen.

Wieder daheim, berichtete sie von den Erlebnissen, «dem Abenteuer, das ihr eine Lebensschule war». Bei TV-Talker Aeschbacher, in Schulen und Altersheimen, bei Firmen. Und im Radio BeO. Sechzigmal. Sie konnte beim Lokalsender ein Volontariat bestreiten, wurde BeO-Moderatorin. Bis zuletzt ging sie auf Sendung – und wirkte an Wochenenden zu 20 Prozent im Hausärztenotfall am Spital Thun.

Moskau–Tokio–Kathmandu

Tempi passati. Am heutigen 3. 3. um 13 Uhr sagt sie, wie bereits ­anno 2013, in Kiental Adieu. «Da kann ich zu Beginn bergab fahren, das ist doch toll», flachst sie. Über Spiez geht es Richtung München, durch Tschechien, Polen, Litauen und Lettland nach Russland. Am 6. Mai will Zwyssig in Moskau eintreffen. Es ist das Ziel ihrer ersten Etappe. Danach geht es mit Mutter Katharina mit dem Zug auf die transsibirische Art ostwärts nach Wladiwostok.

Die zweite Veloroute führt die 31-Jährige über Südkorea, Japan, Taiwan, die Philippinen, Indonesien, Singapur, Malaysia, Thailand, Burma und Nordindien nach Nepal. Ziel: Kathmandu. «Mein Nepal-Visum ist maximal fünf Monate gültig, ich muss mich also sputen», sagt Maria-Theresia Zwyssig. Mit einem Führer geht es dann über Stock und Stein, über 6100 Meter hohe Pässe, durch unberührte Berglandschaften. Ende August 2019, nach gut 150 Tagen auf Schusters Rappen, soll das Ziel in Hilsa erreicht sein.

Weshalb tut sie das? «Das bin einfach ich – loslassen, aufbrechen, Neues erleben. Ich würde aber nie sagen, es sei eine Sucht.» Auch will sie erneut nicht fahrlässig Risiken eingehen. «Slowly but safe», langsam, aber sicher. So lautet das Credo von Maria-Theresia Zwyssig. Schliesslich sieht sie ihren neuerlichen Aufbruch nicht primär als Herausforderung. «Es ist eine Investition in mein Leben.»

Maria-Theresia Zwyssig auf deren Reise im Internet verfolgen: www.mariatheresia.ch.

Berner Oberländer

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